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Nachfolgeprogramm

ET-TEMPUS 2

Referenz zum Amtsblatt

L 131 von 1990-05-23

Rechtsrahmen

90/233/EEC von 1990-05-07
Zur Förderung der Qualität und Unterstützung der Entwicklung höherer Bildungssysteme in mittel- und osteuropäischen Ländern, die als würdige Empfänger von Wirtschaftshilfe gelten, sowie zur Förderung der Interaktion dieser Länder mit Partnern in der Europäischen Gemeinschaft durch gemeinsame Aktivitäten und relevante Mobilität.

Kurzbeschreibung

Ausbildung wurde als einer der prioritären Bereiche für die Zusammenarbeit innerhalb des allgemeinen Hilfsprogramms der Gemeinschaft zur wirtschaftlichen Umstrukturierung von Mittel- und Osteuropa. In diesem Zusammenhang wurde TEMPUS als Reaktion auf die spezifischen Erfordernisse dieser Länder zugeschnitten und läuft parallel zu, aber separat von, bestehenden höheren Bildungsprogrammen der Gemeinschaft wie z. B. COMETT, ERASMUS oder LINGUA.

Das Programm konzentriert sich auf die folgenden vorrangigen Fachgebiete, die von einem oder mehreren der förderungswürdigen Länder angegeben wurden:
- Management und Betriebswirtschaft;
- angewandte Wirtschaftswissenschaft;
- angewandte Wissenschaften, Technologien und Ingenieurwesen;
- moderne europäische Sprachen;
- Landwirtschaft und Agrargeschäft;
- Umweltschutz;
- Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Bezug auf den Vorgang des wirtschaftlichen und sozialen Wandels in den förderungswürdigen Ländern, einschl. Europawissenschaft;
- Medizin;
- bildende Künste (nur Tschechoslowakei).Diese Prioritäten sind nur als Anhaltspunkte zu betrachten und können von einem Land zum anderen variieren. Projekten in anderen Bereichen können unter Umständen ebenfalls Fördermittel bewilligt werden.

Im Rahmen von TEMPUS, wie auch in den oben erwähnten verwandten Gemeinschaftsprogrammen bedeutet der Begriff 'Hochschule' alle Arten der nach der Sekundarstufe weiterführenden Bildungs- und Berufsbildungseinrichtungen, die im Rahmen einer fortgeschrittenen Bildung bzw. Berufsbildung Befähigungsnachweise oder Diplome dieses Niveaus ausstellen, unabhängig davon, welche Bezeichnung diese Einrichtungen tragen. Die Begriffe 'Industrie' bzw. 'Wirtschaft' oder 'Unternehmen' erstrecken sich auf alle Arten von Wirtschaftsaktivität, einschl. nicht nur großer sondern auch kleiner und mittlerer Betriebe, staatlicher und lokaler Behörden, unabhängiger Wirtschaftsorganisationen (insbesondere Handelskammern und dergleichen), Fachgremien, Stiftungen, Verbände und Organisationen, die Arbeitgeber oder Arbeitnehmer vertreten.

Unterteilung

Drei Aktionen:

- Gemeinsame Europäische Projekte (GEP):
Dazu müssen mind. eine Hochschule bzw. Unternehmen aus einem förderungswürdigen Land sowie Partnereinrichtungen aus mind. zwei Mitgliedstaaten gehören, wobei es sich bei mind. einer um eine Hochschule handeln muß. Bestehende oder geplante Partnerschaften unter den Programmen ERASMUS, COMETT und LINGUA können unter der Voraussetzung Anträge stellen, daß sie diese Bedingungen erfüllen. GEP Zuschüsse können für eine Vielfalt von Aktivitäten bewilligt werden, wie u.a.: die Entwicklung und Organisation von Mobilitätsprogrammen für Studenten, Lehrer oder Mitarbeiter; Ausarbeitung von Lehrplänen und integrierten Lehrgängen; breit angelegte Entwicklung von Lehrstoffen; Modernisierung von Einrichtungen; Ausbildung und Nachschulung/Umschulung von Lehrern (insbesondere im Bereich moderner europäischer Sprachen); Bereitstellung kurzer Intensivkurse; Entwicklung von Sprach- und Fachstudien sowie Fernunterricht; Entwicklung der Kapazität von Hochschulen zur Zusammenarbeit mit der Industrie. Hilfsausrüstung und -dokumentation, die zur Umsetzung eines GEP erforderlich sind, gelten ebenfalls als förderungswürdig;

- Mobilitätszuschüsse:
. Ein Programm zur direkten finanziellen Unterstützung von Studenten aus förderungswürdigen Ländern bis einschl. Doktorebene, ungeachtet ihres Alters oder des Studienfachs, für einen Studienaufenthalt an einer Hochschule in einem Mitgliedstaat; Zuschüsse für Studenten von Hochschulen in der Gemeinschaft für Studienaufenthalte an einer Hochschule in einem förderungswürdigen Land;
. Unterstützung für Lehr-/Lernperioden für Lehrpersonal an Hochschulen bzw. für Mitarbeiter aus der Industrie in Mitgliedstaaten zur Durchführung von Lehr-/Lernperioden von einer Woche bis zu einem akademischen Jahr in förderungswürdigen Ländern; Unterstützung, die darauf abzielt, Lehrpersonal an Hochschulen bzw. Mitarbeiter aus der Industrie in förderungswürdigen Ländern in die Lage zu versetzen, ähnliche Studienaufenthalte in den Mitgliedstaaten durchzuführen; besondere Berücksichtigung von Sprachlehrern, die moderne Fremdsprachen in dem betreffenden förderungswürdigen Land oder Mitgliedstaat unterrichten;
. Unterstützung für industrielle oder praktische Plazierungen von einem bis zu sechs Monaten für Lehrer, Ausbilder und Studenten zur Durchführung eines praktischen Ausbildungszeitraums in staatlichen oder Privatunternehmen oder anderen Körperschaften;
. Kurzbesuchzuschüsse für Lehrer, Ausbilder, Hochschulverwaltungspersonal und andere Ausbildungsexperten für Besuche zwischen einer Woche und einem Monat in einem Mitgliedstaat oder einem förderungswürdigen Land;

- ergänzende Maßnahmen:
. Austausch von Jugendlichen und Jugendarbeitern/-organisatoren zwischen förderungswürdigen Ländern und Mitgliedstaaten in Form des gegenseitigen Jugendaustauschs, kurzer Vorbereitungsbesuche oder Ausbildungskurse;
. Zuschüsse zur Befähigung förderungswürdiger Länder zur Teilnahme an den Aktivitäten europäischer Verbände, insbesondere Vereinigungen von Hochschulen;
. Unterstützung zur Erleichterung von Veröffentlichungen und anderen Informationsaktivitäten von besonderer Bedeutung im Hinblick auf die allgemeinen Zielvorgaben von TEMPUS;
. Unterstützung für Studien und Umfragen zur Analyse der Entwicklung der höheren Bildungs-/Ausbildungssysteme in förderungswürdigen Ländern;
. technische Unterstützung einschl. der Überwachung und Beurteilung des Programms.

Ausführung

Mit Hilfe eines Ausschusses, der sich aus je zwei Vertretern zusammensetzt, die von den einzelnen Mitgliedstaaten ernannt werden und bei dem ein Vertreter der Kommission den Vorsitz führt, ist die Kommission zuständig für die Umsetzung des Programms TEMPUS gemäß den in der Entschließung des Rates festgesetzten Modalitäten und auf der Basis detaillierter Leitlinien, die auf jährlicher Basis verabschiedet werden. Das Programm wird von der Kommission über das in Brüssel befindliche TEMPUS Büro der EG verwaltet, das mit einzelstaatlichen TEMPUS Büros in den einzelnen förderungswürdigen Ländern zusammenarbeitet.

Die am 1. Juli 1990 beginnende anfängliche Pilotphase von drei Jahren wurde im Hinblick auf eine mögliche Laufzeit von fünf Jahren verabschiedet. TEMPUS wird über das allgemeine Budget PHARE der Gemeinschaft für Wirtschaftshilfe für die Länder Mittel- und Osteuropas finanziert. Finanzielle Unterstützung ist nur für europaweite Aktivitäten erhältlich, d.h. Aktivitäten mit folgenden Teilnehmern:
-Organisationen innerhalb von Ländern, die einerseits vom Rat als würdige Empfänger von Wirtschaftshilfe erachtet werden;
- Organisationen innerhalb von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft andererseits.

Die unter die Bedingungen des Hilfsprogramms PHARE fallenden förderungswürdigen Länder sind: Albanien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slovakia, Slowenien, Tschechien, Ungarn.

Am 29. April 1993 verabschiedete der Ministerrat die zweite Phase des Programms der europaweiten Zusammenarbeit für höhere Bildung (TEMPUS II) für den Zeitraum 1994-1998 (ABl. Nr. L 112 vom 6.5.1993). Diese Entschließung gestattet die Umsetzung des Programms TEMPUS in den Republiken der früheren Sowjetunion, die durch das Programm TACIS finanziert wurde.

Die Kommission ist zuständig für die Sicherstellung von Übereinstimmung und gegebenfalls Komplementarität mit anderen Aktionen auf Gemeinschaftsebene, sowohl innerhalb der Gemeinschaft als auch bei der Unterstützung der förderungswürdigen Länder, unter besonderer Berücksichtigung der Europäischen Stiftung für Berufsbildung. Die Kommission sorgt außerdem für Koordinierung mit Aktionen in demselben Bereich wie TEMPUS, die von Ländern entwickelt wurden, die nicht Mitglieder der Gemeinschaft sind oder von Hochschulen bzw. Unternehmen oder anderen Einrichtungen oder Körperschaften in diesen Ländern, einschließlich gegebenenfalls Teilnahme an TEMPUS Vorhaben.

Die Kommission trifft Vereinbarungen für die Überwachung und Beurteilung des Programms und unterbreitet dem Europäischen Parlament, dem Rat, dem Wirtschafts- und Sozialausschuß sowie den teilnehmenden Ländern einen Jahresbericht. Ein Abschlußbericht ist vor dem 31. Dezember 1995 vorzulegen.
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