Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Vorheriges Programm

HS-TOXIC C

Programmfinanzierung

EUR 27 million

Referenz zum Amtsblatt

L 19 von 1997-01-22

Rechtsrahmen

102/97/EC von 1996-12-16
Zur Bekämpfung der Drogenabhängigkeit und zwar insbesondere durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten durch Unterstützung der einzelstaatlichen Maßnahmen sowie durch Förderung der Koordinierung der nationalen Strategien und Programme zur Verhütung der Abhängigkeit von Betäubungsmitteln und psychotropen Stoffen sowie Verhütung der kombinierten Verwendung sonstiger Erzeugnisse als Rauschmittel.

Kurzbeschreibung

Das fünfjährige Aktionsprogramm im Bereich der Suchtprävention wird im Kontext von Artikel 129 des Vertrags über die Europäische Union vorgeschlagen, durch den die Gemeinschaft eine Funktion im Bereich der öffentlichen Gesundheit erhält. Es stützt sich ferner auf den nachfolgenden Aktionsplan der Kommission im Bereich der öffentlichen Gesundheit (KOM(93) 559) und die Mitteilung der Kommission über einen Aktionsplan der Europäischen Union zur Bekämpfung der Drogenabhängigkeit, die dem Rat und dem Europäischen Parlament im Juni 1994 vorgelegt wurde (KOM(94) 234).

Da die Mitgliedstaaten letztendlich für die Durchführung ihrer eigenen Drogenbekämpfungsprogramme verantwortlich sind, zielen die Aktivitäten auf Gemeinschaftsebene auf die Koordination und Förderung der innergemeinschaftlichen Zusammenarbeit und auf Maßnahmen, die die Mitgliedstaaten zur Entwicklung ihrer eigenen Ressourcen zur Bekämpfung der Drogenabhängigkeit anregen sollen. Das Programm wird auch die Zusammenarbeit mit Drittländern und anderen relevanten internationalen Organisationen unterstreichen. In diesem Zusammenhang erleichtert das Aktionsprogramm die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten in den folgenden Bereichen:

- Ermittlung der besten verfügbaren Optionen für die Entwicklung verschiedener Therapien;
-Methoden für die Auswertung und den Vergleich therapeutischer Vorgehensweisen, Strukturen und Praktiken;
- Vergleiche in bezug auf Erhältlichkeit und Zugang zur Behandlung;
- Analyse der Regelungen, die eine Therapie für Drogensüchtige, insbesondere für HIV-Infizierte, Aids-Patienten, schwangere Drogensüchtige und durch Drogenabhängigkeit betroffene Neugeborene, fördern;
- Einbeziehung von Therapien und anderen alternativen Maßnahmen in die Gesetzgebung.

Das Aktionsprogramm wird eng mit anderen relevanten Gemeinschaftsprogrammen und -initiativen, insbesondere in den Bereichen Bildung, Ausbildung und öffentliche Gesundheit, zusammenarbeiten. Von besonderer Bedeutung ist auch die Erforschung sämtlicher Bereiche der Drogenabhängigkeit, wie in Artikel 129 des Vertrags über die Europäische Union allgemein beschrieben. In diesem Zusammenhang wird eine enge Zusammenarbeit mit den spezifischen Programmen des Vierten FTE-Rahmenprogramms (1994-1998) und vor allem mit dem spezifischen Programm für Biomedizin und Gesundheit und den Ergebnissen des neuen Programms für gezielte sozioökonomische Forschung (insbesondere mit Ergebnissen der "Forschung über soziale Integration und soziale Ausgrenzung in Europa") gefördert. Aktivitäten der Aktion 6 des COST-Programms werden ebenfalls berücksichtigt.

Unterteilung

Zwei Bereiche:

1. Daten, Forschung, Evaluierung:

Verbesserung der Kenntnisse über Drogen und Drogenabhängigkeit und ihre Folgen sowie über die Mittel und Methoden zur Suchtprävention und zur Verhütung suchtbedingter Risiken, insbesondere unter Verwendung der Informationen der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und der Möglichkeiten der bestehenden Gemeinschaftsprogramme und -instrumente. Die Aktionen umfassen:

- Mitwirkung bei der Ermittlung der für die Zwecke dieses Programms zu sammelnden, zu analysierenden und zu verbreitenden Daten, einschließlich der Daten betreffend die Polytoxikomanie;
- Nutzung der Daten, die für die Durchführung dieses Programms am zweckdienlichsten sind, insbesondere auf der Grundlage einer regelmäßigen Bekanntgabe der von der EBDD durchgeführten Arbeiten;
-Beitrag zur Entwicklung einer Forschungsstrategie in bezug auf die Suchtprävention, insbesondere zur Verbesserung der Kenntnisse über die im Gesundheitsbereich erzielte Wirkung der im Hinblick auf Drogenabhängige konzipierten Maßnahmen sowie über die Wirkungen von Drogen und über den Einsatz geeigneter Methoden zu Zwecken der Prävention;
- Unterstützung von Studien und Pilotprojekten über die mit der Drogenabhängigkeit verbundenen sozioökonomischen, soziokulturellen und soziopsychologischen Faktoren, auch in Zielgruppen;
- Unterstützung von Studien und Aktionen und Förderung des Erfahrungsaustausches über die Mittel und Methoden zur Verhütung der mit Drogensucht verbundenen Risiken (insbesondere im Hinblick auf den Schutz des Fötusses drogenabhängiger schwangerer Frauen, Verringerung von Risiken, Evaluierung gesundheitlicher Maßnahmen und Evaluierung von Programmen für drogenabhängige Häftlinge);
-Unterstützung und Förderung des Informations- und Erfahrungsaustauschs insbesondere unter Mitarbeitern der verschiedenen auf dem Gebiet der Suchtprävention tätigen Gruppen und unter den Personen, die einen langfristigen positiven Einfluß auf die Drogenabhängigen haben, über die Verhütung von Rückfällen in die Drogenabhängigkeit, einschließlich der Rehabilitation von Drogenabhängigen und der Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen und gesundheitlichen Aspekten, sowie über andere Aktionen, um die Kohärenz und Komplementarität mit anderen relevanten Gemeinschaftsprogrammen und -initiativen zu gewährleisten (z.B. Biomedizin und Gesundheit, Sokrates, Leonardo da Vinci und Jugend für Europa);

2. Information, Gesundheitserziehung und Ausbildung:

Verbesserung der Information, der Aufklärung und der Ausbildung im Hinblick auf die Suchtprävention und die Prävention der damit verbundenen Risiken, mit besonderer Ausrichtung auf Jugendliche in prägenden Umfeldern (wie z.B. Familie, Schule, Universität und Freizeit) und besonders gefährdete Gruppen, einschließlich ehemaliger Drogenabhängiger:

- Information und Gesundheitserziehung:
. Unterstützung der Aktionen zur Bewertung der Wirksamkeit der Kampagnen zur Information und Gesundheitserziehung und regelmäßige Erkundung der öffentlichen Meinung mittels Eurobarometer zwecks Beobachtung der Entwicklung der Einstellung der Europäer gegenüber Drogen;
. Organisation weiterer Europäischer Wochen der Suchtprävention auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen;
. Mitwirkung bei der Ermittlung, Erprobung und Entwicklung der besten Mittel und Methoden zur Information und Aufklärung von Zielgruppen (insbesondere Förderung des Einsatzes von Informationen, Hilfsprogrammen und Einrichtung eines telefonischen Betreuungsdienstes);
. Mitwirkung bei der Festlegung von Leitlinien für die Suchtprävention und Förderung der Auswahl und des Einsatzes von Lehrmethoden und Lehrmaterial, insbesondere im Rahmen des europäischen Netzes der gesundheitsfördernden Schulen, die insbesondere die Definition von hochspezialisierten sozialen Verhaltensprogrammen ermöglichen, um darauf hinzuwirken, daß die Jugendlichen eine Einstellung entwickeln, die ihnen hilft, Drogen zu meiden und nicht drogenabhängig zu werden; Unterstützung von integrierten Projekten sowie von Programmen und anderen Initiativen zur Suchtprävention an von Kindern und Jugendlichen besuchten Orten in intensivem Dialog mit ihnen und soweit möglich unter Einbeziehung der Eltern und der Betroffenen; Förderung des Rückgriffs auf das Fachwissen von Personen, die mit potentiellen Konsumentengruppen in Kontakt kommen können;
. Förderung des Erfahrungsaustausches über die Initiativen zur besseren Koordinierung zwischen allen an der Erziehung Beteiligten;
. Unterstützung von Initiativen zur Beratung der Lehrkräfte, der Familien und der Jugendbetreuer im Hinblick auf die frühzeitige Erkennung von Drogenkonsum und die daraufhin zu ergreifenden Maßnahmen;
. Unterstützung der Ausdehnung des Europäischen Netzes von "Teststädten" in Zusammenarbeit mit der EBDD und dem Europarat zwecks Förderung der technischen Zusammenarbeit in bezug auf die von diesen Städten zur Verminderung der Drogennachfrage eingesetzten Methoden und Mittel;
. Unterstützung des Erfahrungsaustauschs, besonders auf grenzüberschreitender regionaler Ebene, über lokale Präventionsinitiativen sowie Initiativen an der Basis und im Rahmen von Straßenarbeit zur Erreichung von Risikogruppen, die mit den klassischen Fürsorge- und Präventionsstrategien nicht immer erreicht werden. Unterstützung des Erfahrungsaustauschs über Präventionsmodelle und -praktiken unter Beteiligung von durch die Drogenproblematik besonders betroffenen Städten verschiedener Mitgliedstaaten;

- Ausbildung:
. Förderung von Initiativen zur Verbesserung des auf Suchtprävention ausgerichteten Teils der Berufsausbildungsprogramme für Lehrkräfte und Jugendbetreuer und Förderung des Austausches von Studenten, die Berufe im Sozial- und Gesundheitsbereich anstreben, einschließlich des Austausches im Rahmen anderer Gemeinschaftsprogramme:
. Unterstützung bei der Konzipierung von Programmen für eine ergänzende Ausbildung sowie von Lehrmaterial und -modulen für Personen, die möglicherweise mit Drogenkonsumenten und Risikogruppen in Berührung kommen, einschließlich insbesondere des im Gesundheits- und Sozialwesen tätigen Personals sowie der Polizei- und der Justizbeamten; Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor unter Einbeziehung nichtstaatlicher Organisationen im Hinblick auf die Suchtprävention.

Ausführung

Die Kommission ist für die Durchführung des Programms verantwortlich und wird dabei von einem beratenden Ausschuß unterstützt, der sich aus jeweils zwei Vertretern der Mitgliedstaaten zusammensetzt und in dem ein Vertreter der Kommission den Vorsitz führt. Die Kommission stellt sicher, daß die Aktionen des Programms in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und den im Bereich der Suchtprävention tätigen Institutionen und Organisationen durchgeführt werden.

Die Informationen der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) sind von der Kommission bei der Durchführung der von dem Programm vorgesehenen Aktionen zu berücksichtigen. Die EBDD wurde 1993 vom Rat geschaffen, um der Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten auf europäischer Ebene objektive, zuverlässige und vergleichbare Informationen über Drogen sowie Drogenabhängigkeit und deren Folgen zu liefern.

Das Programm bemüht sich um eine enge Zusammenarbeit mit Drittländern und mit internationalen Organisationen, die im Bereich der öffentlichen Gesundheit tätig sind. Das Programm steht den EFTA-Ländern und den mittel- und osteuropäischen Ländern nach Maßgabe der Bedingungen offen, die in den mit der Gemeinschaft geschlossenen Abkomen festgelegt sind.

Bei der Durchführung des Programms wird die Kommission mit der Pompidou-Gruppe des Europarats (die sich mit Fragen in bezug auf Gesundheit und Drogen befaßt) zusammenarbeiten und versuchen, den regelmäßigen Kontakt mit zwischenstaatlichen internationalen Organisationen wie z.B. der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und dem Programm der Vereinten Nationen zur internationalen Drogenkontrolle (UNDCP) zu stärken.

Der dem Programm zugeteilte Richthaushalt wird über den Fünfjahreszeitraum wie folgt verteilt: 3,5 Mio. ECU für 1995; 5,5 Mio. ECU für 1996; 6 Mio. ECU für 1997; 6,5 Mio. ECU für 1998; 7 Mio. ECU für 1999.

Die Zuschüsse der Gemeinschaft stehen im allgemeinen für die Kofinanzierung im öffentlichen und/oder privaten Sektor zur Verfügung und werden nur in seltenen Fällen 70% des Gesamtwerts des vorgeschlagenen Projekts überschreiten. Studien, Dienstleistungsverträge und in Auftrag gegebene Arbeiten, die von direktem Nutzen für die Kommission sind, können unter außergewöhnlichen Umständen auch zu 100% finanziert werden.

Die Kommission veröffentlicht regelmäßig Informationen über die im Rahmen des Programms durchgeführten Aktionen. Um Nutzen und Wirkung des Programms zu steigern, werden die Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und der Verwirklichung der Ziele sowohl auf nationaler als auch auf gemeinschaftlicher Ebene einer kontinuierlichen Bewertung unterzogen und gegebenenfalls entsprechend angepaßt.

Im Rahmen dieses Bewertungsverfahrens unterbreitet die Kommission einen Zwischenbericht über die durchgeführten Aktionen und nach Ablauf des Programms einen allgemeinen Bericht. Beide Berichte werden dem Europäischen Parlament, dem Rat, dem Wirtschafts- und Sozialausschuß und dem Ausschuß der Regionen vorgelegt.
Datensatznummer: 500 / Zuletzt geändert am: 2001-06-28