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FuE in Deutschland

Forschungslandschaft Deutschland

Zu Beginn des 21. Jahrhundert stellen zwei Grundströmungen Wissenschaft und Forschung vor große Herausforderungen: die Globalisierung und der Übergang zur Wissensgesellschaft. Damit Deutschland im weltweiten Wettbewerb der Forschungsstandorte seine Spitzenstellung behaupten kann, wird ein leistungsstarkes und wettbewerbsorientiertes Wissenschaftssystem benötigt.

Insgesamt liegen die Bruttoinlandsausgaben für FuE der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2009 bei 67 Mrd. €, das sind 2,8 % des Bruttoinlandsprodukts. Dabei spielt die die Wirtschaft in der Forschungslandschaft Deutschland die größte Rolle als Finanzierungsquelle. Die FuE-Aufwendungen der deutschen Wirtschaft erreichten 2009 die Grenze von 45 Milliarden €. Der Staat war in 2009 mit 19,9 Milliarden €, das Ausland mit 2,6 Milliarden und Private Organisationen ohne Erwerbszweck mit rund 176 Millionen € im Bereich der FuE-Aufwendungen vertreten.

Der Bund fördert gemeinsam mit den Ländern die beiden großen Forschungsorganisationen Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und Fraunhofer-Gesellschaft (FhG). An dieser Grundfinanzierung ist der Bund bei der MPG mit 50%, bei der FhG mit 90% beteiligt. Die MPG führt freie Grundlagenforschung auf neuen, für die Zukunft wichtigen Gebieten durch. Sie setzt Schwerpunkte der Spitzenforschung und nimmt eine Ergänzungsfunktion insbesondere gegenüber der universitären Forschung wahr. Die FhG konzentriert sich auf die angewandte Forschung, ihr Ziel ist insbesondere die Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue und innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen.

Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird gemeinsam von Bund und Ländern finanziert. Sie fördert als Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft vor allem die Hochschulen in all ihren Disziplinen durch Projekte und Programme. Der jeweilige Bundesanteil liegt bei 50% und darüber. Die DFG trägt neben MPG und FhG wesentlich zur Stärkung und Integration der Forschung in Deutschland wie auch zur internationalen Zusammenarbeit bei. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses steht mit im Vordergrund.

Den Aus- und Neubau von Hochschulen einschließlich der Hochschulkliniken nehmen Bund und Länder gleichfalls als Gemeinschaftsaufgabe wahr. Hier geht es grundsätzlich darum, die Hochschulen als Bestandteil des gesamten Bildungs- und Forschungssystems an die nationalen und internationalen Anforderungen anzupassen.

Dazu gehört, daß in diesem Bereich unter Berücksichtigung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen auch Forschungsschwerpunkte an den Hochschulen gefördert werden.

Darüber hinaus fördert der Bund mit zeitlich befristeten und zusammen mit den Ländern vereinbarten Sonderprogrammen die Hochschulen in Bereichen, die aufgrund ihrer besonderen Bedeutung oder Belastung rascher und überproportionaler Förderung bedürfen. Diese Sonderprogramme dienen sowohl der Lehre als auch der Forschung. Nach der Wiedervereinigung lag dabei ein besonderer Akzent auf der Umstrukturierung von Hochschule und Forschung in den neuen Ländern.

Die Helmholtz- Gemeinschaft hat die Aufgabe, langfristige Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft zu verfolgen und die Lebensgrundlagen des Menschen zu erhalten und zu verbessern. Dazu identifiziert und bearbeitet sie große und drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch strategisch-programmatisch ausgerichtete Spitzenforschung in sechs Bereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. In der Helmholtz-Gemeinschaft haben sich 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren zusammengeschlossen. Mit fast 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro ist die Helmholtz-Gemeinschaft die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Die Arbeit der Helmholtz-Gemeinschaft steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).>

Überwiegend je zur Hälfte finanzieren Bund und Länder die Einrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz . Neben der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft bilden die Leibniz-Institute (vormals auch als Blaue-Liste-Institute bekannt) eine von vier Säulen der gemeinsamen Forschungsförderung von Bund und Ländern. Die Leibniz-Institute sind nach Aufgabe, Größe, Standort und Rechtsform sehr unterschiedlich. Die Mehrzahl der Institute widmet sich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung. Gemeinsam ist allen Einrichtungen die überregionale Bedeutung und das gesamtstaatliche wissenschaftspolitische Interesse an ihrer Arbeit. Leibniz-Institute stellen sich in regelmäßigen Abständen einer in ihrer Konsequenz in Deutschland bisher einzigartigen externen wissenschaftlichen Qualitätsbewertung (Evaluation).

Eine erhebliche Forschungskapazität stellen die vom Bund bzw. von den Ländern getragenen Bundes- und Landeseinrichtungen mit Forschungsaufgaben dar. Diese Einrichtungen haben - neben ihren hoheitlichen Tätigkeiten - zunächst die Aufgabe, wissenschaftliche Ergebnisse für die Durchführung der Ressortaufgaben zu gewinnen, sie tragen jedoch auch zum allgemeinen Erkenntnisgewinn bei.

Als eine gemeinsame Einrichtung der deutschen Hochschulen hat der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) die Aufgabe, die Hochschulbeziehungen mit dem Ausland vor allem durch den Austausch von Studenten und Wissenschaftlern zu fördern. Seine Programme sind in der Regel offen für alle Fachrichtungen und alle Ländern und kommen Ausländern wie Deutschen gleichermaßen zugute. Der DAAD wird zu 80% aus Mitteln des Bundes finanziert. Den Rest stellen die Europäische Union und private Geldgeber zur Verfügung.

Mit seinen über 250 Einzelprogrammen verfolgt der DAAD das Ziel einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Ausland, der Förderung der deutschen Sprache und Germanistik im Ausland sowie der (Nach-)Betreuung von Stipendiaten, Information und Publikation, Hochschulmarketing und Politikberatung.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) vergibt jährlich bis zu 600 Forschungsstipendien an promovierte ausländische Wissenschaftler.

Einen Forschungsaufenhalt für deutsche Wissenschaftler/innen im Ausland ermöglicht die AvH insbesondere durch die Vergabe von jährlich bis zu 150 Feodor Lynen-Forschungsstipendien.

Einen wichtigen Platz in der Forschungslandschaft nimmt auch die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen e.V. (AiF) ein. Die AiF ist eine privatwirtschaftliche Dachorganisation von ca. 107 industriellen Forschungsvereinigungen. Hauptaufgabe der AiF ist die Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung. Mit öffentlicher Förderung werden Vorhaben der anwendungsorientierten Forschung unterstützt, die den praktischen Bedürfnissen der kleinen und mittleren Unternehmen Rechnung tragen.

Im Jahr 2010 standen den 40 Bundeseinrichtungen mit Forschungsaufgaben ca. 830 Mio. € für Forschungsausgaben zur Verfügung (100 Prozent Finanzierung durch den Bund). Sie nehmen ihre Aufgaben in FuE im Rahmen ihrer hoheitlichen Tätigkeiten war. Das gesamte Aufgabenspektrum steht im Kontext der Aufgaben des Bundesministeriums, zu dessen Geschäftsbereich sie gehören. Ihre Forschungsaufgaben haben daher zunächst das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Durchführung der Ressortaufgaben zu gewinnen („Ressortforschung“), sie tragen jedoch auch zum allgemeinen Erkenntnisgewinn bei. Daneben gibt es eine Vielzahl Landes- und kommunaler Forschungsanstalten.

Die acht deutschen Akademien der Wissenschaften in Berlin, Düsseldorf, Göttingen, Hamburg, Heidelberg, Leipzig, Mainz und München mit mehr als 1900 ordentlichen und korrespondierenden Mitgliedern aus den verschiedensten Fachrichtungen sind in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossen. Die in ihrem Grundhaushalt allein von den Ländern finanzierten Akademien sind als wissenschaftliches Forum Ort zur Pflege der Wissenschaft, insbesondere für interdisziplinäre Reflexion und fachübergreifende Wissensproduktion, sowie Vermittler bei wissenschaftlichen und mit der Bewertung von Wissenschaft zusammenhängenden gesellschaftlichen Konflikten und Ansprechpartner für internationale wissenschaftliche Kooperation. Eine wichtige Aufgabe der Akademien ist das von Bund und Ländern je zur Hälfte finanzierte Akademienprogramm mit einem Volumen von rund 57 Mio . € in 2012.

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle, eine - übernationale - naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft, wird vom Bund (BMBF) und dem Land Sachsen-Anhalt im Verhältnis 80:20 finanziert.

Die Breite der Forschungslandschaft und die Wahrnehmung unterschiedlicher Aufgaben durch die Wissenschaftsorganisationen und Forschungseinrichtungen zählen zu den Stärken des deutschen Wissenschaftssystems. Seine dynamische Fortentwicklung ist eine der zentralen Aufgaben der deutschen Forschungspolitik. Weltoffenheit, Kooperationsfähigkeit und Exzellenz sind die Leitbilder einer Forschungslandschaft, die sich den Anforderungen des 21. Jahrhunderts stellt.

Weitere interessante Informationen finden Sie in der Broschüre Buindesbericht Forschung und Innovation 2012 [PDF]

Letzte Aktualisierung: 2014-07-15