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Lebenskonzepte - Die europäische Stadt von Morgen

Leitaktion: Die Stadt von morgen - eine Aufgabe für heute
Inhalt

Dr Cristina Sabbioni

Dr. Cristina Sabbioni leitet die Abteilung 'Wechselwirkungen Atmosphäre-Werkstoffe' am Institut für Klimatologie und Ozeanologie (ISAO) des italienischen Consiglio Nazionale delle Ricerche (CNR). Sie ist stellvertretende Vorsitzende der externen Beratergruppe für die 5. RP-Leitaktion "Die Stadt von morgen und das kulturelle Erbe". Kontaktaufnahme per E-Mail an: sabbioni@isao.bo.cnr.it

Die Meinung der Expertin

"Heute besteht breiter Konsens darüber, dass wir nicht nur moralisch verpflichtet sind, unser kulturelles Erbe zu bewahren, sondern dass dies auch in unserem wirtschaftlichen Interesse liegt."

Diese Leitaktion bietet erstmals eine Gelegenheit zur Entwicklung eines Modells der Stadt von morgen, das auch den Schutz der charakteristischsten Merkmale der europäischen Städte einschließt, der zu unserem Kulturerbe gehörenden Gebäude und Kunstwerke.

Diese Erweiterung ist nicht nur neu, sondern auch wichtig. Das vorhergehende Rahmenprogramm befasste sich mit speziellen Aspekten wie den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf historische Gebäude, Statuen, Gemälde und Bücher. Jetzt werden die Wissenschaftler aufgefordert, den gesamten Kontext der modernen europäischen Stadt zu berücksichtigen und wirtschaftlich vorteilhafte sowie sozial und ökologisch nachhaltige Strategien zum Schutz ihres kulturellen Erbes zu entwickeln.

Gestern, heute und morgen

Ihr Ziel besteht darin, eine methodische Grundlage für die Verknüpfung des Aspekts 'Erhaltung des Kulturerbes' mit anderen wichtigen Aufgaben der Stadtentwicklung zu schaffen. Schließlich nutzen wir viele der Gebäude, um die es hier geht, als Läden, Wohn- oder Büroraum bzw. als Kirchen oder Museen. Sie sind für die heute lebenden und für zukünftige Generationen von Europäern ein wesentliches Element ihres kulturellen Lebens, und sie leisten - als Hauptattraktion für Besucher aus aller Welt - einen erheblichen Beitrag zu ihrem Wohlstand.

Neue Gebäude, neue Verkehrssysteme und bessere Zugangsmöglichkeiten zu den historischen Stadtzentren für die lokale Bevölkerung wie für Touristen sind wichtig. Aber die Planung muss auch der Notwendigkeit zum Schutz der historischen Bauten und Museen Rechnung tragen. So lagern sich zum Beispiel die in den Dieselabgasen enthaltenen Partikel als schwarzer Belag auf den Gebäuden ab und verursachen erhebliche Instandhaltungskosten. Diese Schäden müssen genauso Eingang in die Kosten-Nutzen-Analysen der Behörden finden wie die gesundheitlichen Folgen. Die Leitaktion wird bei der Entwicklung der Instrumente helfen, die wir brauchen, um die Erhaltung unseres kulturellen Erbes - und ihre Kosten - in den Prozess der Stadtplanung einzubeziehen.

Die gegenwärtigen Standards für die Luftqualität wurden zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Ökosysteme eingeführt. Zu den Zielen der Leitaktion gehört auch, hier die höheren Werte zu definieren, die für die Erhaltung unseres kulturellen Erbes erforderlich sind, die beste Methode zum Schutz vor ungeeigneten Konservierungstechniken zu ermitteln und die potentiell schädigenden Wirkungen der Stadtentwicklung zu identifizieren.

Nutzen in anderen Bereichen

Die Forschung steht an der Spitze der Entwicklung. Seit über 20 Jahren untersuchen Fachleute für Denkmalpflege die von den Luftschadstoffen verursachten Schäden an historischen Bauten. Nun endlich beginnen die Politiker auf städtischer und nationaler Ebene in ihnen ein Thema der Stadtplanung zu sehen und sie - genauso wie andere Auswirkungen - bei der Bewertung von Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung zu berücksichtigen.

Die gegenwärtige Praxis zum Mangement des Kulturerbes variiert in den verschiedenen europäischen Ländern erheblich. In einigen Mitgliedstaaten, wie dem Vereinigten Königreich, wurden auf dem Weg zur Nutzung integrierter Planungsverfahren bereits große Fortschritte erzielt. Doch es geht hier nicht um ein oder zwei herausragende architektonische Denkmäler oder Kunstwerke - fast jede europäische Stadt verfügt über wertvolle Zeugen ihrer Vergangenheit. Es besteht breiter Konsens darüber, dass wir nicht nur moralisch verpflichtet sind, dieses Erbe zu bewahren, sondern dass dies auch in unserem wirtschaftlichen Interesse liegt. Die Forschung auf europäischer Ebene trägt dazu bei, die in einem Land gewonnenen Erkenntnisse rasch auch in allen anderen zu verbreiten.

Ein wichtiges Nebenprodukt dieser Forschungstätigkeit ist schließlich die Tatsache, dass viele ihrer Ergebnisse auch in anderen Bereichen genutzt werden können. So werden zum Beispiel die umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Schädigung historischer Bauten durch die Reaktion des Zementmörtels mit dem als Schadstoff in der Luft enthaltenen Schwefeldioxid jetzt auch von der Bauindustrie verwertet.

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