Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Vorheriges Programm

ENV-CORINE

Referenz zum Amtsblatt

L 120 von 1990-05-11

Rechtsrahmen

1210/90 von 1990-05-07
Schutz, Verarbeitung und Analyse von Umweltdaten auf europäischer Ebene mit dem Ziel, objektive, verläßliche und vergleichbare Informationen zur Verfügung zu stellen, die der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten ermöglichen, die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu ergreifen, die Ergebnisse dieser Maßnahmen zu beurteilen sowie zu gewährleisten, daß die Öffentlichkeit über den Zustand der Umwelt richtig informiert wird.

Kurzbeschreibung

Die Europäische Umweltagentur (EUA) wurde offiziell im Mai 1990 eingerichtet, nahm ihre Tätigkeit jedoch erst 1994 auf, nachdem die Entscheidung gefallen war, den Hauptsitz der Organisation nach Kopenhagen zu legen (Amtsblatt Nr. C 323 vom 30.11.1995).

Zweck der EUA und des von ihr koordinierten Europäischen Umweltinformations- und Umweltbeobachtungsnetzes ist, der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten objektive, verläßliche und vergleichbare Informationen zur Verfügung zu stellen, die ihnen ermöglichen, die für den Umweltschutz erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen sowie die Ergebnisse dieser Maßnahmen zu beurteilen. Zur Erreichung dieser Ziele leistet die EUA der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten auch wissenschaftliche und technische Unterstützung.

Die Haupttätigkeiten der Agentur erstrecken sich auf alle notwendigen Arbeitsgebiete, um die EUA in die Lage zu versetzen, den gegenwärtigen und voraussehbaren Zustand der Umwelt unter folgenden Gesichtspunkten darzustellen:

Qualität der Umwelt;
- Belastungen der Umwelt;
- Anfälligkeit der Umwelt.

Bei der Bereitstellung von Informationen, die direkt bei der Umsetzung von Umweltpolitik eingesetzt werden können, soll die EUA in den ersten Jahren das Schwergewicht auf folgende Bereiche legen:

- Luftqualität und atmosphärische Emissionen;
- Wasserqualität, Schadstoffe und Wasserressourcen;
- Zustand des Bodens, der Fauna und Flora sowie von Biotopen;
- Bodennutzung und natürliche Ressourcen;
- Abfallwirtschaft;
Lärmemissionen;
- Umweltgefährdende chemische Stoffe;
-Küstenschutz.

Besondere Aufmerksamkeit wird grenzüberschreitenden, mehrjährigen und globalen Phänomen gewidmet. Die sozio-ökonomische Dimension muß ebenfalls berücksichtigt werden. Das Datenbanksystem CORINE, das 1985 im Rahmen des CORINE-Programms eingerichtet wurde, wird in die Aktivitäten der EUA einbezogen. Zweck des CORINE-Programms war, Umweltdaten in der Europäischen Union zusammenzustellen, zu koordinieren sowie die Abstimmung der Daten zu gewährleisten.

Unterteilung

Zehn Aufgaben:

- Einrichtung und Koordinierung des Europäischen Umweltinformations- und Umweltbeobachtungsnetzes (in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten). Dabei ist die Agentur zuständig für die Erhebung, Verarbeitung und Analyse von Daten sowie für die Fortsetzung der im Rahmen des CORINE-Programms begonnenen Arbeiten;

- Bereitstellung von objektiven Informationen, die für die Formulierung und Implementierung solider und wirksamer Umweltpolitiken erforderlich sind, an die Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten sowie insbesondere Bereitstellung von Informationen an die Kommission, die von dieser benötigt werden, um ihre Aufgaben der Feststellung, Verarbeitung und Bewertung von umweltbezogenen Maßnahmen und Rechtsvorschriften erfolgreich wahrnehmen zu können;

- Erfassung, Zusammenstellung und Bewertung von Daten über den Zustand der Umwelt, Erstellung von Fachberichten über Qualität, Anfälligkeit und Belastung der Umwelt innerhalb des Territorialbereichs der Gemeinschaft sowie Bereitstellung einheitlicher Bewertungskriterien für Umweltdaten, die in allen Mitgliedsstaaten angewendet werden können. Die Kommission nutzt diese Informationen zur Erfüllung ihrer Aufgabe, die Umsetzung des gemeinschaftlichen Umweltrechtes zu gewährleisten;

- Sicherstellung, daß die Umweltdaten auf europäischer Ebene vergleichbar sind, sowie gegebenenfalls Förderung einer verbesserten Harmonisierung der Meßverfahren durch geeignete Mittel;

- Förderung der Einbeziehung europäischer Umweltinformationen in internationale Umweltbeobachtungsprogramme, wie sie etwa von der UNO und deren spezialisierten Stellen eingerichtet worden sind;

- Gewährleistung einer weiten Verbreitung verläßlicher Umweltinformationen. Darüber hinaus ist die Agentur alle drei Jahre zur Veröffentlichung eines Berichtes über den Zustand der Umwelt verpflichtet;

Stimulierung der Entwicklung und Anwendung von umweltbezogenen Vorhersagetechniken, so daß rechtzeitig geeignete Vorsorgemaßnahmen getroffen werden können;

Stimulierung der Entwicklung von Verfahren zur Berechnung der Kosten von Umweltschäden sowie der Kosten für Vorsorge-, Schutz- und Sanierungsmaßnahmen im Umweltbereich;

- Stimulierung des Informationsaustausches über die besten verfügbaren Technologien zur Verhinderung oder Reduzierung von Umweltschäden;

Zusammenarbeit mit anderen Gremien und Programmen der Gemeinschaft, namentlich der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS), dem Statistischen Amt und den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen der Gemeinschaft auf dem Gebiet der Umwelt, sowie mit relevanten internationalen Stellen.

Ausführung

Die Aktivitäten der Europäischen Umweltagentur stehen unter der Aufsicht eines Verwaltungsrates, der sich aus je einem Vertreter der einzelnen Mitgliedstaaten und zwei Vertretern der Kommission zusammensetzt. Darüber hinaus ernennt das Europäische Parlament zwei auf dem Gebiet des Umweltschutzes besonders qualifizierte Persönlichkeiten aus dem Wissenschaftsbereich zu Mitgliedern des Verwaltungsrates. Unter den Mitgliedern wird alle drei Jahre ein Vorsitzender gewählt. Entscheidungen des Verwaltungsrates werden mit Zweidrittelmehrheit gefällt, wobei jedes Mitglied eine Stimme hat.

An der Spitze der Agentur steht ein geschäftsführender Direktor, der auf Vorschlag der Kommission vom Verwaltungsrat für eine fünfjährige Amtszeit ernannt wird. Die Ernennung für eine weitere Amtsperiode ist möglich. Der Direktor ist verantwortlich für die alltägliche Verwaltung der Agentur, unter anderem Vorbereitung und Ausführung der von dem Verwaltungsrat beschlossenen Entscheidungen und Programme, Bearbeitung der mehrjährigen Arbeitsprogramme und der Jahresarbeitsprogramme der Agentur, Implementierung des Agenturhaushaltes sowie Erstellung von Jahresberichten.

Der Verwaltungsrat wie auch der geschäftsführende Direktor werden unterstützt von einem Wissenschaftskomitee, daß sich aus neun, von dem Verwaltungsrat ernannten Fachleuten aus dem Umweltbereich zusammensetzt. Die einzelnen Mitglieder des Wissenschaftskomitees werden jeweils für ein Zeitraum von vier Jahren bestellt; die Ernennung kann einmal um weitere vier Jahre verlängert werden

Der Verwaltungsrat ist zuständig für die Verabschiedung mehrjähriger Arbeitsprogramme auf der Grundlage der EUA-Schwerpunktbereiche. Mehrjährige Arbeitsprogramme basieren auf einem vom geschäftsführenden Direktor vorgelegten Entwurf, in den die Stellungnahmen des Wissenschaftskomitees und der Kommission eingearbeitet sind. Im Rahmen des mehrjährigen Arbeitsprogramms beschließt der Verwaltungsrat das Jahresarbeitsprogramm der Agentur, das im Laufe des Jahres modifiziert werden kann.

Die Europäische Umweltagentur koordiniert ein Europäisches Umweltinformations- und Umweltbeobachtungsnetz unter Einbeziehung der wichtigsten Bestandteile der Nationalen Informationsnetze, der Nationalen Vermittlungsstellen und Themenzentren. Themenzentren bestehen aus von den Mitgliedstaaten bezeichneten Institutionen oder sonstigen Organisationen, die speziell mit der Aufgabe betraut werden können, in bestimmten Fragen von besonderem Interesse mit der Agentur zusammenzuarbeiten. Der Verwaltungsrat ist zuständig für die Benennung von Themenzentren für einem Zeitraum, der die Dauer der einzelnen mehrjährigen Arbeitsprogramme nicht überschreiten darf. In dem Arbeitsprogramm werden bestimmte Aufgaben aufgezeigt, die den ausgewählten Themenzentren im einzelnen zugewiesen werden.

Die EUA ist verpflichtet, die Bestandteile des Netzes periodisch zu untersuchen und etwaige von dem Verwaltungsrat beschlossene Änderungen zu implementieren, wobei Neuvorschläge der Mitgliedstaaten zu berücksichtigen sind.

Bei der Ausübung ihrer Tätigkeit ist die EUA verpflichtet, sich aktiv um die Kooperation anderer Gremien und Programme der Gemeinschaft zu bemühen, namentlich der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS), des Statistischen Amtes sowie der Forschungs- und Entwicklungsprogramme der Gemeinschaft auf dem Gebiet der Umwelt (insbesondere der spezifischen FTE-Programme auf dem Gebiet der Umwelt und des Klimas gemäß dem Vierten Rahmenprogramm).

Die Zusammenarbeit mit der GFS erstreckt sich auf folgende Aufgaben:

- Harmonisierung der Umweltmeßverfahren;
- Interkalibrierung von Geräten;
- Normung von Datenformaten;
- Entwicklung neuer umweltbezogener Meßverfahren und -instrumente;
- Sonstige Aufgaben, die jeweils zwischen dem geschäftsführenden Direktor der Agentur und dem Generaldirektor der GFS vereinbart werden.

Die Koordinierung mit EUROSTAT und dem Statistischen Programm der Europäischen Gemeinschaft erfolgt auf der Grundlage der nachstehenden Leitlinien:

- Das von EUROSTAT und den nationalen Statistikdiensten in den Mitgliedstaaten eingerichtete statistische Informationssystem ist umfassend einzusetzen;
- Das statistische Programm auf dem Gebiet der Umwelt wird zwischen dem geschäftsführenden Direktor der Agentur sowie dem Generaldirektor von EUROSTAT vereinbart und dem Verwaltungsrat der Agentur sowie dem Ausschuß Statistikprogramm zur Genehmigung vorgelegt;
- Das statistische Programm ist zu konzipieren und implementieren innerhalb des Rahmenwerks, das von den internationalen statistischen Gremien, wie etwa der UN-Statistikkommission, der Konferenz Europäischer Statistiker und der OECD, festgelegt worden ist.

Der Rat ist verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren nach Eröffnung der EUA über weitere Aufgaben der Agentur zu beschließen, darunter insbesondere in den folgenden Bereichen:

- Beteiligung an der Überwachung der Umsetzung des Umweltrechtes der Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Kommission und bestehenden zuständigen Stellen in den Mitgliedstaaten;
- Erarbeitung von Umweltgütezeichen und von Kriterien für die Verleihung solcher Gütezeichen für umweltfreundliche Produkte, Technologien, Waren, Dienstleistungen und Programme, die keine natürlichen Ressourcen verschwenden;
- Förderung umweltfreundlicher Technologien und Verfahren sowie deren Verwendung und Transfer innerhalb der Gemeinschaft und in Drittländer;
- Festlegung von Kriterien zur Beurteilung von Auswirkungen auf die Umwelt im Hinblick auf die Anwendung und mögliche Revision der Richtlinie 85/337/EWG (Richtlinie des Rates vom 27. Juni 1985 über die Beurteilung der Auswirkungen bestimmter öffentlicher und privater Vorhaben auf die Umwelt).

Die Agentur steht Ländern offen, die keine Mitglieder der Europäischen Union sind, die aber das Anliegen der Union und ihrer Mitgliedstaaten hinsichtlich der Zielsetzung der Agentur teilen. Die Beteiligung von Drittländern an den Aktivitäten der Agentur erfolgt nach Maßgabe von Vereinbarungen, die zwischen diesen Ländern und der Gemeinschaft unter Berücksichtigung des in dem Gründungsvertrag festgelegten Verfahrens abgeschlossen werden.

Die Umweltdaten, die an die Agentur geliefert oder von ihr herausgegeben werden, dürfen veröffentlicht und sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, allerdings vorbehaltlich der Einhaltung der von der Kommission und den Mitgliedstaaten festgelegten Regeln bezüglich der Verbreitung von Informationen, insbesondere im Hinblick auf deren Vertraulichkeit.

Fachgebiete

Umweltschutz - Meßverfahren
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