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Le Croisic, Frankreich: Schwimmende Windkraftanlage soll künftig mehrere Megawatt Strom erzeugen

In schwimmenden Offshore-Windkraftanlagen sehen viele die Zukunft der Branche: Sie eliminieren die Suche nach geeigneten Standorten, die aufgrund der Beschaffenheit des Meeresbodens rar sind, und könnten sich sogar als kosteneffizienter erweisen als Anlagen auf festen Fundamentstrukturen. Das Konsortium FLOATGEN arbeitet derzeit an der Entwicklung der ersten schwimmenden Windkraftanlage, die es nahe der französischen Küste im Atlantik installieren wird, und möchte sich damit einen wichtigen Marktanteil sichern.
Le Croisic, Frankreich: Schwimmende Windkraftanlage soll künftig mehrere Megawatt Strom erzeugen
Die Teilnehmer des Projekts FLOATGEN haben es sich zum Ziel gesetzt, dem erwarteten Boom bei schwimmenden Offshore-Windenergieanlagen in europäischen Gewässern den Weg zu bereiten. Dazu werden sie etwa zwölf Seemeilen vor der Küste von Le Croisic im Testgebiet SEM-REV eine schwimmende 2-MW-Windkraftanlage im Atlantik installieren. Die sieben Mitglieder des Konsortiums hoffen, dass sie mit dieser bahnbrechenden Installation – deren erzeugter Strom in das Stromnetz an Land eingespeist wird – die technischen und wirtschaftlichen Vorteile dieser schwimmenden Windkraftanlagen unter Beweis stellen und deren Bereitstellung in tieferen Seegebieten, in denen der Wind stärker ist und die bisher nicht kommerziell genutzt werden, vorantreiben können.

Für die Studie wählten sie eine kosteneffiziente, ringförmige schwimmende Plattform, die von Ideol patentiert wurde. Ihrem Hersteller zufolge punktet sie im Vergleich zu anderen schwimmenden Anlagen dank innovativer Hydrodynamik mit herausragender Leistung.

Paul de la Guérivière, CEO von Ideol und Koordinator des Projekts, hat mit uns über die Technologie dieser neuen Anlage, die derzeit entwickelt wird, gesprochen.

Warum ist es wichtig für Frankreich und Europa, in schwimmende Offshore-Windkraftanlagen zu investieren?

In der Offshore-Windenergie-Branche findet derzeit ein grundlegender Wandel statt und viele Länder sehen sich mit einer Knappheit an geeigneten Standorten konfrontiert. Infolgedessen werden schwimmende Windparks als Alternative zu Anlagen auf festen Fundamentstrukturen zunehmend in Betracht gezogen. Angesichts dieser Entwicklungen muss Europa – vor allem das vom tiefen Mittelmeer umgebene Frankreich – bereit sein, sich auf diesem aufstrebenden Markt nicht nur im Wettbewerb zu behaupten, sondern tatsächlich die Chance auf eine führende Marktposition zu ergreifen.

Was können Sie uns zu den bereits erzielten Ergebnissen sagen?

Wir haben bereits mehrere Tests in Tanks durchgeführt und unsere Ingenieure haben ihre Tests bereits abgeschlossen. Unser Team arbeitet an der Konstruktion von FLOATGEN: Der Schwimmkörper nimmt langsam Form an und die Turbine sowie mehr als 80 % des Verankerungssystems wurden bereits zum Hafen von Saint-Nazaire gebracht.

Worin bestanden die größten Herausforderungen, und wie konnten Sie diese bewältigen?

Unsere Offshore-Windkraftanlage soll bis Ende des Jahres installiert und an das Stromnetz an Land angebunden sein. Einen derart engen Zeitrahmen von vier Jahren einzuhalten, hat uns vor eine erhebliche Herausforderung gestellt. Wir mussten einen passenden Standort finden, für den wir die erforderlichen Genehmigungen und Autorisierungen erhalten würden, die verschiedenen Veränderungen im Bereich der Windenergieanlagen berücksichtigen und sicherstellen, dass unsere Anlage tragfähig sein wird. Aus technischer Perspektive betrachtet bestand die größte Herausforderung in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Turbinenlieferanten, die notwendig war, um die Konstruktion unserer Anlage zu optimieren. Diese Herausforderungen konnten wir vor allem dank dem großen Interesse aller Partner an unserer Technologie und dank guter Zusammenarbeit bewältigen.

Nach welchen Kriterien haben Sie das Testgebiet ausgewählt?

Wir haben uns aufgrund mehrerer Faktoren für das SEM-REV-Testgebiet entschieden, das sich in der Hand der École Centrale de Nantes befindet und vor der Küste von Le Croisic liegt: Ein Rolle spielten unter anderem die Anbindung an das Stromnetz, die Wassertiefe, die Entfernung zur Küste etc. SEM-REV ist tatsächlich das weltweit erste Multi-MRE-Testgebiet, das über eine Anbindung an das Stromnetz verfügt.

Was können Sie bereits zur Leistung und den Kosten dieser Technologie sagen?

Wir haben keinerlei Zweifel bezüglich der Leistung unserer schwimmenden Anlage: Unsere Ingenieure geben seit fünf Jahren ihr Bestes und die in den Tanks durchgeführten Tests haben bestätigt, dass die Anlage insgesamt eine herausragende Leistung bietet. Was die Kosten angeht, so bietet uns FLOATGEN die Gelegenheit, wertvolle Erkenntnisse und wichtiges Know-how zu sammeln, sodass wir Verfahren und Prozesse für die Konstruktion, Installation und den Betrieb der schwimmenden Anlage entwickeln und feststellen können, wo Kosten eingespart werden können. Zudem arbeiten wir aktuell im Rahmen verschiedener FuE-Projekte an der Optimierung des Verankerungssystems, das einen der Schwerpunkte unseres Projekts darstellt.

Wie wird es nach Installation der Windkraftanlage weitergehen?

Die Testphase im Testgebiet SEM-REV ist auf zwei Jahre angelegt. Dies gibt uns ausreichend Zeit, um die Leistung unserer schwimmenden Anlage zu analysieren, die Betriebs- und Wartungskosten festzusetzen und die Industrialisierung der Anlage vorzubereiten.

Was würden Sie anderen Unternehmen, die über den Einstieg in Offshore-Windkraftanlagen nachdenken, raten?

Ich würde ihnen empfehlen, nicht mehr lange zu warten, denn der Markt wird immer strukturierter und wir sind bereit, kommerzielle Projekte mit unserer Technologie zu unterstützen.

FLOATGEN
Gefördert unter RP7-ENERGY
Projektwebsite

Quelle: Ein Interview aus dem Magazin research*eu Ergebnisse, Ausgabe Nr. 57, Seiten 4–5

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