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Vorheriges Programm

ECSC-STEELRES 8C
Erhaltung und Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit der gemeinschaftlichen Stahlindustrie unter sich ändernden industriellen, kommerziellen und politischen Verhältnissen mit folgenden Schwerpunkten: Senkung der Produktionskosten; Qualitätsverbesserung; nachhaltige Lieferquellen für Stahl auf traditionellen Märkten sowie Entwicklung neuer Produkte und Märkte; Anpassung und Entwicklung neuer Produktionsprozesse und Verbesserung der Recycling-Möglichkeiten, um immer anspruchsvolleren kommerziellen Anforderungen begegnen zu können.

Kurzbeschreibung

Die Einrichtung des Forschungs- und technologischen Entwicklungsprogramms für Stahl der EGKS erfolgte aufgrund von Artikel 55 des EGKS-Vertrags, der von der Kommission die "Förderung technischer und wirtschaftlicher Forschung auf dem Gebiet der Produktion und der verstärkten Nutzung von Kohle und Stahl ..." fordert, während Artikel 130f des Vertrags über die Europäische Union von der Gemeinschaft die Verfolgung der Konsolidierung der wissenschaftlichen und technischen Basis der gemeinschaftlichen Industrie und ihrer Förderung zur Gewährleistung erhöhter Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Ebene verlangt.

Das gegenwärtige Forschungsprogramm baut auf den Ergebnissen der vorhergegangenen EGKS-Stahlforschung auf, insbesondere auf der technischen Stahlforschung und den Pilot-/Demonstrationsprogrammen der Leitlinien für 1991-1995. Über die Jahre haben die verschiedenen EGKS-Stahl-Forschungsprogramme und -maßnahmen die Anstrengungen der Stahlindustrie im ganzen durch Steigerung der Effizienz der Forschung gefördert. Das versetzte die Stahlindustrie in die Lage, gemeinsam auch Großprojekte in Angriff zu nehmen, die von einzelnen Unternehmen alleine nicht durchführbar waren. Gleichzeitig entstand in den Mitgliedstaaten ein Netz von Forschern, über das ein wirksamer, projektbezogener Erfahrungsaustausch über Projekte und ihre Ergebnisse gewährleistet ist.

Für den Zeitraum 1996-2002 werden EGKS-FTE-Maßnahmen im Rahmen eines einzigen Programms durchgeführt, die auf einem Satz gemeinsamer Leitlinien beruhen. Diese Leitlinien enthalten auch die Anforderungen für zukünftige Stahl-FTE für den Zeitraum bis 2002, dem Zeitpunkt, zu dem der EGKS-Vertrag außer Kraft tritt. Die gegenwärtigen Leitlinien folgen im wesentlichen den Leitlinien, die für 1991-1995 festgelegt wurden (Amtsblatt Nr. C 252 vom 6.10.1990).

Maßnahmen des Stahl-FTE-Programms beziehen sich auf zwei Bereiche: Stahl-Forschungsprojekte; und Stahl-Pilot- und Demonstrationsprojekte. Kollektiv betrachtet fördern beide Programmbereiche die Zusammenarbeit der Stahlindustrie mit ihren Forschungslaboratorien einerseits, und den komplementären Centres of Excellence in der Industrie, der Forschungseinrichtungen und an den Hochschulen andererseits. Die Aufmachung der Mehrzahl der Mehrzahl der Projekte stellt heute auf mehrere Partner in mehreren Ländern ab.

Die von dem Programm erfaßten FTE-Maßnahmen sollen spezifische Marktanforderungen z.B. der nachfolgenden Sektoren ansprechen:

- Kfz-Industrie;
- Bauindustrie und Baufach;
-Maschinenbauindustrie;
- Konsumerprodukte;
- Energie und industrielle Reaktorgefäße und Bauteile;
- Offshore-Konstruktionen;
- Verpackung;
Schienenverkehr.

Stahlorientierte FTE-Maßnahmen sollen im Rahmen einer integrierten Vorgehensweise durchgeführt werden, bei denen Themen von der Rohmaterialfördertechnik bis zum Endprodukt angesprochen werden. Dieser Prozeß erfordert ein solides Feedback über die Produkt- und Umweltanforderungen, das in die Produktionsparameter einzufließen hat. Außerdem sind die effektivsten Optionen für die Verwertung oder sichere Entsorgung des Produkts am Ende seines Lebenszyklus bzw. der Nebenprodukte bei seiner Produktion zu prüfen und entsprechende Studien durchzuführen.

Abgesehen von der Einbeziehung der Umweltaspekte in alle im Rahmen des Programms durchgeführte Maßnahmen soll ein spezifischer Umwelt-FTE-Strang eingerichtet werden. Das ist aus folgenden Gründen notwendig:

Der Einfluß der Produktion und Nutzung von Stahl auf die Umwelt soll eingeschätzt werden;
- Recycling, Verwertung oder Entsorgung von Abfällen und Nebenprodukten sollen verbessert werden, insbesondere bei der Produktion von Stahl. Ziel ist die wirtschaftliche Verwendung von Abfällen als Sekundärrohstoff.

In Erwartung des Ablaufs des EGKS-Vertrags im Jahre 2002 schuf die Kommission die Möglichkeit für die allmähliche Einbeziehung von bisher im Rahmen des EGKS-Vertrags durchgeführten Stahl-Forschungsmaßnahmen in andere gemeinschaftliche Programme, insbesondere das FTE-Rahmenprogramm gemäß Artikel 130i des Vertrags über die Europäische Union. Da das Rahmenprogramm allgemeine, vorwettbewerbliche Forschung mit multisektoralen Anwendungsmöglichkeiten hervorhebt, müssen EGKS-Stahlforschungsaktionen außerhalb dieses Gebiets (Pilot- und Demonstrationsprojekte, spezifische Forschung über Stahl-Produktionsprozesse, Förderung der Nutzung von Stahl und Entwicklung neuer oder verbesserter Stahlgüten) im Rahmen des EGKS-Stahl-FTE-Programms durchgeführt werden. In den kommenden Jahren laufen also das EGKS-Stahl-FTE-Programm und das FTE-Rahmenprogramm parallel, so daß die Eisen- und Stahlindustrie Zugang zu beiden Programmen hat.

Unterteilung

Drei Gebiete:

- Prozesse:
FTE zur die Verbesserung von Stahl-Produktionsprozessen in den nachfolgenden Bereichen:
. Energieeinsparungen und effiziente Nutzung von Rohmaterial;
. Modellierung von Produktionsprozessen, Prozeßsteuerungen, Automatisierung und Robotik;
. Instandhaltung und Zuverlässigkeit;%. Totale Qualitätspolitik, einschließlich der Anwendung von meßtechnischen Methoden zur Bestimmung der Produktqualität und FTE mit dem Ziel der Verbesserung der Produktqualität;
. Sekundäre metallurgische Methoden;
. Umwelteinwirkungen;
. Recycling, einschließlich der Schrottaufarbeitung und Verwertung von Nebenprodukten;

(FTE-Maßnahmen unter dieser Überschrift sollen u.a. auf die Entwicklung neuer Technologien abstellen. mit denen die Flexibilität erhöht und der Kostennutzungsgrad gesteigert werden können, und die die Produktion in Kleinserien von besonderen Güten unter Betonung besonderer Merkmale gestatten: Herstellung von Hütteneisen; Lichtbogenöfen; Reduzierung des Koksbedarfs; Präzisionsformguß; neue Walz-, Beschichtungs- und Ausstattungsverfahren.)

- Produkte:
FTE auf dem Gebiet der Stahlnutzung für die verschiedenen, von dem Programm angesprochenen Sektoren (siehe Abschnitt "IMP" dieser Nachricht) in den nachfolgenden Bereichen:
. Verfahren für das Formen, Schweißen und Verbinden von Stählen;
. Beschichten und Oberflächenbehandlung;
- Wärmebehandlung;
. Verbesserung der Stahleigenschaften im Hinblick auf Festigkeit, Zähigkeit, Härte, mechanische Eigenschaften bei hohen und niedrigen Temperaturen, Bruchfestigkeit, Ermüdung, Verschleiß und Korrosionsbeständigkeit;
. Sicherheit, insbesondere im Hinblick auf Brand und Erdbeben;
. Stahlhaltige Verbundstoffen z.B. Beton und NE-Metalle;

(Bei Maßnahmen unter dieser Überschrift ist darauf abzustellen, daß neue Werkstoffe schnell für Anwendungen genutzt werden, indem die Forschungsergebnisse unverzüglich in Form von klaren, einfachen Richtlinien praktizierenden Architekten und Technikern und den öffentlichen Behörden zugänglich gemacht werden, die sich mit den Vorschriften befassen. Außerdem sollen Anstrengungen zur Verbesserung der Standardisierung gemacht werden, speziell zur Aktualisierung der Eurocodes)

- Umweltschutz und Recycling:
FTE soll auf den nachfolgenden Gebieten betrieben werden:
. und Entwicklung von Erzeugung Stahlgüten und Stahlprodukten, die die Aufarbeitung von Stahlschrott und seine Verarbeitung zu Nutzstählen gestatten;
- Methoden zur Aufarbeitung von Stählen unterschiedlicher Produkte und Klassifikation von Schrott (z.B. Schnellanalysen);
. Neue Prozesse für die Schrott-Vorbehandlung;
. Änderung und Anpassung bestehender Technologien für die Stahlherstellung und Modifikation neuer Verfahren, die Schrott als Ausgangsmaterial verwenden;
. Aufarbeitung und Recycling anderer mit Stahl kombinierter Werkstoffe, z.B. Legierungskomponenten und Beschichtungen.

Ausführung

Die Kommission ist für die Durchführung des Programms verantwortlich. Bei der Gesamtleitung wird sie durch den sog. "Stahlforschungs- und Entwicklungsausschuß" (SERDEC) unterstützt. Dieser setzt sich aus maximal zwei Mitgliedern eines jeden Mitgliedstaates zusammen, die von der Kommission benannt werden und in eigener Kapazität handeln. Die Mitglieder sind leitende wissenschaftliche und technische Angestellte und verfügen über umfangreiches Fachwissen auf dem Gebiet des Forschungs- und Entwicklungsbedarfs des Stahlsektors. Der Vorsitzende und das Sekretariat des Ausschusses werden von der Kommission gestellt. Falls erforderlich, kann der Ausschuß Ad-hoc-Arbeitsgruppen für spezifische Zeiträume einberufen und diesen klar spezifizierte Aufgaben stellen.

Die Durchführung des EGKS-Stahl-FTE-Programms erfolgt über Forschungs-und Pilot-/Demonstrationsprojekte, die sich auf die Produktion und Verarbeitung von Eisen und Stahl oder auf die Eigenschaften, das Verhalten bei der Verarbeitung oder die Nutzung von Stahlprodukten beziehen. Auf dem Pilot- und Demonstrationssektor wird das Pilotstadium durch den Bau, den Betrieb und die Entwicklung einer Anlage oder eines wesentlichen Teils einer Anlage von ausreichender Größe unter Einsatz von ausreichend dimensionierten Teilen gekennzeichnet, damit die praktische Durchführbarkeit theoretischer oder Laboruntersuchung bestätigt werden kann. Dazu kann auch die Verbesserung der Zuverlässigkeit der technischen und wirtschaftlichen Leistungskennwerte gehören, die für die Weiterentwicklung bis zum Demonstrationsstadium, und in bestimmten Fällen bis zum industriellen oder kommerziellen Stadium, notwendig sind. Das Demonstrationsstadium wird durch den Bau und/oder den Betrieb einer Anlage in technischem Maßstab gekennzeichnet, die es möglich macht, alle technischen und wirtschaftlichen Daten zusammenzutragen, die zur Vorbereitung der industriellen und/oder kommerziellen Nutzung der Technologie bei minimalem Risiko notwendig sind.

Die Teilnahme am den Maßnahmen des EGKS-FTE-Programms steht allen Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder natürlichen Personen offen, die in den Mitgliedsländern ansässig sind. Anträge auf finanzielle Unterstützung müssen der Kommission bis zum 15. Oktober eines Jahres vorliegen, um für eine Finanzierung im Folgejahr in Frage zu kommen. Für die Antragstellung gibt es besondere Formulare, die zusammen mit ergänzenden Angaben über das Programm, seinen Status, die Art der Antragstellung, förderungswürdige Kosten, die maximal zulässige finanzielle Unterstützung, Modellverträgen, Projektdurchführungsrichtlinien und Zahlungsbedingungen zum Versand kommen.

Vorschläge mehrerer Partner unter Einbeziehung von Teilnehmern aus mehreren Mitgliedsländern werden von dem Programm besonders gefördert. Der Aufwand von Forschungsprojekten mit nur einer Organisation darf 1 Mio. ECU (Gesamtprojektkosten bei einer Laufzeit von drei Jahren) nicht überschreiten. Der Haushaltsrahmen kann bei größeren Projekten von größerer industrieller Bedeutung mit mehreren Partnern kann diesen Betrag übersteigen. Bei Pilot- und Demonstrationsprojekten muß wenigstens ein Partner ein Stahlproduzent sein, und die Beteiligung jedes Partners muß wesentlich sein und mindestens 20% des finanzierten Gesamthaushalts der Beteiligten abdecken. Außerdem müssen unterstützende, vorbereitende und flankierende Maßnahmen durchgeführt werden.

Die Beobachtung des Ablaufs von Projekten auf dem Forschungssektor und dem Pilot- und Demonstrationssektor liegt in den Händen einer Reihe von Expertengruppen unter der Leitung der Kommission. Diese treffen sich in regelmäßigen Zeitabständen zur Prüfung des Fortschritts und der technischen Abschlußberichte. Sie äußern sich gegebenenfalls zu finanziellen Gesichtspunkten und geben auch technische Hinweise für die zukünftige Entwicklung von Projekten.
Datensatznummer: 553 / Zuletzt geändert am: 1995-12-13