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Nachfolgeprogramm

ET-SOCRATES 1

Referenz zum Amtsblatt

L 166 von 1987-06-25

Rechtsrahmen

87/327/EEC von 1987-06-15
Zur Erzielung einer beträchtlichen Verbesserung der Mobilität von Studenten und Arbeitskräften zwischen den höheren Bildungseinrichtungen in Europa; zur Förderung breit angelegter und nachhaltiger Zusammenarbeit zwischen Bildungsträgern; als Beitrag zum Konzept eines Europas der Bürger; sowie als Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Europas durch die Schaffung einer beträchtlichen Anzahl von Absolventen des höheren Bildungswegs mit direkter Erfahrung innereuropäischer Zusammenarbeit.

Kurzbeschreibung

Das Programm ERASMUS stützt sich auf Artikel 128 der Römischen Verträge und ist mit anderen ergänzenden Programmen wie z. B. COMETT, TEMPUS und LINGUA eng verwandt. ERASMUS wurde auf der Basis eines Ratsbeschlusses vom 15. Juni 1987 (87/327/EWG) verabschiedet, der später am 14. Dezember 1989 (Beschluß des Rates 89/663/EWG) abgeändert wurde. Die von ERASMUS abgedeckten Aktivitäten sind Bestandteil des Kapitels über höhere Bildung des geplanten Programms SOCRATES, das Anfang 1995 lanciert werden soll.

Unterteilung

Fünf Bereiche:

- Kooperationsprogramme zwischen Hochschulen (ICP):
ICPs sind kooperative Netze zwischen höheren Bildungsanstalten verschiedener förderungswürdiger Staaten, die gewöhnlich zur Vernetzung von Fakultäten oder Abteilungen dienen, dabei aber das ungeteilte Engagement der betreffenden Bildungsanstalten voraussetzen. Die finanzielle Unterstützung von ICPs durch ERASMUS steht für eine oder mehrere der folgenden Aktivitäten zur Verfügung:
. Studentenmobilitätsprogramme (SM), welche die ICP Partner in die Lage versetzen, die Mobilität von Studenten zu organisieren und zu unterstützen, die längere (3-12monatige) Studienaufenthalte in anderen förderungswürdigen Staaten verbringen. Alle derartigen Studienaufenthalte im Ausland müssen als integraler Bestandteil ihrer Studien im Vorlauf zu ihrem Hochschulabschluß oder -Diplom voll anerkannt werden.
. Mobilitätsprogramme für Lehrpersonal (TS; Teaching staff mobility programmes), welche die Ausbilder der teilnehmenden ICP-Anstalten in die Lage versetzen, normale Lehrgänge in anderen förderungswürdigen Staaten während eines Zeitraums von bis zu einem Jahr zu unterrichten;
. Programme zur Ausarbeitung von Lehrplänen (Curriculum development programmes; CD) zur Unterstützung der gemeinsamen Entwicklung neuer Lehrpläne oder zur Abänderung bestehender Lehrpläne, zur Verwendung durch alle betreffenden ICP-Partner;
. Intensivprogramme (IP) von bis zu einem Monat, durch die das Lehrpersonal und Studenten aus mehreren förderungswürdigen Staaten zum intensiven Studium eines spezifischen Themas zusammengebracht werden;

- Besuchszuschüsse für Mitarbeiter höherer Bildungsanstalten, um das Lehr- und Verwaltungspersonal in die Lage zu versetzen, Informations-, Vorbereitungs- und Lehrbesuche in förderungswürdigen höheren Bildungsanstalten in anderen förderungswürdigen Staaten von bis zu 4 Wochen abzustatten. Zuschüsse können auch Mitarbeitern von förderungswürdigen Organisationen oder Vereinigungen ohne Erwerbscharakter erteilt werden, die sich mit höherer Bildung befassen, auch wenn diese Körperschaften nicht in der Lage sind, an einem Kooperationsprogramm zwischen Hochschulen teilzunehmen;

- Mobilitätszuschüsse für Studenten:
Verfügbar für förderungswürdige Studenten als Beitrag zu den 'Mobilitätskosten' (wie z. B. Reisekosten, linguistische Vorbereitung und höhere Lebenshaltungskosten), die sich bei der Ausführung eines 3- bis 12monatigen, völlig anerkannten Teils ihrer Ausbildung in einem anderen förderungswürdigen Staat ergeben. Die StudentInnen müssen ordnungsgemäß für einen Studienkurs registriert sein, der zu einer Hochschulqualifikation/einem Diplom (einschl. einer zweiten höheren Graduierung/eines Doktortitels) führt und von einer förderungswürdigen Bildungsanstalt angeboten wird. Sie müssen entweder StaatsbürgerIn des betreffenden EG- oder EFTA-Landes sein bzw. dort ihren festen Wohnsitz haben (obwohl bestimmte Mobilitätseinschränkungen für Studenten aus der Schweiz und Liechtenstein gelten), die nicht Mitglieder des EWR sind; darüber hinaus müssen Studenten aus EFTA-Ländern ihren Studienaufenthalt in einem EG-Land absolvieren). Zuschüsse werden über ein Netz von NGAAs in den einzelnen teilnehmenden Staaten verwaltet, und Vorrang erhalten Studenten innerhalb von ICPs oder ECTS (European Community Course Credit Transfer System; dem europäischen System zur Anrechnung von Studienleistung) sowie finanziell benachteiligte Studenten. ERASMUS Studenten brauchen keine Studiengebühren an ihre Gasthochschule zu entrichten und behalten ihr Recht auf die Weiterzahlung einzelstaatlicher Stipendien/Zuschüsse, das ihnen bei der Bildungsanstalt in ihrem Wohnsitzland zusteht;

- Maßnahmen zur Förderung der Mobilität durch die akademische Anerkennung der im Ausland abgeleisteten Studienzeit sowie von Qualifikationen:
Die Hauptinitiative innerhalb des Programms ERASMUS ist die Einführung des Pilotprojekts eines europäischen Systems zur Anrechnung von Studienleistung (ECTS) unter Einbeziehung von 145 höheren Bildungsanstalten in EG- und EFTA-Staaten. ECTS ist zur Zeit auf fünf Fächer begrenzt (Betriebswirtschaft/Management, Chemie, Geschichte, Maschinenbau und Medizin). Am Ende der Pilotphase sollen jedoch auch andere Fachbereiche zur Anwendung von ECTS angeregt werden. ECTS bietet einen Satz allgemeiner Verfahrensweisen zur akademischen Anerkennung sowie zur Übertragung von Studienleistungen von einer Bildungsanstalt zur anderen. Darüber hinaus unterstützt ERASMUS das Netzwerk einzelstaatlicher akademischer Informationszentren über akademische Anerkennung (NARIC; National Academic Recognition Information Centre), die den Austausch von Informationen und die Erteilung von Ratschlägen zur Anerkennung von Problemen erleichtern;

- Ergänzende Maßnahmen:
Finanzielle Unterstützung kann Verbänden oder Konsortien höherer Bildungsanstalten erteilt werden, die eine signifikante europäische Dimension nachweisen können, indem sie auf europäischer Basis tätig sind und relevante Initiativen (Veröffentlichungen usw.) ergreifen, die darauf abzielen, den höheren Bildungsweg in ganz Europa stärker zu profilieren. Ähnliche Unterstützung kann Verbänden oder Konsortien von Studenten, Lehrern oder Verwaltungspersonal zuteil werden, vorausgesetzt, daß sie von den betreffenden Bildungsanstalten vorgeschlagen werden.

Ausführung

Die Task Force für Humanressourcen der Europäischen Kommission (TFHR) ist für die Umsetzung des Programms ERASMUS voll verantwortlich. Die operativen Aspekte des Programms werden von der TFHR verwaltet, während die fachliche Unterstützung durch das Büro ERASMUS geleistet wird. Die Europäische Kommission läßt sich beraten vom ERASMUS Beratungsausschuß (EAC), der sich aus Vertretern höherer Bildungsanstalten und Ministerien aus allen beteiligten Staaten zusammensetzt, sowie vom Netzwerk der für die Vergabe einzelstaatlicher Stipendien zuständigen Behörden (NGAA; National Grant Awarding Bodies), das auch für die Verwaltung von Mobiltitätszuschüssen für Studenten zuständig ist, und von den Akademischen Beratungsgruppen (AAG; Academic Advisory Groups), die bei der jährlichen Auswahl von Kooperationsprogrammen zwischen Hochschulen (ICP; Inter-university Cooperation Programmes) beraten.

ERASMUS erstreckt sich auf alle Themen, die im höheren Bildungssektor unterrichtet werden und steht allen höheren Bildungseinrichtungen in der EG und EFTA offen. Das gilt auch für die Mitarbeiter und Studenten dieser Bildungseinrichtungen, die von den betreffenden Staaten als teilnahmewürdig identifiziert werden. Aktion II des Programms LINGUA (zur Förderung des Lehrens und Lernens von EG-Sprachen) ist sehr ähnlich wie ERASMUS und wird gemeinsam mit ERASMUS verwaltet.

Anträge auf Kooperationsprogramme zwischen Hochschulen (ICP; Inter-university Cooperation Programmes) müssen der Kommission bis zum 31. Oktober 1994, dem strikten Termin für das akademische Jahr 1995/96, vorliegen. Anträge auf Studienbesuche können das ganze Jahr hindurch eingereicht werden. Ausführliche Programmdetails sowie Antragshinweise sind den Leitlinien für Antragsteller ERASMUS/LINGUA (Maßnahme II) zu entnehmen, die einmal im Jahr veröffentlicht werden.

Zuschüsse für Studenten dürfen ECU 5.000 nicht überschreiten, sind jedoch gewöhnlich viel niedriger: Zuschüsse für Studienbesuche sind selten höher als ECU 1.000 pro Person. Zuschüsse für andere Maßnahmen hängen stark vom Rahmen des Projektvorschags ab. Zuschüsse für ICPs beliefen sich jedoch in jüngster Vergangenheit auf durchschnittlich ECU 8.200 (bzw. ECU 1.120 pro ICP-Partner).

Ein Jahresbericht über den Ablauf des Programms ERASMUS wird von der Kommission dem Europäischen Parlament, dem Rat, dem Beratungsausschuß über Berufsausbildung und dem Bildungsausschuß unterbreitet.

Bemerkungen

ERASMUS wird jetzt unter dem Rahmen des Programms SOCRATES umgesetzt (Beschluß des Rates 819/95/EG vom 14.3.1995)
Datensatznummer: 150 / Zuletzt geändert am: 1990-06-13
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