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Tieferes Wissen über das Immunsystem schafft neue Hoffnung auf HIV-Heilmittel

Durch ein umfassenderes Verständnis davon, wie das HIV-Virus die Immunabwehr des Körpers umgeht, erhoffen sich von der EU geförderte Wissenschaftler, ein Heilmittel entwickeln zu können.
Tieferes Wissen über das Immunsystem schafft neue Hoffnung auf HIV-Heilmittel
Falls entschlüsselt werden kann, wie das HIV-Virus das menschliche Immunsystem umgeht, könnte dieses Wissen laut EU-geförderten Forschern eines Tages zu einem Heilmittel führen. Dank eines Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats konnte ein Team unter Leitung des University College London nachvollziehen, wie das Virus Makrophagen – einen Typ weißer Blutkörperchen – trotz der Gegenwart eines schützenden Proteins infiziert.

Hoffnung auf Heilung?

Auf dieser Beobachtung aufbauend konnten die Forscher eine Behandlung entwickeln, durch die die Abwehr der Makrophagen aufrechterhalten werden soll. Dies stellt bis heute eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts HIVVINATE dar, dessen fünfjährige Laufzeit im Jahr 2014 begann.

Die Projektforscher stellten fest, dass Makrophagen ein antivirales Protein produzieren, welches das HIV-Virus normalerweise daran hindert, sich zu vermehren. Diese Wirkung kann während normaler Zellprozesse allerdings neutralisiert werden, sodass das HIV-Virus, das letztendlich Aids verursacht, eindringen kann. Indem sie die Zelle mit Inhibitoren behandelten, die manchmal in der Krebstherapie zum Einsatz kommen, konnten die Wissenschaftler diese Schwachstelle nun jedoch schließen.

Dies könnte den Forschern zufolge einen Durchbruch darstellen, da ein infizierter Makrophage kontinuierlich HIV-Viren produziert. Die Beseitigung dieses speziellen Infektionspunkts könnte daher einen wichtigen Schritt in die Richtung darstellen, das gesamte Immunsystem zu schützen und somit ein Heilmittel zu finden.

HIV ist in Europa nach wie vor eine der gefährlichsten übertragbaren Erkrankungen. Trotz der wesentlichen Fortschritte bei der Entwicklung wirksamer Behandlungsverfahren, die den Ausbruch von Aids verzögern, führt das Virus jedes Jahr noch zu tausenden Todesfällen und zu einer verkürzten Lebenserwartung. Täglich infizieren sich ca. 6 300 Menschen mit HIV.

Die Behandlung des Virus erwies sich bisher als schwierig, da es sich in ruhenden Zellen verbirgt und dort nicht vom Immunsystem entdeckt und zerstört werden kann. Der Kampf gegen HIV bezieht sich auch auf die hohen Kosten der Dauerbehandlungen, die die öffentlichen Gesundheitssysteme belasten.

Die nächsten Schritte

Mithilfe hochmoderner RNA-Interferenzverfahren definiert das HIVVINATE-Team nun die Sensoren und untersucht die antiviralen Wirkmechanismen, die in den Makrophagen ausgelöst werden. Außerdem wurden kleine Moleküle charakterisiert, die das HIV-Virus wirksam hemmen könnten, indem sie es für angeborene Immunsensoren erkennbar machen. Ein tieferes Verständnis davon zu erlangen, wie HIV den menschlichen Körper angreift, ist für Forscher inzwischen zu einem wichtigen Schwerpunkt geworden – in einem anderen EU-geförderten Projekt wurden die Antikörper analysiert, die an das Virus gebunden waren, um dessen Schwächen aufzudecken.

Gemeinsam mit Experten für Kristallografie und medizinische Chemie werden die Projektforscher daran arbeiten, die Wirksamkeit und Spezifität der Hemmstoffe zu steigern, und sie für weitere Untersuchungen der angeborenen Immunantwort gegen HIV nutzen. Die Wissenschaftler des Projekt möchten zudem studieren, welche Wirkung hervorgerufen wird, wenn angeborene Immunantworten mit medikamentös behandelten Viren ausgelöst werden, indem sie die Proliferation der T-Zellen messen.

Das Team erhofft sich damit, die Wechselwirkungen zwischen HIV und dem angeborenen Immunsystem auf molekularer Ebene beschreiben und somit feststellen zu können, wie sich das Virus in primären Immunzellen unerkannt vermehren kann. Dies wird laut den Forschern erheblich dazu beitragen, unser Wissen über die komplexe Beziehung zwischen HIV und der angeborenen Immunantwort zu vertiefen.

Weitere Informationen:
CORDIS-Projektseite

Quelle: Gestützt auf Projektinformationen und Medienberichte

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