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Wissenschaft im Trend: So knapp! Wie die Dinosaurier hätten überleben können

Ein internationales Team von Wissenschaftlern argumentiert, dass, wenn der Asteroid, der wahrscheinlich die Ursache für das Aussterben der nicht flugfähigen Dinosaurier gewesen ist, die Erde nur eine oder zwei Minuten früher (oder später) getroffen hätte, das Aussterben niemals stattgefunden hätte, die Dinosaurier überlebt und wir Menschen niemals existiert hätten.
Wissenschaft im Trend: So knapp! Wie die Dinosaurier hätten überleben können
Die neue Theorie, die von einem internationalen Forscherteam von Instituten wie dem Imperial College, London, der Universität Bremen und der University of Texas vertreten wird, stellt die herkömmliche Meinung, dass das Aussterben der Dinosaurier unvermeidlich gewesen sei, völlig auf den Kopf. Das Team legte seine Argumentation in einem Dokumentarfilm für die BBC dar, „The Day the Dinosaurs Died“ (Der Tag, an dem die Dinosaurier ausstarben), der am 15. Mai in Großbritannien ausgestrahlt wurde.

Wie ist es also möglich, dass die „schrecklichen Echsen“ hätten überleben können? Hauptsächlich, indem der gewaltige Asteroid, der in die flachen Gewässer der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatan gestürzt ist, stattdessen ein Stück weiter in die Tiefen des Atlantischen oder Pazifischen Ozeans gefallen wäre – in diesem Fall wäre der Aufprall nicht in einem Kalksteingebiet geschehen, welches reich an Kohlendioxid, Schwefel und tödlichen Gips war. Wäre dies auch nur eine oder zwei Minuten früher oder später passiert, so hätte es aufgrund der Erdrotation einen himmelweiten Unterschied für das Schicksal der Dinosaurier bedeutet.

„Wenn der Asteroid mit einer Kraft aufschlägt, die etwa 10 Milliarden Hiroshima-Explosionen entspricht, so wird alles in die Atmosphäre geschleudert, und das wird wohl wirklich entscheidend für das darauffolgende Massenaussterben gewesen sein, denn sogar das Sonnenlicht konnte nicht mehr durchdringen“, kommentierte Sean P. Gulick, Professor an der University of Texas, der Katastrophen in der geologischen Aufzeichnung untersucht. „Ein paar Minuten früher oder später und der Asteroid hätte den Atlantik oder den Pazifischen Ozean getroffen und wäre nicht in eine große, unbeständige Plattform eingeschlagen, die damals vaporisiert wurde, als sie sich nach oben und nach außen verteilte.“

„Und dies ist die Ironie der ganzen Geschichte – denn am Ende war es nicht die Größe des Asteroiden oder das Ausmaß der Explosion und auch nicht ihre globale Reichweite, die zum Aussterben der Dinosaurier geführt hat – es war der Ort des Aufpralls“, sagte Ben Garrod, einer der BBC-Moderatoren des Dokumentarfilms.

Was wäre also geschehen, wenn der tödliche Asteroid in größere Meerestiefen statt in das flache Wasser der Halbinsel Yucatan eingeschlagen wäre? Tatsächlich hätte ein Aufprall im Meer eine Wolke mit deutlich geringerer Dichte verursacht, und das Sonnenlicht hätte noch die Oberfläche des Planeten erreicht, was letztlich bedeutet, dass das Massenaussterben von 75 % der Arten auf der Erde am Ende der Kreidezeit hätte vermieden werden können.

Indem der Asteroid stattdessen in Yucatan aufgeschlagen ist, so argumentiert das Team im Dokumentarfilm, habe er einen radioaktiven Boliden freigesetzt, der eine Temperatur von 18.000 Grad hatte, die Erde über 1.000 Kilometer in alle Richtungen verbrannte und zudem den größten Tsunami der Erdgeschichte auslöste. Ein tödlicher Dunst, der Milliarden Tonnen an Sulfaten enthielt, verbreitete sich über dem Erdball, ließ kein Sonnenlicht mehr durchdringen und senkte die Temperaturen, so dass die Erde im Schatten versank. Über tausende von Meilen in allen Richtungen habe es Schmelzmaterial aus dem Krater geregnet, das Brände entzündete und die Atmosphäre in einen Ofen verwandelte. Da die Pflanzenwelt innerhalb von Tagen ausgelöscht wurde, hatten die Dinosaurier keine Chance zu überleben.

Um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die Dinosaurier überlebt hätten, wenn der Asteroid in größeren Meerestiefen aufgeprallt wäre, verbrachte das Forscherteam acht Wochen in Yucatan, unternahm intensive Bohrungen im Aufprallkrater und entnahm Proben, die anschließend an der Universität Bremen analysiert wurden. Durch die Analyse der 800 Meter an Gesteinsproben ist das Team der Meinung, beweisen zu können, dass der Asteroid mit einer Geschwindigkeit von 65.000 Stundenkilometern unterwegs war, als er mit voller Wucht auf die Erde aufschlug.

Allerdings war das Ende der Dinosaurier unter solch katastrophalen Umständen Glück im Unglück für die Säugetiere, denn sie hatten bis zum Ende der späten Kreidezeit im Schatten der Dinosaurier gelebt. Nur eine halbe Million Jahre nach dem großen Aussterben der Kreidezeit wurde die Welt von Säugetieren aller Arten und Größen dominiert, und dies führte schließlich zur Evolution von uns Menschen.

Obwohl es also interessant sein mag, sich vorzustellen, dass es zwar weniger Hühner, aber dafür ein paar Velociraptoren geben könnte, die gemeinsam mit uns in der modernen Welt herumlaufen (und Velociraptoren waren deutlich kleiner als es uns die Populärkultur glauben machen will, so dass wir uns keine Sorgen hätten machen müssen, dass sie Türen öffnen könnten), so ist es doch aus rein egoistischer menschlicher Sicht schließlich gut gewesen, dass der Asteroid an dem schicksalsträchtigen Tag vor 65 Millionen Jahren genau zu dem Zeitpunkt und genau an dem Ort aufgeschlagen ist … Sonst hätte es uns vielleicht nie gegeben …

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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Datensatznummer: 128338 / Zuletzt geändert am: 2017-05-29
Kategorie: Wissenschaft im Trend
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