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15 Tonnen schwerer computer liefert Zugang zu Wasser, Strom und dem Internet

Eine neue Maschine mit dem Namen Watly soll drei der größten gesellschaftlichen Probleme lösen, indem sie Zugang zu sauberem Wasser bietet, nachhaltig Strom produziert und die Vorteile nutzbar macht, welche die fortschreitende digitale Revolution mit sich bringt. Dank der Geldmittel aus dem Rahmenprogramm Horizont 2020 steht das KMU hinter dem WATLY-Projekt nun kurz davor, die erste in voller Größe hergestellte Watly-Maschine vorzustellen.
15 Tonnen schwerer computer liefert Zugang zu Wasser, Strom und dem Internet
Weltweit haben 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser, weshalb jährlich 4 200 Menschen an Erkrankungen sterben, die durch kontaminiertes Wasser verursacht werden. 1,3 Milliarden Menschen (mehr als einem Fünftel der Weltbevölkerung) steht keine elektrische Energie zur Verfügung, und ganze 5 Milliarden Menschen können nach wie vor nicht auf das Internet zugreifen. Wasser und elektrische Energie sind stark voneinander abhängig und für das Wohlbefinden des Menschen sowie eine nachhaltige sozioökonomische Entwicklung ausschlaggebend. Bei Watly, einem hoch innovativen KMU mit Sitz in Spanien und Italien, wurde ein revolutionärer Ansatz ausgearbeitet, um mit einer einzigen Maschine allen drei dieser Herausforderungen zu begegnen.

In der Mitte der Watly-Maschine sind Solarmodule installiert, die mit vier nach außen reichenden Segmenten verbunden sind. Diese Segmente enthalten jeweils eine Reihe von Dampfkompressions-Destillationsröhren, mit denen verschmutztes Wasser, das beispielsweise aus Flüssen stammt, abgekocht und zu sicherem Trinkwasser aufbereitet werden kann.

Entscheidend ist jedoch, dass zur Aufbereitung des Wassers nicht die mit den Solarmodulen produzierte Energie genutzt wird. Stattdessen wird dieser Vorgang mit der Abwärme der Module unterhalten, die über ein Zirkulationssystem nutzbar gemacht wird. Dieses brillante Verfahren erhält sich, laut Marco Attisani, dem Gründer und Geschäftsführer von Watly, letztendlich selbst. „Es verbraucht keine Energie“, versicherte er.

Daraus ergeben sich wiederum zahlreiche weitere Vorteile. Beispielsweise wird der Betrieb der Solarzellen optimiert, die unabhängig von den Umgebungsbedingungen auf ihrer idealen Betriebstemperatur von 25 °C gehalten werden, und die produzierte Energie kann anderen wichtigen Anwendungen zugutekommen. Diese können vom Aufladen eines Mobiltelefons oder einer „Cloud-Verbindung“ mit dem Internet bis hin zu einer herkömmlichen Stromversorgung über einen internen Umrichter reichen, der Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt.

Seit März 2013 arbeiten Attisani und sein Team bereits an diesem Projekt und haben seitdem zwei Prototypen entwickelt, von denen einer mit Unterstützung privater Geldmittel, einer Crowdfunding-Initiative und beinahe 1,5 Mio. EUR aus Horizont 2020 in Ghana getestet wurde.

Die Energiemenge, die eine dieser Maschinen produzieren kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig, doch nach Attisanis Einschätzung sollten 150 kWh pro Tag erreichbar sein. Die pro Tag aufbereitete Wassermenge könnte etwa 5 000 Liter betragen, wenn eine voll funktionstüchtige Maschine bei maximaler Effizienz betrieben wird. Abschließend versprechen die IT-Funktionen, nicht einfach nur die Kommunikation zwischen Menschen zu ermöglichen, etwa über E-Mail-Verkehr – vielmehr geht das Unternehmen davon aus, dass jede Maschine ein WLAN-Netzwerk mit einem Radius von bis zu 1 Kilometer aufbauen kann.

Da der Aufbereitungsprozess auf Destillation beruht, entfernt die Maschine auch jegliche Kontamination aus dem Wasser, sei sie bakteriell, chemisch oder physisch. Laut Attisani sei das aufbereitete Wasser so rein, dass es praktisch keine Mineralien mehr enthalte. Dieses Problem wurde behoben, indem innerhalb der Maschine Platz für Steine geschaffen wurde, mit denen das Wasser „remineralisiert“ werden kann.

Sie sollten jedoch nicht davon ausgehen, bald einen Watly 3.0 bei sich zuhause aufstellen zu können. Um die von Attisani angestrebten Volumina erreichen zu können, misst die Maschine von einem Ende zum anderen derzeit 40 Meter und könnte abhängig von der verbauten Technologie etwa zwischen 600 000 EUR und 1 Million EUR kosten. Kürzlich verkündete Attisani, dass das Unternehmen derzeit gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation an einer Anwendung arbeite, um mithilfe der Maschine eine Drohne zu leiten und dringend benötigte Güter in Krisengebiete zu liefern.

Der fertige Watly 3.0 soll im Mai 2017 vorgestellt werden, wenn auch das unter Horizont 2020 geförderte und nach der Maschine benannte WATLY-Projekt offiziell abgeschlossen wird. Das Unternehmen kann derzeit 50 Maschinen pro Jahr herstellen, und die ersten fünf Stück sollen Ende 2017 an die Kunden geliefert werden.

Weitere Informationen:
CORDIS-Projektseite

Quelle: Gestützt auf Medienberichte und Projektinformationen

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Datensatznummer: 127640 / Zuletzt geändert am: 2017-03-03
Kategorie: Wissenschaftliche Fortschritte
Anbieter: ec