Hintergrund, Kontext, Ziele: Die Informationsgesellschaft braucht BibliothekenIn der Informationsgesellschaft ist Wissen ein ausschlaggebender Faktor für den Wettbewerb. Die Art, in der wir mit Information umgehen, gewinnt um so mehr an Bedeutung, je stärker die digitale Revolution unsere Arbeitswelt und unseren privaten Alltag beeinflußt. Die Veränderungen müssen wir so gut wie möglich bewältigen, denn sie sind wichtig für Wirtschaft, Demokratie und Gesellschaft. Die Informationsgesellschaft bietet den Bürgern neue Möglichkeiten, zu Wohlstand zu gelangen, und erlaubt ihnen ein aktiveres Mitwirken an der Gesellschaft. Die Kluft zwischen Informationsreichen und Informationsarmen wird indessen immer größer und führt unter Umständen zu sozialen Spannungen. Notwendigkeit einer StrategieAus diesen Gründen wird eine Strategie benötigt, um:
Die öffentlichen Bibliotheken haben von jeher Lösungen geboten. Es gibt mehr als 40.000 öffentliche Bibliotheken in der Europäischen Union. Sind sie überhaupt in der Lage, die neuen Herausforderungen anzunehmen? Für sie spricht:
In Europa haben dynamische öffentliche Bibliotheken die Bürger und Politiker in ihrem Einzugsbereich schon jetzt davon überzeugt, daß sie als Antwort auf die entstehende Informationsgesellschaft effiziente Dienste anbieten können. Die meisten öffentlichen Bibliotheken sind jedoch im Rückstand. Wollen sie aber den heutigen Bedürfnissen gerecht werden, müssen sie ihre Aufgabenstellung neu definieren und Strategien zur Herbeiführung des Wandels entwickeln. Angesichts der entstehenden Informationsgesellschaft ist das oberste Ziel: Jedermann soll jederzeit und an jedem Ort Zugang zu jeder Art von Information haben. Die Technik macht dies bereits möglich, zunächst müssen wir aber unsere weitverbreitete Abhängigkeit von den traditionellen Medien überwinden. Die durch die Bibliotheksvernetzung gebotenen Möglichkeiten müssen für andere geöffnet werden. Das Buch wird zwar noch viele Jahre der wichtigste Informationsträger bleiben, aber sich selbst auf gedrucktes Material beschränken hieße für die Bibliotheken zunehmend in den Rückstand geraten gegenüber denjenigen, die - häufig mit großem Erfolg - moderne Netzdienste bereitstellen. Zurück zur Inhaltsangabe
Die moderne BibliothekIn der Studie wird der Begriff "moderne Bibliothek" (updated library) benutzt, um öffentliche Bibliotheken zu beschreiben, die parallel zu ihren herkömmlichen Diensten auch neue Dienste und Techniken anbieten; das ist bei den meisten Bibliotheken in Europa der Fall. Die Studie stützt sich auf elf Länderstudien, sechs Fallstudien, in denen beispielhafte Bibliotheken und nachahmenswerte regionale Kooperationen beschrieben sind, sowie auf Schreibtischforschung. Die Frage lautet: Wie sollen die Bibliotheken vorgehen, um ihre herkömmlichen Dienste anzupassen und neue anzubieten, damit sie den Bedürfnissen ihrer Benutzer im Kontext der Informationsgesellschaft gerecht werden. Zurück zur Inhaltsangabe
Schlußfolgerungen und Empfehlungen - Was sollte getan werden?Wenn die öffentlichen Bibliotheken ihr Potential voll nutzen sollen, müssen sie Strategien erarbeiten, um neue Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu entwickeln und neue, verbesserte Dienste für den Bürger anzubieten. Gebraucht wird eine umfassende Unterstützung bei Schulung, Ausbildung und Implementierung. Allgemeine Empfehlungen, die im wesentlichen auf nationaler oder regionaler Ebene umzusetzen wärenMaßnahmen werden in zwei Bereichen empfohlen: Politische Konzepte und StrategienAuf nationaler Ebene sollte für die öffentlichen Bibliotheken eine Politik formuliert werden, eng verbunden mit einem Konzept speziell für öffentliche Bibliotheksdienste in Schlüsselbereichen, wie z.B. Ausleihe zwischen Bibliotheken und Bibliotheksvernetzung. Die Informationspolitik in den einzelnen Ländern sollte bewirken, daß die Rolle der öffentlichen Bibliotheken anerkannt wird. Implementierungsstrategien für neue Dienste und technische Unterstützung sollten auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene entwickelt werden. Verbesserung der Kenntnisse: Dringender Bedarf an modernen SchulungsprogrammenEs sollte sichergestellt werden, daß angemessene Möglichkeiten für fachliche Fortbildung und Schulung bereitgestellt und genutzt werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Arten von Bibliotheken - insbesondere zwischen öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken - mit anderen Institutionen sollte intensiv gefördert werden. Zurück zur Inhaltsangabe
Besondere Empfehlungen, die auf europäischer Ebene umzusetzen wärenZuständig für die örtlichen öffentlichen Bibliotheken sind die Gemeinden. Auf europäischer Ebene wären Maßnahmen sinnvoll, die nationale, regionale und lokale Initiativen unterstützen. Empfohlen werden Maßnahmen in mehreren Bereichen, z.B. konzertierte Aktionen und Studien zu Politik und Planung, Initiativen zur Verbesserung der Fähigkeiten und Kompetenzen; Studien und Projekte zur Entwicklung neuer Werkzeuge. Konzertierte Aktionen, Studien zu Politik und Planung, Schaffung neuer DiensteEmpfohlen werden:
Entwicklung, bzw. Unterstützung von Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung
Studien und Projekte zur Entwicklung neuer Werkzeuge und Dienste
Anregung des Marktes für TelematikprodukteInitiierung einer konzertierten Aktion zur Unterstützung einer Plattform, die einen intensiveren Dialog zwischen öffentlichen Bibliotheken und Systemanbietern ermöglicht. Im Vorausgehenden wurden Vorschläge für konkrete Schritte gemacht. Benötigt werden nun Finanzierungsmittel. Eine europäische Finanzierungsquelle wäre äußerst wünschenswert: dadurch würde der Wandel in den öffentlichen Bibliotheken beschleunigt. Zurück zur Inhaltsangabe
Aktuelle Lage:Die öffentlichen Bibliotheken in Europa entwickeln sich mit unterschiedlicher GeschwindigkeitDie Entwicklung erfolgt in drei Stufen:
Was Stufe Nr.1 anbelangt, so bestehen zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten beträchtliche Unterschiede: Der Prozentsatz der Bibliotheken, in denen bereits eine Automatisierung stattgefunden hat, schwankt zwischen 20 und 100%. In einigen Ländern läßt sich bereits ein deutlicher Schritt in Richtung Stufe Nr.2 feststellen: Dort verfügt nahezu die Hälfte der Bibliotheken über Internet-Zugang in irgendeiner Form. In anderen Ländern ist diese Zugriffsmöglichkeit dagegen eher die Ausnahme. Das gleiche gilt für CD-ROM-Zugang. Auf europäischer Ebene sind die öffentlichen Bibliotheken, die Fernzugriff auf ihre Kataloge anbieten, eine kleine Minderheit. Auch gibt es nur sehr wenige Bibliotheken, die elektronische Dokumentlieferdienste bereitstellen. Die Studie beschreibt eine Zukunftsvision, deren Verwirklichung die Entwicklung beschleunigen würde. Ausgangsbasis für das Modell sind öffentliche Bibliotheken, die auf beispielhafte Art modernisiert haben. Zurück zur Inhaltsangabe
Die Vision:Die öffentlichen Bibliotheken als wichtiger Akteur bei der Verwirklichung der Informationsgesellschaft auf lokaler EbeneDie moderne öffentliche Bibliothek bietet folgendes:
Die moderne Bibliothek
Die örtlichen öffentlichen Bibliotheken werden sich entsprechend dem Bedarf vor Ort entwickeln. In den einzelnen Regionen wird es die unterschiedlichsten Bibliotheken geben, aber sie werden dank Koordinierung in der Lage sein, das gesamte Spektrum an Bibliotheksdiensten in diesem Gebiet abzudecken. Zurück zur Inhaltsangabe
Schlüsselrolle der öffentlichen BibliothekenHier geht es um eine weitere Sicht der öffentlichen Bibliotheken als Institutionen, denen bei der Realisierung der Informationsgesellschaft auf lokaler Ebene eine Reihe von Schlüsselaufgaben zukommen, u.a.:
Wenn der modernen Bibliothek eine so fundamentale Bedeutung zukommt, weshalb ist sie dann nicht weiter verbreitet? Welche Hindernisse stehen im Wege? Kann man diese beseitigen? Zurück zur Inhaltsangabe
HindernisseMangelndes Bewußtsein auf politischer Ebene, unzureichende MittelDie Kluft zwischen tatsächlicher Lage und Vision ist auf zwei Ebenen spürbar. Von außen gesehen herrscht ein Mangel an politischem Bewußtsein, oder es fehlt an Vertrauen in das Potential der öffentlichen Bibliotheken, den Wandel zur Informationsgesellschaft zu unterstützen. Effizienz, Bandbreite der Dienste und technische Entwicklung sind eindeutig unterschiedlich, je nach dem, ob die betreffende öffentliche Bibliothek in einem Land oder einem Gebiet angesiedelt ist, das über ein entsprechendes politisches Konzept verfügt. Mangeln kann es aber auch an konkreten Plänen für die Vernetzung, an Finanzierungsmitteln und geeigneter technischer Unterstützung zur Implementierung der neuen Technologien. unzulängliche Fachausbildung und starre VerhaltensweisenBetrachtet man die Problematik von innen, so stellt sich heraus, daß die Hindernisse mit der Entwicklung des Bibliothekspersonals zu tun haben. Infolge nicht mehr zeitgemäßer Ausbildung oder fehlender Fortbildungs- und Schulungsmöglichkeiten sind die Mitarbeiter unzureichend ausgebildet. Benötigt wird demnach eine Strategie zur Entwicklung des Berufsstands auf nationaler, regionaler und institutioneller Ebene. Gründe für das Fehlen einer solchen Strategie sind unter anderem: Kompetenzmangel auf Führungsebene; fehlende Bereitschaft, die neuen Medien in den Griff zu bekommen; Furcht vor Veränderungen; nur wenige neue Mitarbeiter mit aktuellen IT-Kenntnissen. Zurück zur Inhaltsangabe sondern sie für den Kunden interpretiert. Er/Sie wird Anfragen nach
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