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Wissenschaft im Trend: Warum Coulrophobie alles andere als lustig ist

Während der Höhepunkt der Halloween-Saison herannaht, kommt es im englischsprachigen Teil der Welt derzeit zu zahlreichen Sichtungen von „unheimlichen Clowns“, die sich anfangs in den USA ereigneten, sich aber nun auf Großbritannien, Kanada und Australien ausgeweitet haben. Die meisten Clowns stellten sich als Trittbrettfahrer heraus – die bei den Opfern ausgelöste Angst ist hingegen real. Folglich kam es zu einem gesteigerten Interesse an den wissenschaftlichen und psychologischen Gründen dafür, dass Clowns auf so viele Menschen furchteinflößend wirken.
Alles begann im August 2016 mit Berichten aus South Carolina über eine kleine Gruppe von Personen, die als Clowns verkleidet auf unheimliche Weise versuchten, Kinder in die Wälder zu locken. Seitdem häufen sich die Meldungen über Clowns, die überall in den USA Leute erschrecken und einschüchtern, einige drohen sogar mit Waffen. Mittlerweile berichten auch die Medien in Großbritannien, Kanada und Australien fast täglich über Sichtungen von Clowns.

Coulrophobie   die Angst vor Clowns – ist laut Psychologen eine weit verbreitete Phobie. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei manchen Personen (einschließlich dem Verfasser dieses Artikels) führt der Anblick eines Clowns während des normalen Alltags zu leichtem bis mäßigem Unbehagen und Angstgefühlen. Andere Personen hingegen vermeiden sämtliche Kindergeburtstagsfeiern aus Angst davor, dass ein Clown anwesend sein könnte. Coulrophobie ist zudem eine Phobie, die häufig lang anhaltend ist. Sie beginnt in der Kindheit und besteht bis in das Erwachsenenalter fort.

Eine tiefergehende biologische Ursache

Handelt es sich bei der Coulrophobie immer um eine konditionierte Angststörung oder gibt es eine tiefergehende biologische Erklärung dafür, warum wir Clowns gegenüber instinktiv misstrauisch eingestellt sind? Arachnophobie, eine weitere gängige Phobie, wurde damit erklärt, dass es sich dabei um einen angeborenen evolutionären Atavismus handelt, um die Bedrohung durch gefährliche Tiere zu vermeiden. Laut einiger Psychologen und Anthropologen lösen Clowns außerdem einige unserer allgemeinen Reaktionen auf gesellschaftliche Reize aus.

„Für gewöhnlich haben Menschen Angst vor Dingen, die auf irgendeine verstörende und fremdartige Weise falsch sind“, kommentierte Paul Salkovskis vom Maudsley Hospital Centre for Anxiety Disorders and Trauma in London. Tatsächlich fand man in einer Studie der Universität Sheffield im Jahr 2008 heraus, dass bei allen Altersgruppen der 250 befragten Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren gleichermaßen eine Abneigung gegenüber Clowns besteht. Ziel der Studie war es, die Innengestaltung des Krankenhauses besser an Kinder anzupassen. Infolgedessen stellte man fest, dass Wände eines Krankenhausflügels, die mit Bildern von Clowns verziert waren, bei den Patienten Unbehagen und Angstgefühle auslösen konnten. Nach einer weiteren Untersuchung der Ergebnisse kam man zu dem Schluss, dass die Angstgefühle und das Unbehagen auf eine „beunruhigende Vertrautheit“ zurückzuführen sind.

Was bedeutet das in der Praxis? Im Wesentlichen ist man sich in der Wissenschaft weitgehend darüber einig, dass die Ursache für Coulrophobie aus der Tatsache herrührt, dass man unmöglich genau wissen kann, was sich hinter dem farbenfrohen Makeup und den vergrößerten Gesichtsmerkmalen eines Clowns verbirgt. Dadurch erhält die Person hinter dem Clown im Grunde eine neue Identität und sie muss sich nicht mehr an gewisse gesellschaftliche Konventionen anpassen – etwas, das im „normalen“ Leben sonst nicht möglich ist.

Was sich hinter der Maske verbirgt

Im Jahre 1961 verfasste der Anthropologe Claude Levi Strauss einen Text über die „Freiheiten“, die man durch das Tragen einer Maske erhält. Er schrieb: „Durch die Maskierung des Gesichts wird jener Körperteil vorübergehend vom gesellschaftlichen Miteinander ausgeschlossen, der […] die persönlichen Gefühle und Gesinnungen einer Person enthüllt oder über den diese bewusst anderen mitgeteilt werden.“ Sigmund Freud schrieb ebenfalls über etwas, das als „Uncanny Valley“-Effekt bezeichnet wird. Demnach löst der Gedanke an etwas, das sehr vertraut, aber gleichzeitig auch seltsam fremdartig ist, Abscheu aus und verursacht dadurch das widersprüchliche und beunruhigende Gefühl der kognitiven Dissonanz.

Dies lässt sich ohne Probleme auf Clowns anwenden. Steven Schlozman, ein Psychiater der Harvard Medical School, kommentierte, dass ein unheimliches, stets gleichbleibendes Grinsen dieses Gefühl der kognitiven Dissonanz in unseren Gehirnen auslösen kann: „Sie nehmen ein Lächeln war, Ihr Gehirn erkennt, dass ein Lächeln weitestgehend eine gute Sache ist – und trotzdem können Sie nicht die ganze Zeit lang lächeln, denn wenn Sie die ganze Zeit lang lächeln, dann stimmt irgendetwas nicht … wir richten uns danach, wie andere Menschen sich verhalten, aber wenn sich ihre Mimik und Gestik nicht ändern, werden sie dadurch sehr unheimlich.“

Aber selbst wenn das bloße Aussehen und Auftreten eines Clowns ein natürliches Gefühl des Misstrauens und der Angst auslösen kann, so darf man dabei nicht außer Acht lassen, wie sehr äußere gesellschaftliche Reize Ängste wie die Coulrophobie noch verstärken können. Für viele wäre ein berühmtes Beispiel Tim Currys brillante und gleichzeitig angsteinflößende Darstellung des Clowns Pennywise aus der im Jahre 1990 entstandenen TV-Verfilmung von Stephen Kings Roman „Es“.

Aber da nichts darauf hindeutet, dass die unheimlichen Clowns und der damit verbundene Wahn in irgendeiner Weise förderlich sind und uns im Jahr 2017 eine neue Version von „Es“ in den Kinos erwartet, sieht es sehr danach aus, dass eine gänzlich neue Generation an unter Coulrophobie leidenden Menschen heranwächst.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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