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Programmfinanzierung

EUR 105 million
Förderung des Austauschs von Technologie, Know-how und Finanzierung zum gemeinsamen Vorteil und Aufbau von geschäftlichen Partnerschaften zwischen europäischen und lateinamerikanischen Unternehmen.

Kurzbeschreibung

Die Einrichtung von AL-INVEST erfolgte auf eine Initiative der Europäischen Kommission zur Ermutigung der Entwicklung von Zusammenarbeit und Partnerschaften von Unternehmen und Institutionen in der Europäischen Union mit entsprechenden Organisationen in 18 lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, El-Salvador, Uruguay und Venezuela). Das Programm richtet sich hauptsächlich an KMU, und seine Einrichtung erfolgte als Teil des weiterführenden Dialogs zur Verstärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Regionen und zur Konsolidierung der neuen wirtschaftlichen und politischen Richtung, die von den verschiedenen Regierungen der Region eingeschlagen worden ist.

Das Programm bietet europäischen Unternehmen die Gelegenheit zum Austausch von Know-how, zum Aufbau einer internationalen Dimension, und in Verbindung hiermit die Möglichkeit zum Einstieg in neue Märkte mit vielversprechendem Potential. Für lateinamerikanische Unternehmen bietet die Teilnahme an diesem Programm umfangreiche Vorteile, einschließlich der Konsolidierung der gegenwärtigen Expansion, Zugang zu europäischem technologischen Know-how und Zugang zu Geschäftspartnern mit direkten Einsatzerfahrungen. Dazu eröffnet die Teilnahme an diesem Programm lateinamerikanischen Unternehmen Wege für den Zugang zum europäischen Binnenmarkt.

AL-INVEST konzentriert sich auf vier Hauptziele:

- Organisation und Verbreitung von Instrumenten für industrielle Zusammenarbeit und die Förderung von Investitionen in ganz Lateinamerika durch Entwicklung des Eurocentros de Cooperación Empresal-ECE-Netzes (siehe Abschnitt "Durchführung" in dieser Übersicht);
- Verbindung lateinamerikanischer und europäischer Geschäftsnetze;
- Verbesserung (über die ECE) der Glaubwürdigkeit der industriellen Zusammenarbeit bzw. Investitions-Förderungsprojekte lateinamerikanischer Unternehmen;
Persönlich orientierte Unterstützung für Unternehmen durch die ECE und COOPECO für die Laufzeit dieser Programme.

Es wird davon ausgegangen, daß die verschiedenen, vom Programm gesponsorten Maßnahmen für die Realisierung dieser Ziele sowohl als Katalysator als auch als Triebkraft für die Verstärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Lateinamerika wirken.

Unterteilung

Vier Arten von Initiativen:

- Zusammenführung von europäischen und lateinamerikanischen Unternehmen auf Eins-zu-Eins-Basis:
Kontakte zwischen Unternehmen jeder Regionen werden durch den BRE- und BC-NET-Geschäftsnetze angebahnt. Diese Netze unterstützen europäische Unternehmen, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit lateinamerikanischen Unternehmen (und umgekehrt) anstreben, bei der Auffindung geeigneter Partner;

- Entwicklung des Süd-Süd-Handels:
Zusammenführung von Unternehmen in Entwicklungsländern und Förderung von Vereinbarungen unter Unternehmen über Kooperation und gemeinsamen Handel (z.B. durch Technologietransfers). Dies gilt für lateinamerikanische Unternehmen, die Partner in anderen lateinamerikanischen Ländern oder anderen Entwicklungsländern außerhalb ihrer Region suchen. Die Abwicklung dieses Teils erfolgt durch TIPS (Technological Information Promotion System), bei dem es sich um ein weltweites Netz von spezialisierten Zentren mit ausgeprägter Präsenz in Lateinamerika handelt.

- Treffen von Unternehmensleitern des gleichen Geschäftsbereichs;
Auf der Basis der Erfahrungen mit dem gemeinschaftlichen INTERPRISE-Programm sollen direkte Gespräche auf Messen zwischen Unternehmensleitern aus einem gegebenen Geschäftsbereich angebahnt werden. Solche Treffen sind ein wertvolles Forum für den direkten Austausch über Kooperationsmöglichkeiten auf dem gewählten Sektor;

-Entwicklung von Nachauftragnehmergeschäften:
Organisation von industriellen Nachauftragnehmer-Partnerschaften im Rahmen wichtiger Fachmessen durch die Europäische Union und Lateinamerika. Diese Initiative wird durch spezialisierte Netze eingeleitet: ALASUB in Lateinamerika, in dem Nachauftragnehmerverbände von 13 verschiedenen Ländern zusammengefaßt sind; und RIOST in Europa, ein Netz von 34 repräsentativen Organisationen und 300 Institutionen mit Nachauftragnehmer-Abteilungen.

Ausführung

Die Kommission ist für die Durchführung von AL-INVEST insgesamt zuständig. Dabei wird sie von einem Sekretariat unterstützt, das von außerhalb der Kommission geleitet wird, sowie von einem Beratungsausschuß, der sich aus Dienststellen der Kommission, der gemeinsamen Eurokammern/Aico-Organisation und den Arbeitgeberverbänden zusammensetzt.

Für das Programm wurde ursprünglich eine Laufzeit von zwei Jahren (1004-1995) festgelegt. Der finanzielle Beitrag der Kommission belief sich auf 20 Mio. ECU. Am 21. September 1995 wurde ein Entschluß zur Verlängerung dieses Programms bis zum Jahr 2000 bei einem zusätzlichen Haushalt von 85 Mio. ECU gefaßt. Die Kommission leistet einen Beitrag von 41 Mio. ECU zu diesem Haushalt.

Das Programm steht Geschäftsunternehmen der europäischen Union und Lateinamerikas offen. Zugang erhalten diese über die institutionellen Netzakteure in den jeweiligen Regionen. Mit anderen Worten: Anträge auf Unterstützung durch das Programm sind das Ergebnisse von geschäftlichen Initiativen mit Vorschlägen von Unternehmen oder Personen und werden über die verschiedenen institutionellen Akteure gestellt. Die Durchführung des Programms erfolgt weitgehend dezentralisiert, und der Schwerpunkt liegt auf der Wechselwirkung zwischen den institutionellen Akteuren und den Netzen auf beiden Seiten.

Im Kontext dieses Programms haben die europäischen und lateinamerikanischen institutionellen Akteure folgende Aufgaben:

- Förderung von AL-INVEST durch Information von Unternehmen und durch Förderung der Bewußtseinsbildung über die Kooperationsmöglichkeiten dieses Programms;
- Vorschläge für Initiativen jeder Art im Rahmen des Programms durch Organisation von Informationstreffen über den Rahmen der Rechtsbestimmungen, Wege und Mittel zur Investition in jeder der Regionen und die Förderung von Investitionschancen;
Ermutigung der aktiven Teilnahme von Unternehmen an Kooperations- und Partnerschaftsprojekten;
- Identifikation der unternehmerischen Belange und der Regionen von Interesse mit Unterstützung bei der Partnersuche und der Herstellung von Kontakten zu entsprechenden Netzen in den anderen Regionen zur Vereinfachung solcher Partnersuchen. (In Europa handelt es sich bei den Hauptnetzen um BRE (Bureau de Rapprochement des Entreprises), BC-NET (Business Cooperation Network) und RIOST (Reseau International des Organismes de Sous-Traitance - Internationales Netz für Nachauftragnehmer-Organisationen). Im Rahmen des AL-INVEST-Programms erfolgte eine Erweiterung von BRE und BC-NET auf Lateinamerika, so daß KMU in den Regionen direkt unterstützt werden. Die anderen Netze auf der lateinamerikanischen Seite sind ALABSUB (ein Zusammenschluß von Nachauftragnehmerbüros der Regionen, und TIPS (Technologieinformation-Förderungssystem);
- Förderung von Partnerschaften über diese Netze aufgrund des hierfür vorbereiteten Veranstaltungsplans;
- Gewährleistung der persönlichen Weiterbetreuung von Unternehmen und Verfolgung von Initiativen.

Europäische Unternehmen, die sich an dem AL-INVEST-Programm beteiligen möchten, sollten zuerst eine Institution des COOPECO-Netzes ansprechen. Hierbei handelt es sich um den primären Brennpunkt hinsichtlich der europäischen Programmbeteiligung. COOPECO ist ein offenes Netz zur Verbindung von mehr als 180 europäischen Handelsinstitutionen (Handelskammern, Arbeitgeber- und Berufsverbände, spezialisierte Berater, Entwicklungsagenturen und andere Einrichtungen, die sich mit regionaler Entwicklung befassen, Banken usw.) die auf industrielle Zusammenarbeit und die Förderung von Investition zwischen Europa und Lateinamerika spezialisiert sind. COOPECO-Mitglieder gehören auch anderen europäischen Netzen an, z.B,. BRE, BC-NET, SPRINT und den Euro-Info-Zentren.

Für Teilnehmer in Lateinamerika an diesem Programm liegt der Knotenpunkt bei den Eurocentros de Cooperación Empresarial-ECEs (den Eurocentren für Unternehmenskooperation), die im wesentlichen das Gegenstück des COOPECO-Netzes darstellen. Wie COOPECO, sind die ECEs für die Förderung und die Organisation von Maßnahmen im Rahmen des Programms auf der lateinamerikanischen Seite zuständig. Dabei arbeiten sie mit den Netzen der Regionen zusammen (BRE, BC-NET, ALASUB und TIPS).

Die Kommission kofinanziert Projekte im Rahmen des Programms bis zu einer Höhe von 50% bei Initiativen, die sich auf einen einzigen Geschäftssektor konzentrieren. Vorschläge für Projekte müssen der Kommission wenigstens acht Monate vor dem Anlauftermin zur Auswertung und Genehmigung unterbreitet werden. Anträge auf Finanzierung im Rahmen des Programms auf europäischer Seite müssen unter Teilnahme von Institutionen aus mindestens drei Mitgliedstaaten der Europäischen Union gestellt werden. Um zu gewährleisten, daß die im Rahmen des Programms unterstützten Initiativen von Anfang bis Ende eingehend beobachtet werden, müssen sie unter Einhaltung der Leitlinien der Sponsor-Institutionen durchgeführt werden, die im Einvernehmen mit der Kommission festgelegt werden.

Wird berücksichtigt, daß unter AL-INVEST eingerichtete Partnerschaften zur Gründung von gemeinsamen bzw. Gemeinschaftsunternehmen führen können, kann eine Finanzierung solcher Einsätze auch über die ECIP-Initiative (Initiative der Investitionspartner der Europäischen Gemeinschaft) finanziert werden. Bei der 1988 eingerichteten ECIP-Initiative handelt es sich um ein Finanzinstrument zur Förderung von gemeinsamen bzw. Gemeinschaftsunternehmen in einer Reihe von Regionen. Im Kontext des AL-INVEST-Programms kann ECIP auch europäische Unternehmen unterstützen, die eine Verbindung mit lateinamerikanischen Unternehmen suchen. Diese Unterstützung kann in Form einer Kapitalinvestition oder durch Abschluß eines Lizenzvertrags mit einem bestehenden oder neugegründeten Unternehmen erfolgen.
Datensatznummer: 537 / Zuletzt geändert am: 2001-06-28