Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

EU-Studie sieht Nachteile bei möglichem Ersatz für embryonale Stammzellen

Im Jahr 2007 haben Wissenschaftler induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) entdeckt, die genau wie embryonale Stammzellen (ES-Zellen) sich selbst erneuern und sich zu jeder Art von Zelle oder Gewebe entwickeln können. Zusätzlich haben sie den Vorteil, dass es fast keine der ...
EU-Studie sieht Nachteile bei möglichem Ersatz für embryonale Stammzellen
Im Jahr 2007 haben Wissenschaftler induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) entdeckt, die genau wie embryonale Stammzellen (ES-Zellen) sich selbst erneuern und sich zu jeder Art von Zelle oder Gewebe entwickeln können. Zusätzlich haben sie den Vorteil, dass es fast keine der praktischen und ethischen Einschränkungen gibt, die die ES-Zellenforschung erschweren. In einer neuen Studie wurde nun allerdings herausgefunden, dass iPS für manche Anwendungen nicht im gleichen Maße verwendet werden können. Die Erkenntnisse wurden auf einer Veranstaltung des Projekts ESTOOLS ("Platforms for biomedical discovery with human ES cells") präsentiert, das mit 12 Mio. EUR aus dem Themenbereich "Biowissenschaften, Genomik und Biotechnologie im Dienste der Gesundheit" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) der EU finanziert wurde.

Die Entdeckung der iPS war ein Meilenstein und brachte neue Hoffnung für die Wissenschaft. Der Hauptunterschied zu ES-Zellen besteht darin, dass die Zellen durch die genetische Reprogrammierung von Körperzellen gewonnen werden. Da ihnen die Bedenken um Zusammenhang mit ES-Zellen nicht anhaften, können iPS in der Forschung und der regenerativen Medizin genutzt werden und als Modelle für Krankheiten dienen, die nicht einfach am Menschen erforscht werden können. Allerdings bleibt die Frage, ob iPS tatsächlich das gleiche Anwendungspotenzial aufweisen wie ES-Zellen.

Den Ergebnissen einer Studie zufolge, die von der Hebräischen Universität Jerusalem in Israel (einem ESTOOLS-Partner) und der Kinderklinik Boston in den USA durchgeführt wurde, können sie embryonale Stammzellen in verschiedenen Anwendungen der Grundlagen- und der klinischen Forschung nicht vollständig ersetzen.

Die Forschungsergebnisse wurden in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Cell Stem Cell veröffentlicht und auf dem internationalen Symposium "Stem Cells in Biology and Disease" in Lissabon im Mai 2010 präsentiert. Organisiert wurde das Symposium von ESTOOLS, dem größten europäischen Forschungskonsortium zu humanen embryonalen Stammzellen (insgesamt 22 Partner: 19 akademische Forschungsinstitute und 3 Privatunternehmen).

Für die Studie verglich die Forschergruppe Eigenschaften von iPS, die von Hautzellen von Menschen mit Fragilem X-Syndrom (verbreitete Form vererblicher geistiger Behinderung bei Männern) gewonnen wurden, mit denen von ES-Zellen mit demselben genetischen Defekt (von Embryos entnommen). Sie fanden heraus, dass das für dieses Syndrom verantwortliche Gen FMR1 in den ES-Zellen aktiv war, aber nicht in den iPS.

Der Leitautor der Studie, Dr. Nissim Benvenisty von der Hebräischen Universität Jerusalem: "Wir konnten einen Unterschied zwischen iPS und embryonalen Stammzellen sehen, obwohl sie dieselbe Mutation aufwiesen." Ihm zufolge könnten die Ergebnisse ein allgemeineres Phänomen epigenetischer Unterschiede der zwei Zellarten unterstreichen.

"Bis wir die Unterschiede zwischen diesen zwei Zelltypen besser verstehen, besteht der beste Ansatz zur Modellierung menschlicher Erbkrankheiten vielleicht in der Nutzung beider Systeme, wo immer es möglich ist", fügte Dr. Benvenisty hinzu.

Professor Peter Andrews von der Universität Sheffield im Vereinigten Königreich stimmt zu, dass die Erkenntnisse seines Kollegen in Jerusalem ES und iPS als sich ergänzende Werkzeuge ausweisen, die in manchen Fällen unterschiedliche Einblicke in grundlegende Krankheitsprozesse geben. "Sie unterstreichen, dass die Forschung mit beiden Arten pluripotenter menschlicher Stammzellen weitergeführt werden muss. Die Ergebnisse bestätigen auch den Wert und die Bedeutung europäischer Förderung von Forschungskonsortien wie ESTOOLS", erklärte Professor Andrews.

ESTOOLS wird von der Universität Sheffield koordiniert. Zwischen dem 26. und dem 28. Mai 2010 führte das Symposium internationale Experten zusammen, um sich über die neuesten Fortschritte in der Forschung mit menschlichen Stammzellen auszutauschen. Parallel wurde der "Dritte Ethikworkshop" von einem weiteren ESTOOLS-Teilnehmer, der Göran Hermerén Universität Lund in Schweden, und der Europäischen Gruppe für Ethik in der Wissenschaft und neuen Technologien (EGE) organisiert. Außerdem fanden verschiedene Outreach-Veranstaltungen statt, einschließlich einer Vorführung des Theaterstücks Staminalia und der Fotoausstellung Smile of a Stem Cell.

Quelle: Cell Stem Cell

Verwandte Informationen

Datensatznummer: 32181 / Zuletzt geändert am: 2010-06-07
Kategorie: Andere
Anbieter: ec