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  • Spezifisches Programm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration im Bereich der Landwirtschaft und Fischerei (einschließlich Agro-Industrie, Lebensmitteltechnologien, Forstwirtschaft, Aquakultur und Entwicklung des ländlichen Raums), 1994

Rahmenprogramm

FP4

Vorheriges Programm

FP3-AIR

Programmfinanzierung

EUR 739,5 million

Referenz zum Amtsblatt

L 334 von 1994-12-22

Rechtsrahmen

94/805/CE von 1994-11-23
Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Agro-Industrie und Primärproduktion durch die Entwicklung neuer, mit nachhaltigem Wachstum kompatibler Technologien und unter Berücksichtigung der Verbraucherbedürfnisse; Verbesserung der Qualität von landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und Fischprodukten im allgemeinen und Lebensmitteln im besonderen; Beitrag zur Umsetzung der Gemeinschaftspolitiken für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung, Fischerei, Umwelt und Binnenmarkt; Beitrag zu einer besseren Abstimmung von Produktion und Nutzung biologischer Primärmaterialien aufeinander.

Kurzbeschreibung

Dieses spezifische Programm, Bestandteil des ersten Aktionsbereichs des Vierten Rahmenprogramms unter dem Thema "Biowissenschaften und -technologien", baut auf die im Rahmen der ersten Phase des AIR Programms durchgeführte Arbeit auf und führt diese weiter. Das Programm erfaßt alle Aspekte von Landwirtschaft und Fischerei, einschließlich Verarbeitungsindustrien, Lebensmitteltechnologien, Forstwirtschaft, Aquakultur und ländliche Entwicklung.

Schwerpunkt der Forschungsanstrengungen wird die Bereitstellung der FTE-Basis für die wirtschaftliche, effiziente und nachhaltige Entwicklung der vier von diesem Programm umfassten Wirtschaftssektoren sein. Diese betreffen den Primärsektor (Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft und Fischerei), den Vorleistungssektor (z.B. Saatgut, Nachzucht für die Aquakultur, Fischereitechnologie und Vorleistungen für die Fischerei, Maschinen, Chemikalien, Düngemittel, Futter usw.) und den Verarbeitungssektor (z.B. Holz, Papier, Arzneimittel, Lebensmittel, die Stärkeindustrie, Bioenergie, Biokunststoffe usw.) sowie andere Aktivitäten im ländlichen Raum und in Küstenregionen.

Forschung, die der wachsenden Nachfrage nach einem breiteren Angebot an gesunden und nahrhaften Lebensmitteln sowie nach neuen umweltverträglichen Nichtnahrungsprodukten entspricht, wird durch Zusammenführen der Fähigkeiten vieler Bereiche besonders hervorgehoben.

Die Programmziele werden durch konzentrierte Maßnahmen (z.B. FTE-Projekte) und auch durch nationale Anstrengungen unterstützende thematische und Konzertierungsnetze erzielt.

Die Entwicklungen, die sich aus den Aktivitäten im Rahmen dieses Programms ergeben, werden zur Entwicklung der Gemeinschaftspolitiken, vor allem der Gemeinsamen Agrarpolitik, der Gemeinsamen Fischereipolitik, des Binnenmarkts und von Maßnahmen im Bereich der Entwicklung des ländlichen Raums, der Umwelt und der Energie beitragen und diese unterstützen.

In vielen Bereichen des Programms ergänzen die Forschungstätigkeiten verwandte Tätigkeiten in den anderen spezifischen Programmen, insbesondere denen auf dem Gebiet der Biotechnologie, der Meereswissenschaft und -technologie, der industriellen Werkstoffe, der Umwelt, der sozioökonomischen Schwerpunktforschung und der Energie.

Bei Biomasse-Bioenergie wird eine integrierte Betrachtungsweise angewendet werden, die die gesamte Bioenergiekette, einschließlich die Produktion und kombinierte Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe, Umwandlung und Nutzung dieser Stoffe für Energiezwecke abdeckt.

Der Zusammenschluß von Technologieerzeugern und -anwendern sowie Erzeugern und Nutzern landwirtschaftlicher Rohstoffe in interdisziplinären Vorhaben wird gefördert werden, um einen effizienten Tranfer neuen technologischen Wissens zum Nutzen von Herstellungsunternehmen, Nutzerdiensten und verwandten öffentlichen Körperschaften zu gewährleisten.

Demonstrationstätigkeiten werden direkt im Anschluß an experimentelle Forschung und kleinmaßstäbliche technologische Entwicklung stattfinden mit dem Ziel, die technische und wirtschaftliche Lebensfähigkeit von Produktionssystemen, neuen Produktionsmethoden und von Technologien oder Produkten zu beweisen. Diese vorwettbewerblichen Vorhaben werden sich besonders auf die Anwendung neuer Technologien konzentrieren und sowohl Erzeuger als auch Verwender beteiligen.

Pränormative Forschung wird initiiert und unterstützt werden, um eine stabile wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung von Normen und Bestimmungen im Bereich der Produktion und Nutzung biologischer Produkte zu gewinnen.

Im Hinblick auf besseren Dialog und ein besseres Verständnis zwischen den wichtigsten nationalen und soziopolitischen bioethischen Haltungen, und unter Anerkennung der kulturellen Unterschiede in den Mitgliedstaaten, werden auch die ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte der in diesem Programm erfaßten Sektoren erforscht werden.

Unterteilung

Sechs Bereiche:

- Integrierte Produktions- und Verarbeitungsketten:
Integrierte Nahrungs- und Nichtnahrungsprojekte, die alle für die einzelnen Schnittstellen in der Produktionskette erforderlichen Fähigkeiten und Technologien, insbesondere Biotechnologien, zusammenfassen. Verstärkt sollen Hersteller und Verbraucher biologischer Rohstoffe in gemeinsamen Projekten eng mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Fünf Aktionslinien:
. Industrielle Verwendungen für Getreide;
. Industrielle Verwendungen für Ölpflanzen;
. Industrielle Verwendungen für Hülsenfrüchte;
. Forst-Holzketten;
. Biomasse zur energetischen Nutzung und für Nichtnahrungsprodukte;

- Maßstabsvergrößerung (Scaling-Up) und Verarbeitungsverfahren:
Entwicklung verbesserter Methoden zur Gestaltung und Prüfung innovativer agroindustrieller Prozesse und der Anwendung der Biotechnologie, bei gleichzeitiger Verringerung der derzeit mit Investitionen in neue Technologien verbundenen wirtschaftlichen Risiken;

- Generische Wissenschaften und fortgeschrittene Technologien für Lebensmittel:
Entwicklung generischer Technologien durch die Anwendung von Biotechnologie zum Erzeugen kommerzieller Pflanzen mit größerer Leistung und verbesserten erganoleptischen und Nährwerteigenschaften. Weitere Forschungsarbeit wird sich auf generische wissenschaftliche Phänomene konzentrieren, die an der Umwandlung biologischer Rohstoffe in Lebensmittel beteiligt sind, und auf multidisziplinare Forschungsarbeiten im Bereich der Ernährungskrankheiten und -störungen;

- Landwirtschaft, Forstwirtschaft und ländliche Entwicklung:
Optimierung von Methoden, Systemen und Primärproduktionsketten; Qualitätspolitik für landwirtschaftliche Erzeugnisse; Diversifizierung der Erzeugung und der Aktivitäten im Sektor Landwirtschaft sowie neue Arten der Bodennutzung, Tier- und Pflanzengesundheit und Tierschutz; multifunktionale Forstbewirtschaftung, d.h. Erzeugung, Erholung und Schutz; sowie wissenschaftliche Unterstützung für die ländliche Entwicklung;

- Fischerei und Aquakultur:
Auswirkungen von Umweltfaktoren auf marine Ressourcen; ökologische Auswirkungen der Fischerei und Aquakultur; Biologie der Arten für die Optimierung der Aquakultur; sozioökonomische Aspekte der Fischereiindustrie und verbesserte Methoden;

- Andere Aktivitäten, die hauptsächlich im Rahmen einer Konzertierung durchgeführt werden:
Förderung der Konzertierung von Aktionen in Bereichen, in denen bereits umfangreiche Programme der Mitgliedstaaten existieren, durch die Schaffung europäischer Konzertierungsnetze. Hierfür kämen beispielsweise die folgenden Bereiche in Frage:
. Primärerzeugung in Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur mit Schwerpunkt auf Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Qualität, Versorgungssicherheit und Wechselwirkungen mit der Umwelt;
. Erhalt, Entwicklung und Bewirtschaftung von natürlichen und naturnahen Landschaften sowie von Siedlungsräumen;
. Entwicklung des ländlichen Raums, einschließlich Gebirgs- und Küstenregionen, unter besonderer Beachtung von Ausbildungstätigkeiten und neuer Wirtschaftstätigkeit;
. Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung, einschließlich Sicherheits-, Gesundheits- und sozioökonomische Aspekte.

Ausführung

Die Kommission ist für die Durchführung des Programms zuständig. Sie wird dabei von einem Ausschuß unterstützt, der sich aus Vertretern der Mitgliedstaaten zusammensetzt und in dem der Vertreter der Kommission den Vorsitz führt. Die Kommission ist ferner für die Erstellung eines Arbeitsprogramms zuständig, in dem die wissenschaftlichen und technologischen Ziele der Aktion, die Stufen der Programmdurchführung und die entsprechenden Finanzregelungen im einzelnen festgelegt sind. Das Arbeitsprogramm kann die Beteiligung an bestimmten Tätigkeiten im EUREKA-Rahmen vorsehen.

Die Kommission veröffentlicht Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen für FTE-Vorhaben auf der Grundlage des Arbeitsprogramms. Schematische Vorschläge können jederzeit eingereicht werden (eine kontinuierlich offene Aufforderung zur Unterbreitung von Vorschlägen), und die ausgewählten Vorschläge erhalten eine Sondierungsprämie für die Partnersuche und zur Vorbereitung eines detaillierten Vorschlags. Dieser Vorschlag wird dann bewertet mit dem Ziel, die Finanzierung des Forschungsvorhabens selbst zu bestimmen.

Die Beteiligung an dem Programm steht allen juristischen Personen offen, die regelmäßig FTE-Aktivitäten in der Gemeinschaft oder in Ländern, mit denen die Gemeinschaft spezifische Abkommen abgeschlossen hat, durchführen. Zu diesem Zweck ist die Kommission ermächtigt, bilaterale Abkommen mit europäischen Drittländern auszuhandeln, die nicht von der EUA erfaßt sind, hinsichtlich ihrer Beteiligung am ganzen Programm oder an einem Teil des Programms.

Die Gemeinsame Forschungsstelle (GFS) kann sich an den indirekten Aktionen dieses Programms beteiligen. Sie trägt ferner mit ihrem eigenen Programm zur Verwirklichung der Ziele der gemeinschaftlichen FTE in den unter das vorliegende Programm fallenden Bereichen bei.

Das Programm wird vor allem durch Aktivitäten auf Kostenteilungsbasis, konzertierte Aktionen, spezifische Maßnahmen und verschiedene Vorbereitungs-, Begleit- und Unterstützungsmaßnahmen durchgeführt.

Die Gemeinschaftsfinanzierung für FTE-Vorhaben auf Kostenteilungsbasis und Finanzen hinsichtlich der für die Verwirklichung der koordinierten Aktion erforderlichen Infrastruktur und Anlagen beträgt in der Regel höchstens 50 % der Gesamtkosten. Andere Aktivitäten auf Kostenteilungsbasis (z.B. Netze, Ausbildung, Prämien für die Durchführung der Sondierungsphase und Begleitmaßnahmen) können in Höhe von bis zu 100 % entweder der zusätzlichen Kosten oder der Gesamtkosten der Aktion finanziell unterstützt werden.

Konzertierte Aktionen, die in der Koordinierung von bereits von staatlichen oder privaten Stellen finanzierten FTE-Vorhaben bestehen, vor allem durch "Konzertierungsnetze", können für einen Finanzierungsbeitrag bis zu 100 % der Konzertierungskosten in Frage kommen. Spezifische Maßnahmen, wie die Normung fördernde Maßnahmen, und die zur Erstellung allgemeiner Dienstleistungseinrichtungen für Forschungsorganisationen bestimmte Maßnahmen können ebenfalls für eine Förderung bis zu 100 % der Gesamtkosten in Betracht gezogen werden.

Maßnahmen zur technologischen Stimulation, die sich auf die Erfahrung der CRAFT-Aktionen und der Durchführbarkeitsstudien stützen, werden in Angriff genommen, um die Teilnahme der KMU an den Programmaktivitäten zu ermutigen und zu erleichtern.

Der Programmhaushalt ist wie folgt auf die sechs Bereiche verteilt: Integrierte Produktions- und Verarbeitungsketten 91 Millionen ECU; Maßstabsvergrößerung (Scaling-Up) und Verarbeitungsverfahren 42 Millionen ECU; Generische Wissenschaften und fortgeschrittene Technologien für Lebensmittel 97 Millionen ECU; Landwirtschaft, Forstwirtschaft und ländliche Entwicklung 225 Millionen ECU; Fischerei und Aquakultur 103 Millionen ECU; Andere Aktivitäten, die hauptsächlich im Rahmen einer Konzertierung durchgeführt werden, 49 Millionen ECU (davon 2 % für Fischerei, 3 % für Landwirtschaft und 3 % für agroindustrielle Forschung).

Diese Zahlen beinhalten Mittel entsprechend 7,3 % für Personal- und Verwaltungskosten. Für die Verbreitung und Optimierung der Ergebnisse ist ein Betrag von 5,5 Millionen ECU vorgesehen. Etwa 6 % des Gesamthaushalts sind für horizontale Demonstrationsvorhaben bestimmt, 1 % für horizontale Tätigkeiten zu ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekten und 5 % für Ausbildungsmaßnahmen. Bis zu 10 % des Gesamthaushalts sind für spezifische Maßnahmen zugunsten von KMU reserviert.

Ein Betrag von 77 Millionen ECU, nämlich die Differenz zwischen der für dieses Programm veranschlagten Summe und dem im Vierten FTE-Rahmenprogramm für Landwirtschaft und Fischerei vorgesehenen Betrag, ist zum einen für von der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) durchzuführende direkte Aktionen und zum anderen für wissenschaftlich-technische Tätigkeiten vorgesehen.

Der dem Programm zugewiesene Haushalt kann gemäß der Entscheidung zur Einrichtung des Vierten Rahmenprogramms vor Ende Juni 1996 erhöht werden.

Die Kommission überwacht kontinuierlich die Durchführung des Programms, um zu überprüfen, ob die Ziele, Prioritäten und Finanzmittel der jeweiligen Lage noch entsprechen. Aufgrund der Ergebnisse dieser Überwachung unterbreitet sie gegebenenfalls Vorschläge zur Anpassung oder Ergänzung des Programms.

Darüber hinaus werden von unabhängigen Experten regelmäßige Bewertungen der unter das spezifische Programm fallenden Tätigkeiten durchgeführt. Nach Ablauf des Programms führen diese eine Endbewertung der erzielten Ergebnisse verglichen mit den anfänglich festgelegten Zielen durch. Ein Bericht dieser Endbewertung wird dem Rat, dem Europäischen Parlament und dem Wirtschafts- und Sozialausschuß vorgelegt werden.

Bemerkungen

Der Haushalt für dieses spezifische Programm wurde durch die Entscheidung des Rates 616/96/EG (neue Mitgliedstaaten) von 684 Millionen ECU auf 728 Millionen ECU erhöht. Am 1/12/1997 wurde er durch die Entscheidung 2535/97/EG weiter auf 739,
Datensatznummer: 467 / Zuletzt geändert am: 2012-04-30