Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Rahmenprogramm

FP3-FRAMEWORK 3C

Nachfolgeprogramm

FP4-TELEMATICS 2C

Programmfinanzierung

EUR 430 million

Referenz zum Amtsblatt

L 192 von 1991-07-16

Rechtsrahmen

91/353/CEE von 1991-06-07
Gewährleistung der Interoperabilität von Systemen, Peripheriegeräten und Telematiknetzen auf transeuropäischer Ebene unter besonderer Berücksichtigung von Qualität, Zuverlässigkeit, Sicherheit und einfacher Benutzung der Dienste sowie von Größenvorteilen und des Abbaus von Schranken beim Informationsaustausch.

Kurzbeschreibung

Als Teil des Dritten Rahmenprogramms für gemeinschaftliche Maßnahmen auf dem Gebiet von Forschung und technologischer Entwicklung (1990 bis 1994) unter Unteraktivität I.1.: "Informations- und Kommunikationstechnologien" beruht dieses Programm auf den Erfahrungen und Ergebnissen von Voruntersuchungen (AIM, DELTA, DRIVE) oder Vorbereitungsmaßnahmen (Untersuchung der Anforderungen ländlicher Gebiete und Bibliotheken).

Die Maßnahmen dieses Programms stellen auf die Informations- und Kommunikationsindustrien, Telekommunikationsnetz-Betreiber, Anbieter von Telekommunikationsdiensten und Erstbenutzer fortgeschrittener Kommunikation ab. Die Belange des Managements und der Übertragung elektronischer Information als Folge des Vollzugs des europäischen Binnenmarkts werden dabei besonders berücksichtigt. Die Erfordernisse werden gemeinsam mit den Benutzern identifiziert: Behörden, Fertigungs- oder Dienstleistungsunternehmen, akademische Einrichtungen und Einzelpersonen.

Bei den Maßnahmen handelt es sich um vorwettbewerbliche und pränormative Maßnahmen, die sich auf die Schaffung von Möglichkeiten zur Interoperabilität einzelstaatlicher Systeme, die Definition von Normen, Architekturen und funktionellen Spezifikationen beziehen.

Dabei werden auch Pilotprojekte mit einbezogen, z.B. wenn nachgewiesen wird, daß die Notwendigkeit der Validierung der Technologie besteht, wenn Interoperabilitätsnormen demonstriert werden sollen, und wenn ein allgemeines Interesse bei allen Mitgliedstaaten besteht.

Einige der experimentellen Entwicklungsmaßnahmen beruhen auf den Ergebnissen der INSIS-, CADDIA-und TEDIS-Programme, sowie gewissen Teilen der ESPRIT- UND RACE-Programme. Nach den bereits als Teil des EUROTRA-Programms durchgeführten Arbeiten erfolgt die Entwicklung von mit Informations- und Kommunikationssystemen verbundenen Betriebssystemen als Teil der Sprachenforschung und -technik.

Unterteilung

Sieben Gebiete:

- Unterstützung der Einrichtung transeuropäischer Netze unter Verwaltungen (ENS):
Definition gemeinsamer Anforderungen für den elektronischen Informationsaustausch und Untersuchung der Notwendigkeit der Interoperabilität elektronischer Informationsnetze in den Mitgliedstaaten; Durchführung von Studien und pränormativen Untersuchungen zur Definition und anschließenden Entwicklung von transeuropäischen Telematikdienst-Netzen für einzelstaatliche Verwaltungen für den Vollzug des Binnenmarkts und für die Bereitstellung der erforderliche Dienste für die Freizügigkeit der Bürger und von Gütern, Dienstleistungen und Kapital sowie für die wachsende wirtschaftliche und soziale Kohäsion in der Gemeinschaft. In erster Linie beziehen sich die Arbeiten auf Gebiete wie z.B. Zollwesen, Sozialdienste, Notdienste und Statistik. Untergebiete:
. Identifikation der Belange und der Durchführungsstrategien;
. Entwicklung der Technolgie für Telematikdienste und Validierung gemeinsamer Spezifikationen für die Funktion;

- Verkehrsdienste:
Leistung eines Beitrags auf dem Verkehrssektor zur Entwicklung integrierter transeuropäischer Dienste unter Einsatz fortgeschrittener IT und Kommunikation zur Verbesserung (Sicherheit und Effizienz) von Personen- und Gütertransportdiensten unter gleichzeitiger Reduzierung des Einflusses des Verkehrs auf die Umwelt. Untergebiete:
. Straßenverkehr (DRIVE):
Aufbauend auf den Voruntersuchungen von DRIVE (1988-1991) im zweiten Rahmenprogramm und in enger Verbindung mit einschlägigen EUREKA-Projekten erstrecken sich die Arbeiten auf die Ausbildung von Schnittstellen zwischen Straßen- und Schienenverkehr sowie Straßen- und Seeverkehr. Die Maßnahmen werden in drei in Wechselwirkung miteinander stehende Bereiche unterteilt: Definition und funktionelle Spezifikation aus der Sicht der Strategie zur Nutzung von Technologie und Telematiksystemen für Kommunikation und Verkehrsregelung, Entwicklung neuer Technologien, Telematikdienste und Systeme, und Validierungsarbeit;
. Strategien für die Nutzung von Technologien und Beitrag zur Definition gemeinsamer funktioneller Spezifikationen;
. Technologien und experimentelle Entwicklung von Systemen;
. Validierungs- und Pilotprojekte;

- Gesundheitswesen (AIM):
Förderung der Entwicklung harmonisierter Anwendungen und Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen. Entwicklung einer europäischen Gesundheitswesen-Informationsinfrastruktur unter Berücksichtigung der Belange der Benutzer und der technologischen Möglichkeiten. Drei Hauptstränge, unter Nutzung der Voruntersuchungen des AIM-Programms (Fortschrittliche Informatik in der Medizin) von 1988-1989 in enger Zusammenarbeit mit anderen gemeinschaftlichen Programmen:
. Strategien für die Nutzung von Technologien, Telematiksystemen und -dienstleitungen und Leistung eines Beitrags zur Definition gemeinsamer funktioneller Spezifikationen;
. Entwicklung einer medizinbezogenen Telematik-Technologie;
. Validierung und Integration;

- Flexibles Lernen und Fernstudium (DELTA):
Gestützt auf den Voruntersuchungen des DELTA-Programms von 1988-1989 und in enger Zusammenarbeit anderen gemeinschaftlichen Aktionen wie COMETT und EUROTECNET werden die Arbeiten auf diesem Gebiet unabhängig voneinander auf drei Teilgebieten durchgeführt:
. Strategien für die Nutzung von Technologien, Telematiksystemen und -dienstleistungen und Leistung eines Beitrags zur Definition gemeinsamer funktioneller Spezifikationen;
. Entwicklung von Systemen und Technologien;
. Versuche betreffend die Validierung und Integration der Dienste;

- Bibliotheken:
Erleichterung des Benutzerzugangs durch optimale Anwendung und Entwicklung von Ausrüstungen und Telematiksystemen für den umfassenden Wissensbestand in Bibliotheken unter gleichzeitigem Abbau der Beschränkungen durch die gegenwärtigen, unterschiedlichen Infrastrukturen in der Gemeinschaft;

- Sprachenforschung und -technik (LRE):
Entwicklung einer grundsätzlichen Sprachentechnolgie, die sich in eine Vielzahl von Computeranwendungen einbeziehen läßt, in denen natürliche Sprache ein wesentliches Element darstellt. Dies erfordert die Schaffung von Sprachenressourcen (Grammatiken, Lexika, Terminologiesammlungen und Texte) für die neun Amtssprachen der Gemeinschaft, sowie die Definition von Normen für diese Daten. Dieses Gebiet wird in drei Teile unterteilt: Forschung, Entwicklung der Ressourcen und Pilotanwendungen. Es beruht auf den Ergebnissen und Erfahrungen von EUROTRA und bestimmten spezifischen Projekten des ESPRIT-Programms und einzelstaatlicher Forschungsprogramme;

- Telematiksystem für ländliche Gebiete (ORA):
Entwicklung eines besseren Verständnisses für die gemeinsamen Belange und Möglichkeiten von Telematikdiensten und für die Wirkung solcher Dienste auf das Leben in solchen Gebieten, Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses hinsichtlich der Anforderungen für die Netzkonfiguration und seiner Optionen, sowie eines gemeinsamen Verständnis der Erfordernisse für Telematikdienste mit Vorbereitung auf eine harmonisierte Planung und die Einführung von Infrastrukturen für Telematikdienste in ländlichen Gebieten.

Ausführung

Die Kommission ist für die Durchführung des Programms verantwortlich. Dabei wird sie durch einen aus Vertretern der Mitgliedstaaten gebildeten Ausschuß unter dem Vorsitz eines Vertreters der Kommission unterstützt.

Das Programm umfaßt Forschungs- und technologische Entwicklungsprojekte (FTE-Projekte), konzertierte Aktionen und flankierende Maßnahmen.

Die FTE-Projekte werden im Rahmen von Verträgen auf der Basis von Kostenteilung durchgeführt, wobei die finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft unter normalen Umständen 50% nicht überschreitet. Hochschulen und andere Forschungsstellen können entweder für jedes Projekt eine Bezuschussung mit 50% des Gesamtaufwands beantragen, oder die 100%ige Finanzierung der zusätzlichen Grenzkosten. Der Abschluß von Verträgen über Forschungsprojekte auf der Basis von Kostenteilung muß unter normalen Umständen nach Abschluß des Auswahlverfahrens aufgrund einer im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften bekanntgemachten Aufforderung zur Unterbreitung von Vorschlägen erfolgen. Als allgemeine Regel gilt, daß sich wenigstens zwei voneinander unabhängige Partner aus unterschiedlichen Mitgliedstaaten an einem Projekt beteiligen müssen.

Die flankierenden Maßnahmen bestehen aus:
- Veranstaltung von Seminaren, Workshops und wissenschaftlichen Konferenzen;
- Interne Koordinierung durch Zusammenstellung integrierender Gruppen;
Fortgeschrittene Technologie-Bildungsprogramme mit dem Schwerpunkt auf Multidisziplinarität;
- Förderung der Nutzung der Forschungsergebnisse;
- Unabhängige wissenschaftliche und strategische Auswertung der Funktion von Forschungsprojekten und des Programms.

Konzertierte Aktionen bestehen aus Maßnahmen der Gemeinschaft zur Koordinierung einzelner Forschungsanstrengungen in den Mitgliedstaaten. Diese können mit bis zu 100% des Koordinierungsaufwands bezuschußt werden.

Die Kommission ist aufgrund von Artikel 130n des Vertrags zur Verhandlung internationaler Abkommen mit Drittländern befugt, die COST-Mitglieder sind, insbesondere den EFTA-Mitgliedsländern und den mittel- und osteuropäischen Ländern, damit sich auch diese ganz oder teilweise an dem Programm beteiligen können. Wo Rahmenabkommen über wissenschaftliche und technische Kooperation zwischen der Gemeinschaft und europäischen Nichtmitgliedstaaten bestehen, können Einrichtungen und Organisationen in den betreffenden Ländern auf der Basis des Kriteriums des gegenseitigen Vorteils als Partner an einem im Rahmen des Programms durchgeführten Projekt teilnehmen.

Kein außerhalb der Gemeinschaft ansässiges und als Partner an einem im Rahmen des Programms durchgeführten Projekt beteiligtes Unternehmen kann jedoch in den Genuß gemeinschaftlicher Finanzierung dieses Programms kommen. Die betroffene Organisation muß sich an den allgemeinen Verwaltungskosten beteiligen.

Die erforderlichen gemeinschaftlichen Finanzierungsmittel für die Ausführung des Programms werden mit 430 Mio. ECU veranschlagt. Ein Betrag von 1% des Haushaltsrahmens wird dabei als Beitrag des Programms zu einem zentralisierten System für die Verbreitung und Nutzung der Forschungsergebnisse zurückgestellt.

Die Verbreitung des während der Abwicklung der Projekte gesammelten Wissens erfolgt sowohl im Rahmen einzelner Programme als auch über ein zentralisiertes System.

Spezifische Projektinformationen werden in enger Zusammenarbeit mit CORDIS (dem gemeinschaftlichen FuE-Informationsdienst) angeboten.

Im zweiten Jahr der Durchführung erfolgt eine Prüfung des Programms durch die Kommission mit Berichterstattung an das Europäische Parlament und den Rat. Bei Programmende erfolgt eine Auswertung der erzielten Ergebnisse durch eine Gruppe von unabhängigen Experten, die den gleichen Gremien unterbreitet wird.
Datensatznummer: 194 / Zuletzt geändert am: 2000-06-05