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Europas nächste Generation der Neuroingenieure auf der Schulbank

Ein EU-finanziertes Projekt hat jungen Neuroingenieuren die nötigen Befähigungen verliehen, um die nächste Generation der vom Gehirn inspirierten Technologien zu entwickeln, wobei es um Robotikhilfsmittel bis hin zur Sprachverarbeitung geht.
Europas nächste Generation der Neuroingenieure auf der Schulbank
Neurotechnik ist eine ganz neue Disziplin, die Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Physik und Neurowissenschaft vereint, um Gehirn-Computer-Schnittstellen, kognitive Computer und Neuroprothetik zu entwickeln. Wie in einem jungen, aufstrebenden Zweig üblich, besitzen die meisten Wissenschaftler, die ähnliche Themen verfolgen, Stärken auf ein oder zwei Gebieten, haben aber keine breitere interdisziplinäre Ausbildung erhalten, da diese relativ schwer zu erlangen ist.

Zentrales Ziel des NETT-Projekts (Neural Engineering Transformative Technologies) war daher, Nachwuchsforscherinnen und -forschern verschiedene Möglichkeiten in Wissenschaft und Industrie zu verschaffen, und das teilweise, indem von erfahrenen Gastwissenschaftlern und Unternehmensforschungsteams Beiträge geleistet wurden. Die mit NETT-Finanzmitteln unterstützten Forschungsstipendiatinnen und -stipendiaten haben mit Erfolg transformative Technologien im Bereich Spracherkennung, Roboter mit kognitiven und sozialen Fähigkeiten sowie Gehirn-Computer-Schnittstellen hervorgebracht.

„Die bislang erzielten Fortschritte könnten zur Entwicklung neuer Technologien im Gesundheitswesen, neuer Diagnoseinstrumente und Softwareanwendungen für Neuroforscher hinführen“, sagt Projektkoordinator Stephen Coombes, Professor für Angewandte Mathematik an der University of Nottingham, Vereinigtes Königreich. „Wir könnten uns durchaus vorstellen, dass diese Forschung in naher Zukunft die Entwicklung von hirngesteuerten Prothesen, Roboterassistenten, gedankengesteuerten Computern und Spracherkennungssystemen einleiten wird.“

Beispielsweise haben die Forscher ein besseres Verständnis des Effekts von Übertragungsverzögerungen in der Kommunikation zwischen bestimmten Hirnbereichen erlangt, was Auswirkungen auf die Behandlung von neurologischen Erkrankungen haben könnte. Gleichermaßen könnten neuartige Algorithmen zum Multiphotonen-Scannen von Nervengewebe zu besseren Diagnoseinstrumenten hinführen.

Coombes dazu: „Die Implementierung eines neuen neuronalen Massenmodells könnte bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen, insbesondere bei Epilepsie, Anwendung finden. Fortschritte wurden auch bei der Erfassung des Willens zu gehen bei Schlaganfallpatienten erzielt, was Auswirkungen auf Rehabilitationstherapien haben könnte.“

Weitere Durchbrüche sind die Entwicklung eines synchronen zweiarmigen Bewegungsplaners für einen humanoiden Roboter und die Open-Source-Plattform SPIKY, die es den Forscher ermöglichen wird, die Synchronisation beim Feuern von Neuronen zu überwachen. Viele von diesen und weitere Innovationen sind in wissenschaftlichen Arbeiten sowie von Experten begutachteten Zeitschriften erschienen.

Einige der sieben vollwertigen Partner und elf assoziierten Partner sind große und kleine Unternehmen, die sich zusammengeschlossen haben, um strukturierte, industrieorientierte Ausbildung und Mentorschaft durch Praktika und Abordnungen unter Berücksichtigung von Problemen aus der realen Welt durchzuführen. „Wir wollten die Vermittelbarkeit der an diesem Projekt arbeitenden Stipendiaten über Praktika mit Industriepartnern und durch ein speziell dafür vorgesehenes Schulungsprogramm für geschäftliche, akademische und soziale Fertigkeiten erhöhen“, erklärt Coombes. „Wir haben überdies versucht, die Verflechtung verschiedener Projektbereiche innerhalb des gesamten Konsortiums zu demonstrieren, und außerdem einen Versuch unternommen, die breitere wissenschaftliche Gemeinschaft und durchaus die breite Öffentlichkeit durch regelmäßige Studiengruppen, Workshops und öffentliche Vorträge anzulocken.“

Mit einer Kombination aus dem Expertenwissen und der Infrastruktur eines multidisziplinären Ausbildungsnetzes für Neurotechnik zielt das NETT-Projekt darauf ab, ein nachhaltiges hohes Innovationsniveau zu fördern und Europas Position als führende Kraft in einem aufstrebenden industriellen Bereich zu festigen. Das NETT-Projekt wird voraussichtlich im August 2016 enden.

Weitere Informationen finden Sie auf der:
NETT-Projektwebsite

Quelle: Gestützt auf ein Interview mit dem Projektkoordinator.

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Datensatznummer: 124879 / Zuletzt geändert am: 2016-03-08
Kategorie: Neue Produkte und Technologien
Anbieter: ec
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