Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Nachfolgeprogramm

IS-ECONTENT

Programmfinanzierung

EUR 15 million
Anregung der Nutzung von Technologien, Hilfsmitteln und Methoden zur Reduzierung der Kosten für die Übertragung von Informationen in unterschiedliche Sprachen sowie der Entwicklung mehrsprachiger Dienste; Unterstützung einer Stärkung der Sprachindustrien; Förderung der Entwicklung mehrsprachiger Dienste sowie Förderung der sprachlichen Vielfalt der Europäischen Union in der globalen Informationsgesellschaft.

Kurzbeschreibung

Der Vorschlag für das Programm Mehrsprachige Informationsgesellschaft (MLIS) stützt sich auf die Bedeutung, die der Schaffung einer mehrsprachigen Informationsgesellschaft in Europa zugemessen wird. Insoweit sollen die Maßnahmen im Rahmen dieses Programms dazu beitragen, die doppelte Aufgabe zu bewältigen, nämlich die reiche linguistische und kulturellen Vielfalt Europas zu erhalten und gleichzeitig sicherzustellen, daß jedermann die gleichen Chancen hat, an dem neuen Informationszeitalter teilzunehmen und Gewinn daraus zu ziehen.

Politiken und Initiativen zur Erhaltung von Sprachen fallen zwar vornehmlich in den Zuständigkeitsbereich der Mitgliedstaaten, jedoch können Gemeinschaftsaktionen auf europäischer Ebene eine wichtige katalytische Rolle spielen und dadurch eine wertvolle Ergänzung zu den Bemühungen der Mitgliedstaaten darstellen. Das MLIS-Programm fördert Europas entstehende Informationsgesellschaft vor allem dadurch, daß es eine Grundlage für die Koordinierung groß angelegter Entwicklungen schafft, die die Möglichkeiten der einzelnen Akteure übersteigen. Das Programm wird sich insbesondere darum bemühen, die Koordinierung von sprachbezogenen Initiativen in den Mitgliedstaaten zu unterstützen, privaten Unternehmen einen zielgerichteten Ansatz für den Technologietransfer zur Verfügung zu stellen, private und öffentliche Anstrengungen zum Aufbau umfangreicher Korpora geschriebener und gesprochener Texte sowie lexikalischer Daten- und Terminologiebanken zu unterstützen und die Entwicklung einer fortgeschrittenen Übersetzungs-, Dolmetscher- und sprachtechnischen Industrie zu fördern. Außerdem wird davon ausgegangen, daß MLIS die Zusammenarbeit Europas mit anderen Regionen und Ländern durch Bereitstellung einer Grundlage für den Austausch von Wissen und linguistischen Daten stimuliert.

Zu den Beispielen für die Katalysewirkung, die der Gemeinschaft bei der Erhaltung und Förderung der sprachlichen Vielfalt in der Informationsgesellschaft zukommen kann, gehören:

- Statusgarantie für die Amtssprachen nach Maßgabe der Vorschriften über die Sprachregelung in den europäischen Institutionen;
Aufklärung der öffentlichen Organisationen und der Industrie über die Bedeutung sprachbezogener Fragen im Informationszeitalter mit dem Ziel, gemeinsame Probleme und mögliche Lösungen aufzuzeigen;
- Stimulierung der Sprach- und Nutzerindustrien, wirklich europaweite oder globale Marketingstrategien zu verfolgen, zur Schaffung eines Wettbewerbsvorteils Mehrsprachigkeit in ihre Strategien einzubeziehen und die positiven Ergebnisse ihrer F&E-Initiativen an Nutzer und Industrien, die sprachtechnische Dienste und Produkte entwickeln, weiterzugeben;
- Förderung der Entwicklung von Werkzeugen, Normen und Infrastrukturen, die weitgehend sprachenunabhängig, für die Handhabung von Sprachen jedoch unerläßlich sind;
- Aufklärung über einen mehrsprachigen Ansatz für die Informationsgesellschaft in Europa sowie diesbezügliche Förderung hinsichtlich Inhalt, Schnittstellen, Übersetzungen, Dolmetscherdienste und die Vermittlung von Sprachkenntnissen.

Das MLIS-Programme ergänzt andere europäische und nationale Programme und Aktivitäten auf diesem Gebiet. Insbesondere fördert es die Nutzung der Ergebnisse von Arbeiten im sprachtechnischen und dem entsprechenden FTE-Bereich der spezifischen Programme für Telematikanwendungen und für fortgeschrittene Kommunikationstechnologien und -dienste (ACTS) innerhalb des Vierten Rahmenprogramms sowie Entwicklungen im Rahmen des Aktionsplans der Kommission zur Mehrsprachigkeit und innerhalb von EUREKA und relevanten nationalen Forschungsprogrammen. MLIS-Aktivitäten werden darüber hinaus versuchen, neue Aktionen auf dem Gebiet der Vermittlung von Sprachkenntnissen (im Rahmen von SOCRATES und LEONARDO DA VINCI) zu ergänzen sowie einen mehrsprachigen Ansatz im kulturellen (RAPHAEL), audiovisuellen (MEDIA II) und Informationsinhaltsbereich (INFO2000) zu fördern.

Unterteilung

Vier Bereiche:

- Hilfe beim Aufbau von Infrastrukturen für europäische Sprachressourcen:
. Unterstützung bei der Einrichtung des Europäischen Verbandes für Sprachressourcen (ELRA) mit Blick auf die Validierung und Verbreitung von Sprachressourcen;
. Phasenweise Entwicklung eines Netzwerkes zur Verknüpfung sektor- und sprachbezogener Terminologiebanken;
. Auswahl und Betrieb eines Informationszentrums für Terminologie;
. Phasenweise Entwicklung eines Netzwerkes für kompatible elektronische Korpora und Lexika;

- Mobilisierung und Erweiterung der Sprachindustrie:
. Demonstration einer effektiven Nutzung kontrollierter Sprache und Sprachwerkzeuge in einer beschränkten Anzahl von Industrie- und Unternehmensumfeldern;
. Demonstration fortgeschrittener Werkzeuge und Methoden zur Lokalisierung von Multimedia-Software;
. Entwicklung elektronischer Wortlistendienste für Übersetzungen;
. Demonstration von Teleübersetzungen und Teledolmetschen mit Hilfe von paneuropäischen Netzwerken;

Förderung des Einsatzes fortgeschrittener Sprachwerkzeuge im öffentlichen Sektor Europas:
. Entwicklung einer mehrsprachigen Informationsinfrastruktur für den öffentlichen Sektor (Werkzeuge, Ressourcen, Standards, Schnittstellen);
. Entwicklung von Übersetzungswerkzeugen in bilateraler Zusammenarbeit mit Mitgliedstaaten und Regionen;
. Ausarbeitung einer einheitlichen Terminologie speziell für den öffentlichen Sektor in Europa;

- Flankierende Maßnahmen:
. Organisation der Konzertierung und Koordinierung wichtiger Akteure;
. Studie zur Feststellung des Bedarfs an Mehrsprachigkeit und der erzielten Fortschritte;
. Förderung von Arbeiten auf dem Gebiet sprachlicher Normung;
. Verschiedene Werbeaktivitäten, insbesondere soweit diese sich an die Bevölkerung und den Unternehmenssektor richten;
. Organisation der Abstimmung mit Drittstaaten.

Ausführung

Die Kommission ist mit Unterstützung eines aus Vertretern der Mitgliedstaaten unter Vorsitz eines Kommissionsvertreters zusammengesetzten Beratungsausschusses für die Durchführung des Programms verantwortlich.

Das Programm wird im wesentlichen mit Hilfe kostenteiliger Projekte umgesetzt, die in der Regel aufgrund von im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlichten Aufrufen zur Einreichung von Vorschlägen ausgewählt werden. Die Zielvorgaben der Aufrufe werden in Arbeitsplänen spezifiziert, die in Konsultation mit Marktteilnehmern sowie dem oben genannten Beratungsausschuß erarbeitet werden. In Ausnahmefällen kann die Kommission Vorschläge fördern, die unaufgefordert (d. h. nicht im Rahmen von Aufrufen zur Einreichung von Vorschlägen) unterbreitet wurden, wenn sie der Ansicht ist, daß diese besonders Erfolg versprechende oder wichtige Entwicklungen zur Erreichung der Programmziele beinhalten.

Es ist ein Haushaltsvorschlag in Höhe von 15 Mio. ECU für die Durchführung von Maßnahmen im Rahmen des Programms vorgelegt worden. Bei kostenteiligen Aktionen übersteigt der finanzielle Beitrag der Gemeinschaft in der Regel nicht 50% der Projektkosten; der Anteil der gemeinschaftlichen Finanzierungsmittel reduziert sich, je näher das Produkt an die Marktreife heranrückt. Universitäten und anderen Institute, die keine Kostenrechnungssysteme haben, werden 100% ihrer Zusatzkosten erstattet. Für Projekte, die sich ausschließlich mit Anforderungen von EU-Institutionen beschäftigen, kann sich der Beitrag der Gemeinschaft auf bis zu 100% der Kosten belaufen. Unterstützung für Versuche, eine Infrastruktur für europäische Sprachressourcen aufzubauen, kann in Form konzertierter Aktionen zur Koordinierung der Entwicklung mehrsprachiger linguistischer Ressourcen, insbesondere durch Netzwerkabstimmung, gewährt werden. In diesen Fällen kann sich die Finanzierung der Gemeinschaft auf bis zu 100% der Koordinierungskosten erstrecken.

Die Durchführung von Vorhaben, die im Rahmen von Studien- oder Dienstleistungsverträgen vollständig von der Gemeinschaft finanziert werden, erfolgt im Wege von Ausschreibungen nach Maßgabe der Finanzvorschriften der Kommission. Die Transparenz wird durch Veröffentlichung und regelmäßige Verteilung von Arbeitsprogrammen an Berufsvereinigungen und andere interessierte Organisationen sichergestellt.

Darüber hinaus führt die Kommission ergänzende Maßnahmen durch, welche die Umsetzung des Programms als ganzes sowie seiner spezifischen Aktionslinien erleichtern sollen. Zu diesen Aktivitäten gehören Workshops, Seminare, Konferenzen, Studien, Publikationen, Aufklärungskampagnen, Trainingskurse, Teilnahme an kooperativen Projekten zusammen mit den Verwaltungen der Mitgliedstaaten, europäischen Institutionen und internationalen Organisationen, Hilfe für nationale Sprachbeobachtungsstellen sowie spezifische Unterstützung für die Entwicklung von Sprachwerkzeugen und -ressourcen für diejenigen Gemeinschaftssprachen, die diese Hilfe am stärksten benötigen.

Nach Beendigung des Programms hat die Kommission dem Europäischen Parlament, dem Rat sowie dem Wirtschafts- und Sozialausschuß einen Bericht zur Beurteilung der Ergebnisse der Aktionsdurchführung vorzulegen.
Datensatznummer: 563 / Zuletzt geändert am: 2000-06-05