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Rahmenprogramm

EAEC-FWP-EAEC 1C

Vorheriges Programm

FP3-FUSION 11C

Programmfinanzierung

EUR 895 million

Referenz zum Amtsblatt

L 331 von 1994-12-21

Rechtsrahmen

94/799/Euratom von 1994-12-08
Das langfristige Ziel des Programms, das alle in den Mitgliedstaaten (sowie in der Schweiz) durchgeführten Maßnahmen im Bereich kontrollierte Kernfusion durch magnetischen Einschluß abdeckt, ist die gemeinsame Schaffung sicherer, umweltverträglicher Reaktorprototypen, was zum Bau wirtschaftlich tragbarer Kraftwerke führen dürfte, die die Erfordernisse potentieller Nutzer erfüllen.

Kurzbeschreibung

Dieses spezifische Programm gesteuerter Kernfusion ist Bestandteil des Rahmenprogramms von Gemeinschaftsmaßnahmen im Bereich Forschung und Ausbildung für die Europäische Atomenergiegemeinschaft (1994 bis 1998). Die Schlußfolgerungen des Seminars über eine europäische Strategie für Energieforschung und technologische Entwicklung (Venedig, November 1993) sind in die Maßnahmen des Programms eingebunden.

Das Programm stützt sich auf die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaft, die ein Projekt des Umfangs von JET ermöglichte und der Gemeinschaft die Anerkennung als ebenbürtiger Partner in Bezug auf den experimentellen ITER Reaktor einbrachte.

Das langfristige Ziel des gemeinschaftlichen Fusionsprogramms, bei dem alle in den Mitgliedstaaten (sowie in Schweden und der Schweiz) durchgeführten Aktivitäten im Bereich Kernfusion erfaßt sind, ist die gemeinsame Schaffung eines sicheren, umweltverträglichen Reaktorprototyps, der zum Bau wirtschaftlich tragbarer Kraftwerke führen sollte. Die Fortschritte beim Erreichen dieses langfristige Ziels, dessen zeitliche Maßstäbe sich in Jahrzehnten messen lassen, sind mit den vier bedeutenden Fusionsprogrammen der Welt (Euratom, Japan, Rußland, USA) vergleichbar.

Die zum kommerziellen Prototypreaktor führende Strategie besteht in zwei Schritten:

- einem experimentellen Reaktor (Next Step), zur Demonstration der wissenschaftlichen und technologischen Tragbarkeit von Fusionsenergie für friedliche Zwecke;
- einem Demonstrationsreaktor (DEMO), der zur Erzeugung beträchtlicher Mengen von Elektrizität im Stande ist. Sicherheits- und Umweltfragen werden beim Bau dieser Anlagen eine zentrale Rolle spielen.

Für den Zeitraum 1994 bis 1998 besteht das vorrangige Ziel darin, die technische Konstruktion des Next Step durch die Zusammenarbeit der vier Mächte im Rahmen von ITER-EDA zu erzielen. Die Maßnahmen werden durch das 'Joint Central Team' von ITER-EDA (das zu 25% von Vertretern der Kommission besteht) sowie durch die einzelstaatlichen Teams der vier Partner durchgeführt. Die Euratom zugeordneten technologischen ITER-EDA Konstruktionsaufgaben werden vom 'NET Team' koordiniert und von den Assoziationen, der GFS, JET und der Industrie ausgeführt.

JETs Hauptaufgabe besteht darin, zuverlässige Methoden zur Plasmareinheitskontrolle unter Bedingungen einzurichten, die für den nächsten Schritt (Next Step) relevant sind und Hochleistungsoptionen für Deuterium-Tritium-Plasma zu entwickeln. Das Projekt gemeinsamer europäischer Torus (JET) wurde (gemäß Ratsbeschluß 96/305/Euratom) bis 1999 verlängert, wobei das erworbene Expertenwissen im Wesentlichen zur Unterstützung von ITER übertragen wird.

Die Industrie wird dazu ermutigt, ausgiebiger an den vom Programm erfaßten Maßnahmen teilzunehmen, mit dem doppelten Ziel industrielles Fachwissen in die Umsetzung des 'Next Step' einzubringen und sicherzustellen, daß die europäische Industrie die Technologien bewältigt, die für den Bau künftiger Fusionsreaktoren erforderlich sind. Des Weiteren wurde die Organisation gemeinsamer 'Industrie-Fusions'-Seminare durchgeführt.

Es wurde eine rigorose unabhängige Beurteilung der Aussichten für die Fusion durchgeführt.

Die GFS hat das europäische Laboratorium zur Handhabung von Tritium (ETHEL) gegründet, das den europäischen Organisationen Forschungskapazität anbieten kann.

Die für ITER-EDA durchgeführte, gemeinschaftliche Forschung wird so gelenkt, daß die erforderliche Kompetenz in allen wichtigen Technologien entwickelt wird, insbesondere auf dem Gebiet supraleitender Magnete, dem Plasma zugewandter Komponenten, Betriebs- und Umweltsicherheit, Brennstoffbeschickung, äußerst zuverlässiger Fernbedienungseinrichtungen für Wartungszwecke, sowie Stillegung der Anlage in ihrer spezifischen Umwelt.

Die Forschung hat sich weiterhin auf gesteuerte thermonukleare Kernfusion durch magnetischen Einschluß in Toroidgeometrie konzentriert. Im Rahmen ihrer Die gegenwärtigen Bemühungen um Kontaktpflege wurde eine Koordinierung der zivilen Tätigkeiten auf dem Gebiet des Inertialeinschlusses durchgeführt, fortgesetzt und nach Möglichkeit zu einem internationalen Rahmen erweitert.

Unterteilung

Gleichzeitige Entwicklung von drei Aktivitäten:

- Next-Step Aktivitäten:
Auslegung eines experimentellen Reaktors innerhalb des Viermächte-Rahmens (Euratom, Japan, Rußland, USA) in Bezug auf den Internationalen Thermonuklearen Experimentellen Reaktor (ITER-EDA):
. F&E auf den Gebieten Physik und Technologie zur Unterstützung von ITER-EDA;

- Konzeptverbesserungen:
Verbesserung derzeitiger Methoden zur Handhabung bestimmter Probleme auf den Gebieten Plasmaphysik und Plasmatechnik, die dazu beitragen können, die Konstruktionsarbeit zum Abschluß zu bringen und den Betrieb des Next Step vorzubereiten bzw. langfristig gesehen den Demonstrationsreaktor (DEMO) zu definieren. Vorbereitungsmaßnahmen, die zur Modernisierung bestehender Anlagen im Gange sind sowie für den Bau neuer Anlagen, speziell im Hinblick auf:
. Engineering Design (bautechnische Auslegungsaktivitäten; EDA) und Prototypentwicklung für den möglichen Bau eines großen Stellarators (WVII-X) zur Demonstration der hohen Leistung dieser Konfiguration; sowie die Entwicklung konzeptmäßiger Studien über das Reaktorpotential von Stellaratoren;
. Möglicherweise Modernisierung einiger Tokamaks, namentlich TORE-SUPRA;

- langfristige Technologie:
Die Bemühungen auf dem Gebiet der langfristigen Technologie werden im Hinblick auf die Bereitstellung technisch und umwelttechnisch akzeptabler Lösungen für technische Probleme verstärkt, die sich bei der Nutzung von Kernfusion als Energiequelle ergeben. Diese Bemühungen auf dem Gebiet langfristiger Technologie werden in den Assoziationen, der GFS und der Industrie angestellt und beinhalten vor allem:
. Die Entwicklung von Tritiumbrutmänteln, im Hinblick auf den Bau von DEMO-relevanten Brutmantelmodulen, die im Rahmen von ITER getestet werden sollen; Entwicklung von strahlungsbeständigen und geringaktiven Werkstoffen. Die Prüfung dieser Werkstoffe setzt die Verfügbarkeit einer Hochenergie-Neutronenquelle voraus.
. Weitere Analyse der Sicherheit und gesellschaftlichen Akzeptanz von Kernkraft. Insbesondere, die Analyse und Beurteilung möglicher Risiken in Verbindung mit Kernkraft und den entsprechenden großen Anlagen der Zukunft sowie der Integration aller möglichen Maßnahmen zur Verhinderung bzw. Minimierung derartiger Risiken.

Ausführung

Die Kommission ist für die Verwirklichung des Programms zuständig, unterstützt durch den Beratenden Ausschuß für das Kernfusionsprogramm, der durch den Ratsbeschluß am 16. Dezember 1980 eingerichtet wurde.

Das langfristige Ziel des Programms wird durch Zusammenarbeit mit den Ländern erreicht, mit denen sie nach Artikel 101 des Euratom Abkommens Kooperationsverträge im Bereich Kernfusion abgeschlossen hat. Während der ersten Phase der Entwicklung des Kernfusionsprogramms nehmen die Mitgliedstaaten sowie die Schweiz an den Aktivitäten von ITER-EDA gemeinsam mit Japan, Rußland und den USA teil.

Protokoll 1 des ITER-EDA Abkommens erstreckt sich auf den Zeitraum bis Juli 1998. Es wird eine Verlängerung von ITER-EDA um drei Jahre erwartet.

Die vorläufige Aufteilung des Programmhaushalts ist wie folgt: 'Next Step' Maßnahmen ECU 318 bis 363 Mio. (einschl. der eigentlichen Konstruktionsarbeiten und der erforderlichen F&E Unterstützung im Hinblick auf Physik und Technologie, die innerhalb der Assoziationen und seitens der Industrie vermittelt werden); JET Joint Undertaking ECU 183 bis 254 Mio.; Konzeptverbesserungen ECU 175 bis 202 Mio.; langfristige Technologie ECU 40-53 Mio.

Der Gesamthaushalt für das Programm umfaßt eine Summe, die ca. 12% für Grundlagenforschung sowie Ausbildung und maximal 17% für Personal- und Administrationskosten ausmacht. Ein Betrag von ECU 46 Mio. - der Unterschied zwischen dem Betrag, der für dieses Programm als erforderlich gilt und dem Betrag, der im Rahmenprogramm für Forschungs- und Ausbildungsmaßnahmen im nuklearen Bereich (1994-1998) für kontrollierte Kernfusion vorgesehen ist - ist zweckgebunden an das spezifische Programm zur Forschung und technologischen Entwicklung, das durch direkte Aktion seitens der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) im Rahmen des Europäischen Atomenergieprogramms durchgeführt werden soll.

Die Forschungsmaßnahmen werden im Wesentlichen auf Kostenteilungsbasis durchgeführt. Die Projekte werden auf der Grundlage der mit Gremien in den Mitgliedstaaten (sowie der Schweiz) abgeschlossenen Assoziationsverträgen, der JET-Satzung, dem NET-Abkommen, dem INTER-EDA oder einem anderen auf Gemeinschaftsebene abgeschlossenen Abkommen oder Vertrag ausgewählt.

Der finanzielle Beitrag der Gemeinschaft zu den laufenden Ausgaben der Assoziationen ist in der Regel auf einen Einheitssatz von ca. 25% festgelegt. Nach Konsultation mit dem Beratenden Ausschuß trägt die Kommission evtl. die Investitionskosten für definierte Projekte in Höhe von ca. 45%, während spezifische, von der Industrie durchgeführte Aufgaben in Höhe von bis zu 100% der Gesamtkosten finanziert werden können. Es steht ein gewisses Maß an finanzieller Unterstützung für konzertierte Aktionen sowie Vorbereitungs-, Begleit- und Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung. Darunter können u.a. Studien zur Unterstützung des Programms und zur Vorbereitung künftiger Maßnahmen fallen sowie die Inanspruchnahme externer Fachkenntnisse (einschl. Zugriff auf externe Datenbanken), Ausbildungsmaßnahmen in Verbindung mit den durch das Programm erfaßten Forschungsarbeiten sowie Studien zur Beurteilung der sozio-ökonomischen Konsequenzen und potentiellen technologischen Risiken.

Bemerkungen

Der Haushalt für dieses spezifische Programm ist im Nachgang zum Beitritt der drei neuen Mitgliedstaaten (Österreich, Schweden und Finnland) am 1. Januar 1995 von ECU 840 auf ECU 895 Mio. erhöht worden.

Fachgebiete

Kernfusion
Datensatznummer: 461 / Zuletzt geändert am: 1998-07-16