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Ein tauchfähiges Boot zur Wartung von Offshore-Windparks

Im Jahr 2009 stellte ein walisisches KMU namens Scubacraft ein Wasserfahrzeug vor, dass ein Rennboot mit einem Unterseeboot kombiniert. Sieben Jahre später wurde unter dem KMU-Instrument ein Projekt bewilligt, dank dem das Unternehmen neue Märkte erschließen könnte, etwa die Wartung von Offshore-Windparks.
Ein tauchfähiges Boot zur Wartung von Offshore-Windparks
Scubacraft verfügt über gewaltiges Potenzial: die Anwendungsmöglichkeiten des Produkts reichen von der Freizeitgestaltung bis hin zu Unterwasserarbeiten, und das Unternehmen kann alle Kunden ansprechen, die an vielseitigen und leistungsstarken Wasser- und Unterwasserfahrzeugen interessiert sind, auf die auch James Bond setzen würde.

Das tauchfähige Boot kann bis zu 6 Personen und eine große Menge an Ausrüstung befördern. Es ist sechs Konfigurationen erhältlich (für drei bzw. sechs Personen in der Standardausführung, als vollelektrisches Modell oder mit Rumpf aus Kohlefaser), kann mit bis zu 80 km/h über das Wasser schießen und – in der fortschrittlichsten Ausführung – bis zu 50 Meter tief tauchen. Die integrierten Geräte umfassen einen GPS-Empfänger und einen Tauchcomputer, eine bordeigene Sauerstoffversorgung samt Reserve sowie Aufbewahrungsmöglichkeiten für weitere Ausrüstung und sonstige Gegenstände. Zudem erhalten Kunden auf Wunsch weitere Extras, z. B. eine Plattform zum Aufzeichnen von Unterwasservideos, bildgebendes Sonar, Unterwasser-Kommunikationsanlagen, einen speziell angepassten Anhänger, weitere Plätze für Beleuchtung und Ausrüstung etc.

In Anbetracht all dieser Funktionen ist das Unternehmen überzeugt, dass Scubacraft „die neue Spitzentechnologie darstellen wird, die für industrielle Anwendungen der Energiebranche unter Wasser zum Einsatz kommt, insbesondere zur Inspektion von Offshore-Windenergieanlagen.“ Doch auch andere Anwendungen sind denkbar, etwa im Kontext des Meeresschutzes oder für Such- und Rettungsaktionen. Bei der Wartung von Offshore-Windenergieanlagen müssen Techniker typischerweise mit ihrer Ausrüstung zu der zu inspizierenden Stelle tauchen, ein Tauchboot könnte ihre Arbeit daher stark beschleunigen und die Effizienz maximieren.

Mithilfe des Budgets, das von der EU im Juli 2016 für das Projekt SCUBACRAFT (Submersible vessel used for multi-purpose sub-aqua applications to enhance marine life, environment conservation and structural integrity of offshore installations) bewilligt wurde, setzt sich das Unternehmen nun mit den neuen Anwendungen auseinander und bewertet deren Marktpotenzial.

Kurz bevor Phase 1 des Projekts im Dezember 2016 abgeschlossen wird, spricht James Brown von Scubacraft über das tauchfähige Boot, sein Potenzial und die ersten Ergebnisse der EU-geförderten Machbarkeitsstudie.

Wie kann SCUBACRAFT die Wartung von Offshore-Windparks optimieren?

Unterwasser-Inspektionen werden derzeit von Tauchern ausgeführt, die ihre gesamte Ausrüstung bei sich tragen müssen. In der Praxis können Menschen nur etwa 10 Minuten in einer Tiefe von 40 m verbringen, bis die Sauerstoffvorräte knapp werden und sie wieder an die Oberfläche zurückkehren müssen.

Aus Zeitmangel könnten bei den zu reparierenden Strukturen während der Inspektion daher wesentliche Defekte übersehen werden, die sich dann mit höherer Wahrscheinlichkeit bis an einen kritischen Punkt verschärfen, bevor sie auffallen und eine Reparatur veranlasst wird.

Können Sie mehr über Ihre Technologie und ihre Funktionsweise erzählen?

Was Scubacraft einzigartig macht, ist unsere patentierte Technologie, dank der das Fahrzeug abtauchen und dann mit dem hydrodynamischen Antrieb unter Wasser betrieben werden kann.

Nach Abschluss der Arbeiten kann das Fahrzeug wieder auftauchen und mit hoher Geschwindigkeit zur Küste zurückkehren. Durch erstklassige Arbeit haben wir unsere Doppelhüllen-Konstruktion entwickelt: Scubacraft gleicht keinem anderen Wasserfahrzeug und liefert so unübertroffene Flexibilität und Effizienz. Die optimierte Form und die hydrodynamischen Eigenschaften sind für den Betrieb sowohl über als auch unter der Wasseroberfläche wesentlich.

Wie hat der Markt bisher reagiert?

Der Markt hat bis heute äußerst gut auf Scubacraft reagiert, und wir freuen uns sehr über die positiven Rückmeldungen, die wir erhielten, als wir die Anwendung von Scubacraft zur Inspektion von Offshore-Windparks validierten.

Weshalb haben Sie sich entschieden, sich für EU-Finanzierung zu bewerben?

Bei Horizont 2020 handelt es sich um das größte EU-Programm für Forschung und Innovation und bildet somit die ideale Plattform, um Scubacraft vom Prototyp zur Marktreife zu führen und mit ihm echte Herausforderungen zu bewältigen. Wir haben gesehen, wie die klügsten Köpfe aus Großbritannien und ganz Europa in sehr bedeutenden Projekten zusammenarbeiteten, und möchten nun einen ähnlichen Ansatz verfolgen, um für das Scubacraft-Programm kompetente Fachkräfte zusammenzubringen.

Was haben Sie bisher aus der Machbarkeitsstudie gelernt?

Wir haben wirklich viel gelernt! Durch diese Machbarkeitsstudie konnten wir Experten wie z. B. RMS Submarine engagieren. Dieses Unternehmen lieferte uns umfassende Informationen, etwa hinsichtlich Sicherheit, der Geschäftsmöglichkeiten im marinen Sektor, Vermarktungswegen, der Fahrzeugnutzlast usw.

Werden Sie sich für Finanzierung der Phase 2 bewerben?

Ja, sobald wir die Machbarkeitsstudie der Phase 1 eingereicht haben, werden wir uns auch für Phase 2 bewerben.

SCUBACRAFT
Gefördert unter H2020-SMEINST.
Projektwebsite

Quelle: Ein Interview aus dem Magazin research*eu Ergebnisse, Ausgabe Nr. 57, S. 11–12

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Datensatznummer: 126599 / Zuletzt geändert am: 2016-11-30
Kategorie: Interviews
Anbieter: ec