Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Programmfinanzierung

EUR 1 000 million

Referenz zum Amtsblatt

C 180 von 1994-07-01
Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Industrie- und Dienstleistungssektor, insbesondere in Regionen mit Entwicklungsrückstand, um ihre Anpassung an den Binnenmarkt und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.

Kurzbeschreibung

Gemäß der Empfehlungen des Weißbuchs der Kommission über Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit wurde die KMU-Initiative errichtet, um kleine und mittlere Unternehmen bei der Anpassung an den Binnenmarkt und der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen.

Im Sinne dieser Initiative wird als "KMU" ein Unternehmen definiert, das maximal 250 Angestellte beschäftigt und entweder einen Jahresumsatz von maximal 20 Mio. ECU erzielt oder eine Bilanzsumme von maximal 10 Mio. ECU erreicht und sich zu höchstens 25% im Besitz eines oder mehrerer Unternehmen befindet, die die obengenannten Kriterien nicht erfüllen. Für öffentliche Beteiligungsgesellschaften, Risikokapitalgesellschaften oder institutionelle Anleger (vorausgesetzt, daß im letztgenannten Fall keine Kontrolle ausgeübt wird) gelten jedoch Ausnahmeregelungen.

Die Maßnahmen dieser Initiative stützen sich auf sieben prioritäre Bereiche:

- Verbesserung der Produktionssysteme und der Organisation von KMU insbesondere durch immaterielle Investitionen;
- Berücksichtigung von Umweltbelangen und rationelle Energienutzung;
- Förderung der Zusammenarbeit zwischen Forschungszentren und KMU;
- Erleichterung des Zugangs zu neuen Märkten, einschließlich öffentlicher Aufträge innerhalb des Binnenmarktes, und den Märkten in Drittländern;
- Förderung der Zusammenarbeit und Schaffung von Netzen zwischen Erbringern von Dienstleistungen für KMU, zwischen Hauptunternehmen und KMU-Unterauftragnehmern sowie zwischen Herstellern, Zulieferern und Kunden;
- Verbesserung der Berufsqualifikation in KMU im Zusammenhang mit den anderen prioritären Bereichen;
- Verbesserung des Zugangs für KMU zu Finanzmitteln und Krediten.

Die Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und technologischen Entwicklung zwischen KMU sowie zwischen KMU und Forschungszentren, Technologietransferzentren, Universitäten und Ausbildungsstätten soll durch die Errichtung von Arbeitsgemeinschaften und anderen Einrichtungen, die die Kooperation zwischen Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen und KMU fördern, fortgesetzt werden. Ferner werden Hilfsprogramme für KMU eingerichtet, mit deren Hilfe die Kosten für die Teilnahme an gemeinsamen Forschungsprojekten, die von mehreren oder von einem KMU und einem Forschungszentrum, einer Universität oder einer anderen geeigneten Institution durchgeführt werden, gedeckt werden sollen. Das Hilfsprogramm bezieht sich auf:

- Unterstützung beim Erwerb von Ausrüstung und Know-how für angewandte Forschung, Experimentalentwicklung, Pilotprojekte, Einführung innovativer Produkte und Verfahren sowie für Forschungsarbeiten im Bereich der Qualitätskontrolle;
- genehmigte und von KMU durchgeführte Forschungsprojekte;
- Sachverständigengutachten zur technischen und finanziellen Bewertung von Forschungs- oder Innovationsplänen.

Unterteilung

Förderfähige Maßnahmen:

- Maßnahmen zur Verbesserung des unternehmerischen Know-how von KMU:
. Zuschüsse, die KMU helfen sollen, die Folgen von Veränderungen in ihrem wirtschaftlichen Umfeld zu ermitteln und Strategiepläne zu erarbeiten und durchzuführen;
. Zuschüsse für KMU für die Durchführung ihres Strategieplans, einschließlich Herstellung neuer Produkte. Dies ist beschränkt auf die Finanzierung immaterieller Investitionen (z.B. Patente, Qualitätserzeugnisse, Forschung und Entwicklung, Software) und die vorübergehende Einstellung von Sachverständigen;
. Demonstrationsmaßnahmen in Verbindung mit der Einführung von Systemen für Gesamtqualität, der Entwicklung umweltfreundlicher Technologien und Produktionsverfahren, der Nutzung von fortschrittlichen Telekommunikationsdiensten und der Informatisierung der Produktionsverfahren in Unternehmen, wie z.B. die Einführung von Robotern und CAD-CAM-Systemen;
. Zuschüsse für die Förderung der regionalen, interregionalen und transnationalen Zusammenarbeit zwischen KMU, um unter anderem gemeinsame Dienstleistungen einzuführen (z.B. Forschung, Design, Marketing und Datentelekommunikationsnetze) und gegebenenfalls "Cluster" miteinander verknüpfter Aktivitäten zu schaffen und zu verstärken. Hierzu gehört auch die Unterstützung vertraglicher Beziehungen im Rahmen von Kooperationsabkommen;
. Förderung der Kooperation zu FTE-Zwecken zwischen KMU und zwischen KMU und Forschungszentren, Technologietransferzentren, Universitäten und Ausbildungsstätten;
. Zuschüsse für einen effizienteren Einsatz fortgeschrittener Telekommunikationsdienste durch KMU, insbesondere zur Kommunikation zwischen Zulieferern, Herstellern und Kunden;
. Zuschüsse für KMU für Programme der laufenden Bildung innerhalb des Unternehmens;
. Zinsverbilligungen für EIB-Darlehen, einschließlich EIF-Fazilitäten, oder Darlehen anderer Finanzinstitute; Zuschüsse für KMU zur Durchführung ihres Strategieplans; Entwicklung von Fonds für Kapitalbeteiligung und anderer innovativer Finanzinstrumente wie z.B. Fonds für Darlehensgarantien im Hinblick auf einen besseren Zugang zu Risikokapital;

- Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für KMU:
. Förderung der Zusammenarbeit zwischen KMU, der Forschung und öffentlichen Verwaltungen, um den Technologiebedarf zu ermitteln und das örtliche Potential zu prüfen; hierzu gehören die Errichtung und Stimulierung regionaler Netze für den Austausch von Erfahrungen und bewärten Praktiken und für die Verbreitung von Ergebnissen aus Forschung und Entwicklung;
. Förderung der Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Erbringern von Dienstleistungen für KMU, zwischen Hauptunternehmen und KMU-Unterauftragnehmern und zwischen Herstellern, Zulieferern und Kunden;
. Entwicklung von Einrichtungen, die Dienstleistungen für KMU erbringen, insbesondere Metrologie- und Kalibrierungslabors, Testlabors, Forschungszentren und Zentren für den Technologietransfer, spezialisierte Einrichtungen für Prüfungen und Beratung in den Bereichen Umwelt, Energienutzung usw.;
. Entwicklung und Vernetzung von Einrichtungen zur Erbringung von Dienstleistungen im Bereich des öffentlichen Auftragswesens, die den regionalen KMU spezielle, auf ihre Bedürfnisse und Kapazitäten zugeschnittene Informationen zur Verfügung stellen, um ihnen den Zugang zu öffentlichen Aufträgen in der Region, dem Mitgliedstaat oder in anderen Ländern zu erleichtern.

Ausführung

Die Maßnahmen der KMU-Initiative werden gemeinsam von der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten finanziert. Mitgliedstaaten, die die Initiative nutzen möchten, werden gebeten, bis zum 1. November 1994 einen Vorschlag für die Unterstützung in Form von operationellen Programmen oder Globalzuschüssen bei der Kommission einzureichen. Entsprechend den Vorschriften der Strukturfonds müssen diese Vorschläge eine allgemeine Beurteilung der Situation unter Angabe der zu erreichenden Ziele beinhalten und einen Zeitplan sowie Kriterien und Verfahren für die Durchführung, Überwachung und Bewertung der Maßnahmen enthalten. Während der Vorbereitungsphase gewährt die Kommission den Mitgliedstaaten technische Unterstützung zur Bestimmung prioritärer Maßnahmen und zur Festlegung der Durchführungsmechanismen.

Der finanzielle Beitrag der Gemeinschaft zu ausgewählten Vorschlägen erfolgt in Form von Darlehen und Zuschüssen aus den Strukturfonds. Der Gesamtbeitrag der Strukturfonds für die Zeit von 1994-99 wird mit 1000 Millionen ECU veranschlagt, wovon 800 Millionen ECU für Ziel-1-Regionen bestimmt sind. Die verbleibenden 200 Millionen ECU sind in Ziel-2- oder 5(b)-Regionen einzusetzen. Dadurch wird jedoch nicht ausgeschlossen, daß sich auch KMU außerhalb dieser Gebiete an den im Rahmen dieser Initiative vorgesehenen Maßnahmen zur Vernetzung beteiligen können.

Die finanzielle Unterstützung der Gemeinschaft geht entweder an die Verwaltung der Zentralregierung oder in Form von Globalzuschüssen direkt an die für die Durchführung verantwortlichen dezentralisierten Organisationen, einschließlich der Organisationen, die für die Durchführung von transnationalen Aktionen verantwortlich sind, bei denen sich die Ausgaben auf mehrere Mitgliedstaaten verteilen.

Die Zusammenarbeit zwischen Nutznießern wird sowohl innerhalb als auch zwischen Mitgliedstaaten gefördert, um den Erfahrungsaustausch, die Verbreitung bewährter Praktiken, gemeinsame Aktivitäten und vergleichende Bewertungen anzuregen. Dies ist von den Mitgliedstaaten bei der Vorbereitung und der nachfolgenden Durchführung des Programms zu berücksichtigen.

Die Höhe der finanziellen Unterstützung seitens der Gemeinschaft für operationelle Programme oder Globalzuschüsse richtet sich nach der relativen wirtschaftlichen Bedeutung der KMU in den betroffenen Regionen und nach der Qualität der Vorschläge. Bei der Beurteilung der Qualität eines Vorschlags wird die Kommission insbesondere die folgenden Aspekte berücksichtigen:

- die strategischen Pläne des Unternehmens, die eine der Voraussetzungen für die Gewährung eines Teils der Unterstützung für KMU sind;

- die Analyse der vorhandenen Dienstleistungen für Unternehmen, gemessen am derzeitigen und voraussichtlichen künftigen Bedarf sowie Vorschläge zur Vernetzung mit Diensten, die an anderen Orten der Gemeinschaft verfügbar sind;

- die Errichtung geeigneter Strukturen zur Förderung des Dialogs zwischen Sozialpartnern, des Erfahrungaustausches, des Transfers von Know-how und der lokalen, interregionalen und transnationalen Zusammenarbeit;

- Einbeziehung von Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung von Frauen in KMU und Berücksichtigung ihres besonderen Fortbildungsbedarfs.

Bemerkungen

Die KMU-Initiative wurde aufgrund einer Entscheidung der Europäischen Kommission auf einer Sitzung am 15. Juni 1994 gemäß den Bestimmungen der Strukturfonds eingerichtet.
Datensatznummer: 487 / Zuletzt geändert am: 1996-05-06