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Wissenschaft im Trend: Männer und Frauen sind im Laufe des letzten Jahrhunderts größer geworden

Mit einer neuen Studie des Imperial College London wurde gezeigt, dass Männer und Frauen während des letzten Jahrhunderts größer geworden sind, wobei niederländische Männer und lettische Frauen die größten der Welt sind.
Wissenschaft im Trend: Männer und Frauen sind im Laufe des letzten Jahrhunderts größer geworden
Mit einer Studie, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „eLife“ veröffentlicht wurde, wird beleuchtet, wie die Menschen überall auf der Welt zwischen 1914 und 2014 auf eindrucksvolle Weise immer größer wurden, wobei südkoreanische Frauen durchschnittlich um mehr als 20 cm größer wurden und iranische Männer um 16,5 cm.

Waren die Schweden Ende des ersten Weltkriegs noch die größten Menschen der Welt, wurden sie nun von den dänischen Männern überholt, die vom zwölften Platz nach ganz oben rückten und heute eine Durchschnittsgröße von 182,5 cm aufweisen. Die größten Frauen der Welt sind heute die lettischen: Zwischen 1914 und 2014 stiegen sie vom 28. bis auf den ersten Platz, wo sie mit einer heutigen Durchschnittsgröße von 169,8 cm ebenfalls die Schweden von Thron stießen. Belgische Männer und niederländische Frauen stehen knapp darunter auf dem zweiten Platz.

Auch in Ostasien wuchsen die Menschen stark – Japaner, Chinesen und Süd-Koreaner sind heute viel größer als 1914.

Von den Größten zu den Kleinsten

Die zehn Länder mit den größten Menschen der Welt befinden sich jedoch alle in Europa, darunter auch Estland, Dänemark, Serbien und die Tschechische Republik. Die USA hatten 1914 die drittgrößten Männer und die viertgrößten Frauen, sind heute jedoch auf die Plätze 37 bzw. 42 gefallen. Die Männer des Vereinigten Königreichs liegen weltweit auf Platz 31, die britischen Frauen auf Platz 38. Doch trotz der starken Zunahme der Körpergröße im letzten Jahrhundert zeigen die Forschungsergebnisse, dass sich der Wachstumstrend im Westen verlangsamt. Beispielsweise entdeckten die Wissenschaftler, dass sich die durchschnittliche Körpergröße der US-Amerikaner seit den 1960ern und 1970ern kaum mehr veränderte.

„Unsere Studie belegt, dass der englischsprachige Teil der Welt, insbesondere die USA, hinter anderen Industrieländern in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum zurückfällt“, bemerkte Majid Ezzati, ein Weltgesundheitsforscher vom Imperial College London. „Zusammen mit dem vorherrschenden Übergewichtsproblem in diesen Ländern verdeutlicht dieser Trend, wie wichtig es ist, dass sich Menschen während ihres gesamten Lebens gesund ernähren, und dass hier Nachholbedarf besteht.“

Laut dem Forschungsteam bringt eine etwas erhöhte Körpergröße auch einige gesundheitliche Vorteile mit sich. Größer zu sein heißt, eine höhere Lebenserwartung zu haben, hauptsächlich aus dem Grund, dass große Menschen ein geringeres Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Aus sozialer Perspektive fanden die Forscher auch heraus, dass große Menschen mehr Gehalt bekommen und ein höheres Bildungsniveau haben. Eine hohe Körpergröße ist jedoch auch mit Nachteilen verbunden, wozu auch ein erhöhtes Risiko auf manche Krebsarten zählt.

Die kleinsten Männer der Welt (durchschnittlich 160 cm) findet man in Osttimor, einem der jüngsten Länder der Welt, während in Guatemala die kleinsten Frauen der Welt leben. Interessanterweise belegte Guatemala bereits im Jahr 1914 den untersten Platz. Laut den Forschungsergebnissen der Studie war 1914 eine 18-jährige Frau in Guatemala im Mittel 140 cm groß. Im Jahr 2014 lag der Durchschnitt noch immer bei knapp unter 150 cm.

Bedenkliche Entwicklungen

Die Teile der Welt, in denen die Menschen am wenigsten an Körpergröße zulegten, waren Südasien und Subsahara-Afrika. „Dort beträgt das Mehr an Körpergröße zwischen 1 und 6 cm“, erklärte Co-Autor James Bentham. Noch bedenklicher ist, dass die Forschungsergebnisse darauf hinweisen, dass in einigen Subsahara-Ländern die durchschnittliche Körpergröße seit den 1970ern effektiv sinkt, nachdem sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts allgemein gestiegen war. In Ländern wie Uganda, Ruanda, Niger und Sierra Leone sank die Körpergröße eines durchschnittlichen Mannes um wenige Zentimeter.

Was könnte also die Erklärung für die Unterschiede in verschiedenen Teilen der Welt sein? „Einer von drei Gründen könnte in den Genen liegen, doch erklärt dies nicht die Veränderungen im Laufe der Zeit“, legte Ezzati dar. „Gene verändern sich nicht derart schnell und unterscheiden sich weltweit auch nicht so stark. Deshalb hängen Veränderungen über Zeit und weltweite Unterschiede hauptsächlich von der Umgebung ab.“

Eine Erklärungsmöglichkeit dafür, warum sich Europa so gut entwickelt hat, ist die Einführung des staatlichen Gesundheitswesens im 20. Jahrhundert. Demgegenüber könnten die wirtschaftlichen Neuausrichtungen in den 1980ern eine mögliche Erklärung für das Sinken der Körpergröße in Subsahara-Afrika sein, weil die darauf folgenden Gesundheits- und Ernährungskrisen es Kindern und Jugendlichen nicht ermöglichten, ihr volles Größenpotential zu erreichen.

„Wie groß wir heute werden, hängt hauptsächlich von der Umgebung ab, in der wir aufwachsen“, bemerkte Bentham, der davon überzeugt ist, dass der weltweite Trend zu einer höheren Körpergröße bedeutende Folgen haben werde. „Unsere Körpergröße beeinflusst sowohl unsere Lebenserwartung als auch unsere Gesundheit als Erwachsene. Wenn wir heute Kindern den bestmöglichen Start ins Leben verschaffen, sind sie in den folgenden Jahrzehnten gesünder und produktiver.“

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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