Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Rahmenprogramm

FP3-FRAMEWORK 3C

Vorheriges Programm

FP2-FUSION 10C

Nachfolgeprogramm

EAEC-FUSION 12C

Programmfinanzierung

EUR 526 million

Referenz zum Amtsblatt

L 375 von 1991-12-31

Rechtsrahmen

91/678/Euratom von 1991-12-19
Zur Einrichtung der wissenschaftlichen und technologischen Basis sowie zur Festlegung der Umwelt- und Sicherheitskriterien und zur Vorbereitung des Baus der Next-Step-Anlage.

Kurzbeschreibung

Bestandteil des dritten Rahmenprogramms für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Forschung und technologischen Entwicklung (1990 bis 1994) unter Teilaktivität II.5.: 'Energie', dieses elfte Kernfusionsprogramm der Gemeinschaft umfaßt alle in den Mitgliedstaaten (plus Schweden und der Schweiz) durchgeführten Maßnahmen im Bereich gesteuerte thermonukleare Kernfusion durch magnetischen Einschluß. Das langfristige Ziel besteht in der gemeinsamen Errichtung sicherer, umwelttechnisch zuverlässiger Reaktorprototypen. Es wird eine schrittweise Strategie des Prototyps des kommerziellen Reaktors angestrebt, einschließlich - nach JET (Gemeinsamer Europäischer Torus) - eines experimentellen Reaktors (Next Step) und eines Demonstrationsreaktors (DEMO).

Das wichtigste physikalische Ziel beim Next Step ist die Erzielung selbständig ablaufender thermonuklearer Verbrennung von Deuterium-Tritium-Plasma und ihre Steuerung beim Langpulsbetrieb. Der Next Step müßte den sicheren Betrieb einer Anlage demonstrieren, die die bedeutenden Technologien eines Fusionsreaktors demonstriert, und müßte die Bauelemente und Teilsysteme prüfen, die für einen Kernfusionsreaktor unabdingbar sind. Der Next Step muß die grundlegenden Daten für die bautechnische Auslegung eines Demonstrationsreaktors vermitteln, der in der Lage ist, große Mengen von Elektrizität zu erzeugen, bei gleichzeitiger Berücksichtigung umwelttechnischer Einschränkungen.

Ein Großteil der Kernfusionsaktivitäten 1990-1994 dient als Fundament für den Next Step. Die Konzeptentwurfsaktivitäten sind unter dem europäischen Rahmenwerk NET (Next European Torus) erfolgreich ausgeführt und im Viermächterahmenwerk (EG, Japan, USA, UdSSR) von ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) entsprechend berücksichtigt. Die Engineering Design Activities (bautechnischen Auslegungsaktivitäten; EDA) werden unmittelbar nach Unterzeichnung des ITER-EDA-Abkommens in die Wege geleitet. Das Konzept für den Bau der Next-Step-Anlage kann während der Laufzeit des vierten Rahmenprogramms der Gemeinschaft eingereicht werden. Gegebenenfalls werden JET-Anlagen und -Fachkenntnisse für spezifische Entwicklungen zur Unterstützung des Next Step herangezogen.

Die Gemeinschaft hat Kooperationsverträge im Bereich gesteuerter thermonuklearer Kernfusions- und Plasmaphysik mit Schweden und der Schweiz abgeschlossen. Die Gemeinschaft hat gemeinsam mit Japan, den USA und der Sowjetunion einen Vertrag über die Teilnahme an ITER Konzeptentwurfsaktivitäten abgeschlossen und mit der kanadischen Regierung eine Absichtserklärung über die Beteiligung von Kanada am europäischen Beitrag zu diesen Aktivitäten unterzeichnet. In einem Beschluß vom 6. April 1992 verabschiedete der Europäische Rat den Abschluß eines ITER-EDA-Kooperationsabkommens mit Japan, USA und der Russischen Föderation mit sechsjähriger Laufzeit. Der Kommissionsbeschluß 92/439/Euratom vom 22. April 1992 ermächtigt den Präsidenten der Kommission zur Ernennung der Person mit Befugnis zur Unterzeichnung des Abkommens und seines Protokolls, deren Texte als Anhang zu dem Beschluß (Amtsblatt Nr. L 244 vom 26.8.1992) veröffentlicht wurden.

Unterteilung

Vier Bereiche:

- Next-Step-Auslegung:
Der Viermächteansatz von ITER wird bevorzugt, die Reservekapazität von NET wird jedoch beibehalten; die mit Next Step verbundenen F&E Physikaktionen werden für JET und die Spezialeinrichtungen durchgeführt; Aktionen im Bereich Kernfusionstechnologie, die spezifisch auf Next-Step-Anlagen ausgerichtet sind (supraleitende Magnete, dem Plasma zugewandte Komponenten, Betriebsund Umweltsicherheit, Brennstoffbeschickung, Wartung der Fernbedienungseinrichtungen, Stillegung) werden ebenfalls durchgeführt.

- Längerfristige technische Entwicklungen:
Arbeit in Bezug auf Themen wie die Entwicklung von geringaktiven Werkstoffen, die für einen Reaktor relevant sind, die Entwicklung von Reaktorbrutmodulen und eine Referenzauslegung für einen Elektrizität erzeugenden Kernfusionsreaktor;

- JET:
Erzielung der vollen Nutzung von JET in seinen Deuterium-Plasma-Phasen durch Entwicklung zuverlässiger Methoden der Plasmareinheitskontrolle unter Bedingungen, die für den Next-Step-Tokamak relevant sind; Vorbereitung der Endphase von JET mit Deuterium-Tritium-Plasma (für 1995-1996 geplant) einschl. einer rigorosen wissenschaftlichen, technischen und sicherheitstechnischen Beurteilung;

- Unterstützungsprogramm:
. Wissenschaftliche Unterstützung von Next Step und JET (Studien über Einschluß, magnetohydrodynamische Stabilität, Wechselwirkung zwischen Reaktorwand und Plasma, Brennstoffbeschickung und Abluft, Heizungs- und Stromsteuerung, Plasmadiagnosemethoden, Plasmamodellierung); Erforschung von Konzeptverbesserungen für vorhandene Spezial-Tokamaks;
. Studien über alternative Versionen von toroidalem magnetischem Einschluß (Betrieb von RFX, EXTRAP-T2, Wendelstein VII-AS, TJ-II im Bau);
. Andere Ansätze zur gesteuerten Kernfusion (Überwachung der laufenden, anderswo stattfindenden Arbeit und Fortsetzung der gegenwärtigen Bemühungen um Kontaktpflege im Bereich der Trägheitsfusion durch Inertialeinschluß).

Ausführung

Die Kommission ist verantwortlich für die Umsetzung des Programms mit Hilfe des Beratungsausschusses für das Kernfusionsprogramm (CCFP). Dem CCFP stehen zwei Unterausschüsse zur Seite: der Programmausschuß (PC) für physikalische Fragen und der Lenkungsausschuß (FTSC) für NET und Technologie.

Das Programm umfaßt Projekte der Forschung und technologische Entwicklung (FTE), JET (Gemeinsamer Europäischer Torus) Joint Undertaking, flankierende Maßnahmen und konzertierte Aktionen.

Die Umsetzung des Projekts Gemeinsamer Europäischer Torus (JET) obliegt JET Joint Undertaking, das ursprünglich für einen Zeitraum für zwölf Jahre gegründet worden war, vom 1. Juni 1978 durch Ratsbeschluß 78/471/Euratom (Amtsblatt Nr. L 151 vom 7.6.1978) und später bis zum 31. Dezember 1992 und 31. Dezember 1996 durch Ratsbeschluß 88/447/Euratom (Amtsblatt Nr. L 222 vom 12.8.1988) bzw. Ratsbeschluß 91/677/Euratom (Amtsblatt Nr. L 375 vom 31.12.1991) verlängert wurde. Die Verantwortung für das Joint Undertaking obliegt dem JET-Rat (mit Unterstützung vom Exekutivausschuß und dem JET Wissenschaftlichen Rat) und dem Direktor des Projekts JET.

Die Projekte müssen FTE-Verträgen auf Kostenteilungsbasis im folgenden Rahmen unterliegen:
Assoziationsverträge mit Mitgliedsstaaten, Organisationen in den Mitgliedstaaten, Schweden und der Schweiz;
- Das JET Joint Undertaking;
- Das Abkommen NET (Nächster Europäischer Torus) (das im Hinblick auf die mögliche Beteiligung von Euratom an ITER verlängert bzw. geändert werden soll);
- das langfristige Entwicklungsabkommen (steht noch aus);
- andere Verträge begrenzter Laufzeit.

Die finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft an den laufenden Kosten der Zusammenschlüsse liegen normalerweise bei einem jährlichen Einheitssatz von 25%. Nach Konsultation des CCFP finanziert die Kommission evtl. die Investitionskosten spezifisch definierter Projekte zu einem jährlichen Einheitssatz von ca. 45%, und bestimmte Aufgaben, die nur industriell durchgeführt werden können, zu einem Satz von bis zu 100%. Universitäten und andere Forschungstellen, die außerhalb des Rahmens der Assoziationsverträge an Projekten auf Kostenteilungsbasis teilnehmen, haben die Wahl, für jedes Projekt entweder die einheitlichen Finanzierungssätze für die Gesamtausgaben oder ein Zweifaches der einheitlichen Finanzierungssätze für die zusätzlichen Grenzkosten zu erhalten.

Kostenteilungsprojekte müssen gewöhnlich von Teilnehmern ausgeführt werden, die in der Gemeinschaft, Schweden bzw. der Schweiz ansässig sind und sollten nach Möglichkeit die Teilnahme von mind. zwei voneinander unabhängigen Partnern vorsehen, die in verschiedenen Staaten der Gemeinschaft bzw. Schweden oder der Schweiz ansässig sind.

Die Projekte sind auf der Basis der gewöhnlichen Verfahrensweisen auszuwählen, die in den Assoziationsverträgen, der JET-Satzung, dem NET-Abkommen, dem langfristigen Entwicklungsabkommen und einem der gemeinschaftsweiten Abkommen oder Verträge definiert sind, die evtl. auf Anraten des CCFP abgeschlossen wurden. Bei Projekten, die vom CCFP Prioritätsstatus erhalten, müssen alle Assoziationen das Recht haben, an den Experimenten teilzunehmen, die an den auf diese Weise gebauten Anlagen ausgeführt werden.

Die flankierenden Maßnahmen sind:
- die Organisation von Seminaren, Workshops und wissenschaftlichen Konferenzen;
- interne Koordination durch die Einrichtung von Integrationsgruppen;
- Technologieschulungsprogramme auf fortgeschrittenem Niveau, mit Schwerpunkt auf Multidisziplinarität;
- Förderung der Nutzung von Ergebnissen;
unabhängige wissenschaftliche und strategische Auswertung der Durchführung der Projekte und des Programms.

Konzertierte Aktionen bestehen in Maßnahmen seitens der Gemeinschaft zur Koordination der in den Mitgliedstaaten durchgeführten, individuellen Forschungsmaßnahmen. Diese Aktionen können bis zu 100% der Koordinationskosten in den Genuß von Fördermitteln kommen.

Die für die Ausführung des Programms erforderlichen Mittel der Gemeinschaft werden auf ECU 526 Mio. geschätzt. Ein Betrag in Höhe von 1% des Budgets ist als Beitrag vom Programm zu dem zentralisierten System für die Verbreitung und Nutzung von Ergebnissen zweckgebunden. Ein zusätzlicher Betrag von ECU 42 Mio. wird der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) für die Forschung im Bereich gesteuerter thermonuklearer Kernfusion zugewiesen.

Die Kommission ist dazu befugt, internationale Verträge mit Drittländern abzuschließen, die Mitglieder von COST sind, insbesondere den Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelszone (EFTA) und den MOEL, um sie an dem Programm entweder insgesamt oder teilweise teilnehmen zu lassen.

Während des zweiten Jahres der Umsetzung wird das Programm von der Kommission revidiert, die dann dem Rat und dem Wirtschafts- und Sozialausschuß einen Bericht über die Ergebnisse der Revision vorlegen wird. Nach Durchführung des Programms wird von einer Gruppe unabhängiger Experten eine Auswertung der Ergebnisse durchgeführt und die Ergebnisse werden mit einer Stellungnahme der Kommission den obengenannten Gremien unterbreitet.

Fachgebiete

Kernfusion
Datensatznummer: 201 / Zuletzt geändert am: 1990-11-14