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  • Fünftes medizinisches Forschungsprogramm (EGKS) "Schutz von Arbeitskräften gegen Risiken aufgrund ihrer Tätigkeit in der Kohle- und Stahlindustrie", 1988-1992

Vorheriges Programm

ECSC-MEDRES 4C

Programmfinanzierung

EUR 12 million

Referenz zum Amtsblatt

C 47 von 1988-02-19

Rechtsrahmen

88/C47/06
Reaktion auf die Anforderungen von Arbeitskräften in der Kohle- und Stahlindustrie durch Verbesserung der physikalischen und psychologischen Bedingungen am Arbeitsplatz sowie durch Unterstützung der EGKS-Industrien bei Realisierung von vorbeugenden Maßnahmen hinsichtlich der Gesundheit am Arbeitsplatz sowie durch Förderung von Projekten zur Nutzung der Ergebnisse früherer medizinischer Forschungsprogramme.

Kurzbeschreibung

Gemäß Artikel 55 des Vertrags über die Einrichtung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) hat die Kommission die Pflicht, technische und Wirtschaftsforschung hinsichtlich der Arbeitssicherheit in der Kohle- und Stahlindustrie zu unterstützen. Die Finanzierungsmittel für diese Unterstützung stammen aus Abgaben, die gemäß der Bestimmungen von Artikel 49 des EGKS-Vertrags auf die Produktion von Kohle und Stahl erhoben werden.

Dieses fünfte medizinische Forschungsprogramm ist eine natürliche Fortsetzung früherer Programme, die bis auf 1956 zurückgehen und die grundsätzliche Gesundheitsprobleme in der Kohle- und Stahlindustrie behandeln, wie z.B. die Ätiopathogenose der Staublunge, chronische Bronchitis und Emphyseme sowie die verschiedenen Gesichtspunkte der Physiopathologie der Atemwege. Wie im vierten Programm wurde die Experimental- und epidemiologische Forschung zur Einbeziehung aller Schadstoffe in der Arbeitsumgebung der Arbeitskräfte der EGKS-Industrien erweitert. Desgleichen werden individuelle, die Empfindlichkeit bestimmende Faktoren mit einbezogen. Besondere Aufmerksamkeit wird auch Krebserkrankungen und der Früherkennung von Krebs durch Forschung auf dem Gebiet der karzinogenen Wirkung von atmosphärischen Schadstoffen gewidmet. Das Programm hat damit eine enge Verbindung zu dem Aktionsprogramm "Europa gegen den Krebs".

Unterteilung

- Berufliche Krebserkrankungen:
Definition und Bewertung der Risiken bekannter oder verdächtiger Karzinogene am Arbeitsplatz in den EGKS-Industrien mit dem Ziel der Festlegung einer spezifischen Vorbeugungspolitik;

-Beschäftigungshypoakuse:
Entwicklung von geeigneten Systemen für den Schutz der Sicherheit und der Gesundheit von Arbeitskräften bei Gefährdung des Gehörs sowie in anderen Bereichen;

- Berufskrankheiten der Atemwege:
Fortsetzung der Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Staublunge, der chronischen Bronchitis, der Emphyseme und anderer Wirkungen ungünstiger klimatischer Verhältnisse sowie Vorsorgemaßnahmen unter Anwendung und Auswertung am Arbeitsplatz von einfachen, zuverlässigen Funktionskontrollen der Atemwege und unter Anwendung der überarbeiteten Version des EGKS-Fragebogens über Symptome der Atemwege;

- Berufskrankheiten des Muskelapparats und der Knochen:
Durchführung von Versuchen zur Festlegung von Eignungskriterien für Aktivitäten, die eine besondere Beanspruchung der Wirbelsäule mit sich bringen;

- Auf Beeinflussung durch gewisse Chemikalien zurückzuführende Erkrankungen:
Hauterkrankungen (insbesondere Allergien) sowie Erkrankungen der Nieren, der Leber, des Gefäßapparats und neurologischen Erkrankungen aufgrund einer Belastung durch Substanzen wie z.B. Isozyanate, Lösungsmittel und Waschmittel, Schneidöle und Altöle, Additive auf Kohlenwasserstoffbasis und organische Phosphorverbindungen wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt;

- Ausbildung und Informationen:
Förderung und Entwicklung der Wissensübertragung auf dem Gebiet der reinen, physiologischen und klinischen Forschung in die Praxis mit dem Ziel der Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes von Arbeitskräften;

- Methoden zur Messung der Belastung von Arbeitskräften:
Prüfung geeigneter Überwachungsmethoden zur Bestimmung einer regelmäßigen Belastung und Intensivierung der Forschung zur Ermittlung biologischer Grenzwerte, damit die Emission von Schadstoffen am Arbeitsplatz bestimmt werden kann.

Ausführung

Die Kommission ist für die Durchführung dieses Programms verantwortlich. Dabei wird sie von einem wissenschaftlichen Expertenausschuß unterstützt, der sich aus maximal zwei Experten aus jedem Mitgliedstaat zusammensetzt. Zum ersten Mal im Rahmen dieses medizinischen Forschungsprogramms wird die Kommission jetzt auch durch einzelstaatliche Gruppen unterstützt, in denen auch leitende Berufsmediziner aus Unternehmen in der Kohleund Stahlindustrie vertreten sind. Der Ausschuß der Produzenten und Arbeitskräfte über industrielle Sicherheit und Arbeitsmedizin informiert die Kommission über seine Ansichten über die verschiedenen Projekte. Ein aus Regierungsexperten bestehender Ausschuß mit einem entsprechend qualifizierten Beamten in leitender Stellung, der von den Mitgliedstaaten benannt wird, äußert sich ebenfalls hierzu.

Die Einrichtung von Projekten und ihre Durchführung stehen unter der Leitung von Arbeitsmedizinern in der Industrie oder von Krankenhaus- oder Universitätsärzten, die in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Industrien arbeiten. Projekte, bei denen zwei oder mehrere Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, werden prioritär gefördert. Die von der Kommission gewählte finanzielle Unterstützung übersteigt im allgemeinen einen Betrag von 60 % der Gesamtkosten für das Projekt nicht. Abschlußberichte über die Projekte und ggf. mehrteilige Berichte über Projektgruppen werden erstellt und gelangen in den relevanten Sektoren der Industrie zur Verteilung. Einzelheiten der Projekte werden auch in Euro-Abstracts veröffentlicht.
Datensatznummer: 221 / Zuletzt geändert am: 1995-11-27