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Wissenschaft im Trend: Raumsonde Cassini verglüht in den Wolken des Saturns

Im Jahr 1997 wurde die nuklear betriebene Raumsonde Cassini auf den Weg geschickt. Jetzt nahm sie ihre letzte Kurskorrektur vor, sodass sie – nachdem sie den Saturn 13 Jahre lang untersucht hat – in die Atmosphäre des Ringplaneten stürzen und in Stücke gerissen werden wird.
Wissenschaft im Trend: Raumsonde Cassini verglüht in den Wolken des Saturns
Am Montag, den 11. September näherte sich die Raumsonde dem Saturnmond Titan auf 120 000 km, um sich mithilfe seiner Schwerkraft in Richtung des Saturns zu schwingen und so die eigene Zerstörung einzuleiten. Seit ihrer Ankunft am Saturn im Jahr 2004 nutzte die Raumsonde regelmäßig Titans Gravitation, um sich an verschiedene Positionen zu katapultieren und den Planeten sowie sein Ringsystem untersuchen zu können. Auf diese Weise musste die Sonde nicht jedes Mal Treibstoff aufwenden, um eine große Kursänderung vorzunehmen.

Jetzt sind ihre Treibstoffreserven beinahe erschöpft, doch anstatt Cassini ziellos durch den Raum um den Saturn und schließlich in den tiefen Weltraum treiben zu lassen (wie die beiden Voyager-Sonden) oder die Sonde auf Titan oder Enceladus (einem weiteren Saturnmond) einschlagen zu lassen, haben sich Wissenschaftler der NASA dazu entschlossen, sie angemessen zu entsorgen. Nachdem sie Titans Schwerkraft ein letztes Mal nutzten, bezeichnen sie diesen Vorgang nun als „Abschiedskuss“.

„Cassini war lange mit Titan zusammen, und sie trafen sich über zehn Jahre hinweg beinahe jeden Monat“, beschreibt Earl Maize, der Cassini-Projektleiter am Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena, bildlich. „Dieses letzte Rendezvous hat etwas von einem bittersüßen Abschied, doch wie es im Lauf der Mission jedes Mal geschah, führt Titans Schwerkraft Cassini einmal mehr an ihren Bestimmungsort.“

Während der gesamten Cassini-Mission war die Zusammenarbeit zwischen der NASA, der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Italienischen Weltraumorganisation ein phänomenaler Erfolg, insbesondere hinsichtlich der gesammelten Erkenntnisse über Titan, den zweitgrößten Mond unseres Sonnensystems. Im Jahr 2005 schickte Cassini einen kleinen Roboter namens Huygens auf Titans Oberfläche, der ein aufsehenerregendes Bild von abgerundeten Steinen zurücksandte, die von dem flüssigem Methan, das auf Titan als Regen fällt und in nördlichen Breitengraden riesige Seen bildet, glattgeschliffen waren. Cassini fotografierte auch Strukturen, die Wissenschaftler für Vulkane halten, die eine eisige Masse auswerfen, sowie gewaltige Dünen aus kunststoffartigem Sand.

Die Sonde zeichnete eines der spektakulärsten Bilder auf, die je von Saturn und seinen Ringen aufgenommen wurden, und übermittelte insgesamt 453 000 Fotos zur Erde.

Kann das Ereignis von der Erde aus beobachtet werden?

Nun hoffen Weltraumbegeisterte und auch das Cassini-Forschungsteam, dass Cassinis Zusammentreffen mit dem Saturn bei etwas mehr als 122 000 km/h von der Erde aus sichtbar sein wird. Es wird erwartet, dass beim Aufprall Lichtblitze entstehen, die jedoch schwer zu sehen sein werden.

Dies liegt daran, dass diese Lichtblitze am hellsten im ultravioletten Spektrum leuchten werden – den gleichen Wellenlängen, die auch Sonnenbrand verursachen. Da die irdische Ozonschicht große Teile dieser ultravioletten Strahlung absorbiert, werden die UV-Blitze für Betrachter am Erdboden sehr viel blasser erscheinen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass dieses Ereignis an den für die Steuerung zuständigen Standorten der NASA und ESA nicht in dunkler Nacht stattfinden wird, und während die westlichen Teleskope mit dem Zwielicht zu kämpfen haben, ist das Signal sehr viel schlechter zu erkennen.

Um dies zu umgehen, bat das Cassini-Team die NASA, das Weltraumteleskop Hubble nutzen zu dürfen, um die verglühende Raumsonde im richtigen Moment beobachten zu können. Astronomen in der südlichen Hemisphäre, etwa in Australien, könnten sich jedoch zur rechten Zeit am rechten Ort befinden, um Cassinis Todessturz aufzuzeichnen. Außerdem gibt es eine große Gemeinschaft von Weltraumbegeisterten mit leistungsfähigen Teleskopen und ausgeklügelten Vorgehensweisen, deren Mitglieder über den ganzen Globus verteilt sind und helfen könnten.

Wenn Sie mehr über die Cassini-Mission erfahren oder die letzten Momente der Raumsonde miterleben möchten, besuchen Sie die vom Cassini-Team eingerichtete Website, auf der der Countdown der Mission bis zum „großen Finale“ läuft.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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