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5. RAHMENPROGRAMM im Bereich Forschung und technologische Entwicklung (1998-2002)

Arbeitspapier der Kommission zu den Spezifischen Programmen:
Erste Elemente für die Diskussion


KOM(97) 553

05-11-1997

Förderung eines wettbewerbsorientierten und nachhaltigen Wachstums (3)

(Teil I : EG-Vertrag)

(ii) FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG IM BEREICH DER GENERISCHEN TECHNOLOGIEN

  • Neue Werkstoffe und ihre Herstellung und Verarbeitung

Begründung

Produkte und industrielle Verfahren in Bereichen wie Bau, Verkehr, Umwelt, Energie, Gesundheit und in anderen Dienstleistungsbereichen werden zunehmend komplex und stellen immer größere Anforderungen an Qualität, Beständigkeit, Funktionalität und strukturelle Eigenschaften der Werkstoffe. Neue und verbesserte Werkstoffe und die damit verbundenen Verfahren sind von zentraler Bedeutung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, nicht nur im Hinblick auf die mit 400 Mrd. ECU veranschlagten Werkstoffmärkte, sondern auch für die europäische Industrie insgesamt. Für das Marktsegment "neue Werkstoffe" wird von einem Wachstum von rund 5% pro Jahr ausgegangen. Die langfristige Forschung ist jedoch zunehmend gefährdet, da in der Industrie derzeit ein Trend zur Dezentralisierung zu verzeichnen ist, und wegen des harten Preiskampfes, der die Industrie dazu veranlaßt, sich auf kurzfristigere Ziele zu konzentrieren. Die ökologische Nachhaltigkeit wird ferner einschneidende Verringerungen beim Ressourceneinsatz auf Lebenszyklus-Grundlage erfordern, was die schrittweise Einführung erneuerbarer Rohstoffe und wiederverwendbarer Werkstoffe sowie eine zunehmende Erzeugung und Einbeziehung "sekundärer" Rohstoffe notwendig macht.

Ziele und FTE-Tätigkeiten

Verbesserte und neue Werkstoffe für eine Vielzahl von Anwendungen. Ziel ist, die vielversprechendsten Forschungsarbeiten im Hinblick auf eine Verbesserung der Funktionalität und Effizienz vorhandener Werkstoffe sowie die Entwicklung neuer Werkstoffe mit völlig neuen bzw. drastisch verbesserten Merkmalen zu fördern.

FTE-Schwerpunkte: innovative Konzepte wie Werkstoffe mit Nanostruktur, Supramolekularchemie, Kolloidalsysteme und Biomimetikchemie; Verbesserungen hinsichtlich der Werkstoffeigenschaften und der Leistungsfähigkeit unter Extrembedingungen; Verbesserung der Kenntnisse über die Verschleißerscheinungen bei Werkstoffen; neue Struktur- und Funktionswerkstoffe mit reproduzierbaren Eigenschaften und zuverlässiger Wirkungsweise; verbesserte und neue Biowerkstoffe wie Implantate, Gewebe und Körperflüssigkeiten, Biosensoren, Systeme zur Abgabe von Arzneimitteln.

Werkstoffherstellung und Verarbeitungsverfahren. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf Technologien, die im Hinblick auf die Werkstoffe die Qualität, Zuverlässigkeit und Kostenwirksamkeit gewährleisten, um eine optimale Nutzung sicherzustellen, insbesondere unter Berücksichtigung des Trends hin zu kürzeren Produktionszyklen.

FTE-Schwerpunkte: Technologien für die Herstellung von Werkstoffen mit hoher Wertschöpfung, Industriebereiche mit hohem KMU-Anteil, einschließlich Feinchemikalien, fortgeschrittene Polymere, Metalle und Legierungen, Verbundwerkstoffe, Keramikwerkstoffe; Verarbeitungstechnologien für Mikro- und Nanopulver; Technologien für die Oberflächen- und Grenzflächenbehandlung sowie Beschichtungen für fortgeschrittene Werkstoffe (z.B. Verbundwerkstoffe, Funktionsglas, Keramik und Polymere) und funktionale Anwendungen (z.B. Korrosion, Umweltschutz und Verringerung des Verschleißes).

Nachhaltige Nutzung von Werkstoffen. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die ökologischen Auswirkungen neuer Werkstoffe und die Wiederverwendung von Werkstoffen mit dem Ziel, den Anfall sekundärer Rohstoffe mit zuverlässigen Werkstoffeigenschaften anzuheben und die Auswirkungen auf den Lebenszyklus zu verringern.

FTE-Schwerpunkte: Forschungsarbeiten, die die Entwicklung von leicht wiederverwertbaren Werkstoffen unterstützen; Recyclingverfahren, die garantierte Werkstoffeigenschaften, die Eignung für den vorgesehenen Zweck und die Kostenwirksamkeit sicherstellen; Minimierung des Werkstoffabfalls und erneute Nutzung; erneuerbare Rohstoffe, insbesondere zur Herstellung von organischen Chemikalien.

  • Neue Werkstoffe und Fertigungstechnologien im Bereich Kohle und Stahl

Begründung

Vor vielen Jahren hat die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) einen Rahmen für die Verbundforschung geschaffen und ein effizientes Wissenschaftlernetz aufgebaut. Mit Hilfe dieses Netzes wird nicht nur die Qualität der wissenschaftlichen und technischen Ergebnisse gefördert, sondern auch ein effizienter Technologietransfer mit einer raschen Umsetzung der Forschungsergebnisse bewirkt. Da jedoch der EGKS-Vertrag 2002 ausläuft, ist es unter Berücksichtigung der Schlußfolgerungen des Europäischen Rates von Amsterdam (Juni 1997) dringend notwendig, die Kohle- und Stahlforschung beschleunigt in das Rahmenprogramm einzubeziehen(5). Dies wird für die Stahlindustrie und die Lieferanten, die Endverbraucher und andere Forschungsakteure zu verringerten Kosten und einer höheren Wertschöpfung führen und die Zufriedenheit der Verbraucher verbessern.

Ziele und FTE-Tätigkeiten

Kohleforschung konzentriert sich auf die Produktion von Hüttenkoks.

FTE-Schwerpunkte: Forschungsarbeiten zur Senkung der Kosten und Verbesserung der Qualität von Hüttenkoks; verbesserte Produktion von Reduktionsgasen; Verringerung der Emissionen und Verbesserungen im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit in Industrieanlagen.

Die Stahlforschung konzentriert sich auf die Entwicklung flexibler und kompakter Stahlproduktionslinien, sauberere Verfahren, innovative Stahlerzeugnisse und die Entwicklung von Recyclingverfahren.

FTE-Schwerpunkte: Technologien und Verfahren für die flexible und kostengünstige Gewinnung von Eisen und Stahl; Technologien zur Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen, zur Verbesserung der Reinheit von Stahl und zur verstärkten Wiederverwertung; Gießen, Walzen und anschließende Bearbeitung, einschließlich verbesserter Qualität, geringerer Toleranzen, niedrigerem Energieverbrauch, verbesserter Techniken für die Beschichtung und Oberflächenbehandlung, integriertem Verfahrensmanagement und integrierter Verfahrenskontrolle; Entwicklung von Stahlsorten mit verbesserten Eigenschaften und von hochfestem Stahl mit verbessertem Verhalten und für den Einsatz unter Extrembedingungen; "Entmaterialisierung", Recycling und Aufwertung von Nebenprodukten.

  • Meß- und Prüfwesen

Begründung

Zur Stärkung des EU-Binnenmarktes und zur Erfüllung gesellschaftlicher Bedürfnisse ist es wesentlich, die Qualität und Nachhaltigkeit der industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnisse, der damit verbundenen Dienstleistungen und der Waren zu gewährleisten. Neue und verbesserte Technologien und Methoden sind für Messungen und Prüfungen erforderlich, um die Entwicklung sauberer und effizienter Produkte, Verfahren und Dienstleistungen unter Berücksichtigung der technologischen und rechtlichen Veränderungen zu unterstützen. Harmonisierte und validierte Verfahren in der EU und die Einrichtung eines internationalen Systems zur Rückverfolgbarkeit von Messungen tragen dazu bei, Handelshemmnisse zu beseitigen, umweltfreundliche Produkte zu fördern und den Abschluß von Vereinbarungen über die gegenseitige Anerkennung mit Drittländern zu erleichtern. Neue Verfahren sind ebenfalls für die Betrugsbekämpfung erforderlich, die für die nationalen Haushalte und den Gemeinschaftshaushalt sehr kostspielig ist. Die Entwicklung eines effizienten Instrumentariums zur Erfüllung industrieller und gesellschaftlicher Bedürfnisse fördert ebenfalls die Marktchancen der Hersteller von Meßinstrumenten, insbesondere von KMU. In diesem Bereich müssen neue Konzepte angewandt werden, um den Zugang von KMU zu erleichtern und in die Forschungstätigkeiten auf KMU zugeschnittene Ziele einzubeziehen.

Ziele und FTE-Tätigkeiten

Pränormative Forschung und technische Unterstützung für die Normung. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Entwicklung von Meß- und Prüfverfahren und die Erarbeitung wissenschaftlicher und metrologischer Daten.
FTE-Schwerpunkte: Ausarbeitung neuer Normen für die gesamte Bandbreite der industriellen Anforderungen; Verbesserung bestehender Normen; Unterstützung für die Ausarbeitung von Qualitätsnormen und Leitlinien zur Erleichterung des Handels, zum Schutz von Verbrauchern und Umwelt und zur Förderung von Vereinbarungen für die gegenseitige Anerkennung.

Betrugsbekämpfung. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Entwicklung und Verbesserung von Meß- und Prüfverfahren, mit denen betrügerische Handlungen im Zusammenhang mit Werkstoffen, Bauteilen, Waren, Dienstleistungen oder Personen aufgedeckt werden sollen.

FTE-Schwerpunkte: Techniken zur Bekämpfung des Betrugs am Verbraucher durch nachgeahmte oder falsch ausgezeichnete industrielle und landwirtschaftliche Erzeugnisse; Unterbindung des Umgehens von gewerblichen Vorschriften oder Rechtsvorschriften der EU, einschließlich Zolltarife, Quoten, Abfallbeseitigung; Unterbindung der Irreführung der Behörden, einschließlich Nachweis von Drogen/Arzneimitteln, Doping und Herkunftsermittlung bei Kunstwerken.

Verbesserung der Qualität. Die Forschungsarbeiten unterstützen die Entwicklung von Techniken und Hilfsmitteln, die es der Industrie, den Dienstleistungsanbietern und der Landwirtschaft gestatten, die Merkmale zu ermitteln, zu quantifizieren und zu messen, die ein Qualitätserzeugnis für den Verbraucher aufweisen muß.

Forschungsschwerpunkte: verbesserte Verfahren für das Messen und Prüfen der Qualität; neue Methoden und Grundsätze, einschließlich Prüfung der Wirksamkeit der ISO-Normen der Normenreihen 9000 & 14000; Entwicklung von Instrumenten zur Durchführung von Referenz- und Feldmessungen sowie entsprechender Prüfungen, einschließlich neuartiger Sensoren und Erfassungstechniken, wobei der Schwerpunkt auf robusten tragbaren und vor Ort einsetzbaren Instrumenten liegt; Entwicklung zertifizierter Referenzmaterialien, um die Zuverlässigkeit und Rückverfolgbarkeit von Messungen zu gewährleisten.

(iii) UNTERSTÜTZUNG DER FORSCHUNGSINFRASTRUKTUR

Begründung

Der industriellen Forschung in Europa, mit stark entwickelten Stützpunkten auf nationaler Ebene, wird weithin Exzellenz bescheinigt. Damit hieraus Wettbewerbsvorteile erwachsen, müssen die wissenschaftlichen und technologischen Ergebnisse jedoch in erfolgreiche Anwendungen umgesetzt werden. Dies erfordert die Prüfung neuer Werkstoffe, Verfahren oder Prototypen, wozu eine hochspezialisierte und kostspielige Infrastruktur notwendig ist. Neue Erkenntnisse führen jedoch zu einer steig wachsenden Menge von neuen Daten. Das Sammeln, Speichern und Ordnen dieser Daten auf europäischer Ebene käme der Industrie und den Benutzern insgesamt zugute. Die Effizienz würde nicht nur durch die Reduzierung von Doppelarbeiten verbessert, wichtiger wäre vielmehr, daß durch die Ausrichtung der gesamten Forschungsinfrastruktur in Europa auf gemeinsame Ziele die Ausarbeitung eines strategischen Konzepts möglich würde. Maßnahmen sind erforderlich, um die optimale Nutzung der vorhandenen Forschungsinfrastruktur und von Großanlagen, unter Beachtung der Situation in den weniger begünstigten Regionen, zu fördern, gemeinsame Bedürfnisse im Hinblick auf die Stärkung dieser Infrastruktur und die hierzu notwendigen und aufeinander abgestimmten Strategien zu ermitteln sowie die vorhandenen Einrichtungen weitestgehend zusammenzufassen, um Doppelarbeiten zu vermeiden und die Kompatibilität beim Datenaustausch zu gewährleisten. Da der Entwicklungsstand der nationalen Einrichtungen in der Gemeinschaft unterschiedlich ist, muß die Zusammenarbeit in Bereichen wie Konformitätsbewertung, Schulung und Know-how-Transfer ebenfalls verstärkt werden.

Ziele und Tätigkeiten

Gemäß den Zielen dieses Programms sind die Tätigkeiten darauf gerichtet, auf viele Akteure aufgeteilte Forschungskapazitäten sowie mittlere und große Forschungseinrichtungen optimal einzusetzen und einen raschen Transfer vorhandener und ergänzender FTE-Ergebnisse zur Umsetzung in industrielle Anwendungen vorzunehmen. Bereiche von Interesse sind Rechenzentren für die industrielle Forschung, industrielle Hochleistungslaser, Transporttesteinrichtungen, hochwertige Windkanäle, für ozeanographische Forschungen eingesetzte Schiffe sowie Testeinrichtungen für Werkstoffe und Strukturen.

Virtuelle Institute. Durch die Entwicklung der Technologien für die Informationsgesellschaft und durch die Schaffung einer neuen Art von "vernetzten" Instituten werden insbesondere kleinere Forschungszentren dazu animiert, zusammenzuarbeiten und ihr jeweiliges Potential einzubringen. Hierdurch sollen Synergieeffekte sowie für Industrie und Gesellschaft weitergehende Gewinne erzielt werden, insbesondere zu Zielen im Zusammenhang mit den Leitaktionen und den generischen Technologien.

Die europäische metrologische Infrastruktur für Qualitätserzeugnisse, Verfahren und Dienstleistungen (einschließlich Referenzmaterialien) soll weiterhin dabei unterstützt werden, auf dem bereits bestehenden ausgedehnten Netz aufzubauen, das dafür Sorge trägt, daß die Normen im Meß- und Prüfbereich in Europa und darüber hinaus gleichwertig sind.

Referenzdatenbanken erwiesen sich als hilfreich bei der Entwicklung des europäischen Forschungsnetzes, insbesondere im Bereich der Werkstofftechnik. Die Arbeiten helfen dabei, Forschungsaktionen auf nationaler und internationaler Ebene sowie die Forschungsergebnisse verschiedener Forschungseinrichtungen aufzulisten und zu vergleichen. Sie konzentrieren sich darauf sicherzustellen, daß die anfallenden Daten qualitativ annehmbar und vergleichbar sind, und darauf, zur Unterstützung der Forschung auf EU-Ebene sektorbezogene und lokale Aktivitäten zusammenzufassen. Bei diesen Arbeiten werden die geistigen Eigentumsrechte der einzelnen Organisationen geschützt.

(5) Mitteilung der Kommission an den Rat - Ablauf der Geltungsdauer des EGKS-Vertrags - Finanztätigkeiten. KOM(97) 506 endg. vom 8.10.1997

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Note: Obgleich die Dienststellen der Kommission alle Vorkehrungen treffen, um Irrtümer oder Auslassungen zu vermeiden, sind die verbreiteten Dokumente für die Kommission nicht bindend. Nur die im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlichte Fassung ist verbindlich.

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