Drastische Verbesserung der Sicherheit auf Schiffen durch kabellose Technologien
Der Untergang des italienischen Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia im Jahr 2012 und die Berichte über die Schwierigkeiten bei der Evakuierung der mehr als 4.000 Passagiere, die letztendlich 32 Menschen mit dem Leben bezahlen mussten, verdeutlichten, warum eine genaue Überwachung von Passagieren in Notfällen erforderlich ist. Auch wenn die meisten Menschen an Bord während der sechsstündigen Evakuierungsaktion an Land gebracht werden konnten, zog sich die Suche nach vermissten Passagieren und Crewmitgliedern über mehrere Monate hin. Das auf drei Jahre ausgelegte LYNCEUS-Projekt, das Anfang 2015 endet, begegnet diesem Problem, indem Mittel und Wege zur Durchführung zukünftiger Rettungsaktionen revolutioniert werden sollen. Das Forschungsteam verfolgte das Ziel, kabellose Technologien mit geringem Energieverbrauch so anzupassen, dass Passagiere lokalisiert und nachverfolgt und dadurch Such- und Rettungsaktionen verbessert werden könnten. Es wurden innovative kabellose Tags (Funketiketten) entwickelt, die in Rettungswesten integriert werden können und die Rettungskräften die genaue Position eines jeden Passagiers und Crewmitglieds während einer Evakuierung übermitteln. Außerdem wurde ein Radargerät entwickelt, das die genaue Position von über Bord gegangenen Passagieren erfasst. Auf diese Weise können die vielversprechenden Technologien zur Bewältigung kritischer Probleme beitragen, denen sich die Schifffahrtsindustrie beim Bemühen um die Evakuierung von Passagieren und Crew schon lange gegenübersieht. Zu den Faktoren, die nur schwer vorauszusehen sind, zählen die Bewegungen des Schiffs, die Schwimmlage und unerwartete oder plötzliche Änderungen der Umgebungsbedingungen wie zum Beispiel im Falle einer Überflutung oder eines Feuers. Außerdem stehen Passagiere oftmals nachvollziehbarerweise unter Schock, was deren Verhalten entsprechend unberechenbar und mitunter irrational macht. Todesfälle an Bord sind im Wesentlichen das Resultat einer mangelhaften Befolgung von Evakuierungsmaßnahmen – ein Problem, das mit zunehmend größeren Schiffen immer kritischer geworden ist. Das LYNCEUS-System richtet im Grunde genommen ein zentralisiertes Evakuierungskontrollsystem ein, das in der Lage ist, große Datenmengen hinsichtlich der Wasserstände, der Temperaturen, der Raucherkennung und weiterer Faktoren in Echtzeit zu sammeln. Dieses System ermöglicht dem Personal eine fortlaufende Überwachung des Schiffsstatus und stellt im Notfall aktualisierte Informationen zu Passagieren bereit. Zusätzlich zu einer Verbesserung der Überlebenschancen während eines Notfalls bietet die kabellose Technologie im Bereich des Schifffahrtssektors weitere Vorteile. Medizinische Kräfte können den Gesundheitszustand von Patienten überwachen, die sich darauf einlassen, spezielle Armbänder zu tragen. Eltern können auf großen Kreuzfahrtschiffen mit tausenden Passagieren und einer Vielzahl an Crewmitgliedern ihre rastlosen Kinder im Auge behalten. Vom technischen Standpunkt aus gesehen, kann die kabellose Technologie angepasst werden, um Ingenieure mit Informationen zum Wartungsbedarf und zur Optimierung des Schiffsbetriebs zu versorgen. Das LYNCEUS-Projekt stimuliert offensichtlich auch die Innovationsfreude in Europa, da ein Transfer neuer Technologien in KMU-Marktsegmente für Rauchmelder/Brandmeldesysteme, für Lebensrettungsausrüstung, für Entscheidungshilfesysteme für Notfallmanagement und für unterstützende Such- sowie Rettungsausrüstung stattfindet. Diese Forschung ermöglicht außerdem grundlegende technologische Durchbrüche im Hightech-Bereich. Hierzu zählen unter anderem kabellose Systeme mit extrem geringem Stromverbrauch, mobile Antennen, kabellose und Sensorelektronik, eine digitale Signalverarbeitung und Entscheidungshilfesysteme. Das Projekt, das mit mehr als 2,5 Millionen EUR von der EU unterstützt worden ist, scheint letztendlich durch die Anwendung modernster Technologien, die sowohl Passagieren als auch Crewmitgliedern klare Vorteile bieten, das gegenwärtige Notfallmanagement und Schiffsevakuierungsprozedere zu revolutionieren.Weitere Informationen sind abrufbar unter: LYNCEUS http://www.lynceus-project.eu/(öffnet in neuem Fenster) Projektdatenblatt http://cordis.europa.eu/project/rcn/103573_de.html(öffnet in neuem Fenster)
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