Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Beschleunigung der Multimedia-Digitalisierung von Sammlungen und Sicherstellung, daß diese der Allgemeinheit zugänglich sind sowie Schulen und Universitäten als Lehrquellen zur Verfügung stehen.

Kurzbeschreibung

Im Rahmen der G7-Ministerkonferenz zum Thema Informationsgesellschaft (25. - 26. Februar in Brüssel) beschlossen die G7-Mitglieder zusammen mit der Europäischen Kommission den Start von 11 Pilotprojekten, welche die potentiellen Vorteile der Informationsgesellschaft aufzeigen und ihren Einsatz anregen sollen.

Die zentralen Ziele der Pilotprojekte lauten:

Förderung eines internationalen Konsenses über die allgemeinen Grundsätze für Anwendungen, Zugang und Interoperabilität von Netzwerken;
- Schaffung eines Fundamentes für eine Zusammenarbeit der G7-Partner mit dem Ziel, eine Gruppierung von ausreichendem Gewicht für die Auseinandersetzung mit den Fragen der globalen Informationsgesellschaft zu bilden;
Schaffung einer Möglichkeit zum Informationsaustausch, die zu einer Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft führt;
- Feststellung und Auswahl von Modellvorhaben mit greifbaren, verständlichen und aufzeigbaren sozialen, ökonomischen und kulturellen Vorteilen;
- Feststellung von Hemmnissen bei der Umsetzung von Anwendungen einer globalen Informationsgesellschaft;
- Unterstützung bei der Schaffung von Märkten für neue Produkte und Dienste.

Das Pilotprojekt für Multimedia-Zugang zum Kulturerbe der Welt wurde ins Leben gerufen, um die Möglichkeiten der Informationsgesellschaft auszuschöpfen mit dem Ziel, sowohl einen breiteren Zugang zu insbesondere in Museen und Kunstgalerien befindlichen Ressourcen des weltweiten kulturellen Erbes als auch eine Verbesserung des Schutzes nationalen Kulturerbes zu erreichen. Mit Hilfe von Multimedia-Systemen ist es möglich, Bild, Ton und Text auf phantasievolle und neue Weise miteinander zu verknüpfen, in digitalisierten Formaten zu übermitteln und so zu speichern, wiederzugeben und mit Hilfe von Netzwerken zusammenzustellen, daß sie in weitem Umfang für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar werden.

Die im Rahmen des Projektes geplanten Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, die Erfahrungen, die die einzelnen Länder zur Zeit mit Informationen und Digitalisierungen im Bereich des kulturellen Erbes machen, mit der strategischen Idee einer langfristigen Zusammenarbeit zu vereinen. Bei der Gewährleistung eines vollständigen und flexiblen Informationsaustausches unter den Partnern müssen Probleme bezüglich der Vielfältigkeit des kulturellen Erbes gelöst und gleichzeitig die Autonomie und Dezentralisierung aller teilnehmenden Institutionen geschützt werden.

Das Projekt konzentriert sich auf die folgenden spezifischen Ziele:

- Interoperabilität multimedialer Kulturerbe-Datenbanken;
- Verfügbarkeit von Softwareprodukten und -diensten in Telekommunikationsnetzen für offenen Multimedia-Zugang zu der Sammlung des weltweiten Kulturerbes;
- Ein besseres Verständnis der Kulturen in der Welt.

Durch Entwicklung eines Informationsflusses zwischen den Informationsquellen kulturellen Erbes werden in den einzelnen Ländern Bestandsverzeichnisse dieser Quellen aufgebaut. Diese Verzeichnisse enthalten die Informationen, die es erlauben, Museen, Standorte, Denkmäler, Objekte, die telematischen Adressen der jeweiligen Institutionen sowie die entsprechenden Datenbanken aufzufinden. Diese wichtige Bedeutung der Bestandsverzeichnisse kultureller Quellen in den einzelnen Ländern wird sich mit dem Anwachsen eines geographische Grenzen überschreitenden Informationsflusses noch erhöhen. Es wird den einzelnen Institutionen überlassen bleiben, ihre Datenbanken und Einträge in das Bestandsverzeichnis regelmäßig auf den neusten Stand zu bringen.

Mit Einsetzen des Informationsflusses wird ein "virtuelles globales Bestandsverzeichnis" der Quellen des kulturellen Erbes in der ganzen Welt geschaffen werden, das weltweit abgefragt werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen drei Problembereiche behandelt werden:

- Durch die Digitalisierung von Museumsgegenständen sollten kosteneffektive elektronische Informationen (Daten, Bilder Texte, Bibliographien, Video und Ton) zur allgemeinen, erzieherischen und beruflichen Nutzung zur Verfügung gestellt werden;
- Bestehende Übereinkommen und entstehende Normen zur Förderung eines weitverbreiteten Austausches zwischen Informationsquellen kulturellen Erbes müssen festgestellt und erweitert werden;
- Die zu beschließenden Normen sollten den folgenden Aspekten Rechnung tragen: nutzerfreundliche Schnittstellen, leichte und zügige Handhabung des Katalogmaterials sowie Diagramme zur Beschreibung von Museumsobjekten.

Gemeinsame Normen werden einzelne Institutionen nicht daran hindern, ihre eigenen Merkmale hinzuzufügen. Außerdem sollte ein solches Projekt zum Beispiel die virtuellen Verknüpfungen von Objekten und Exemplaren innerhalb der einzelnen Museumssammlungen mit an anderen Standorten befindlichen Kulturgegenständen ermöglichen.

Aus praktischen Gründen wurde der Umfang des Projekts auf die bildenden Künste beschränkt, ohne jedoch das Bedürfnis nach Entwicklung anderer Gebiete - etwa Wissenschaft und Technologie, Naturgeschichte und sonstige kulturelle Bereiche - aus den Augen zu verlieren.

Die anderen Pilotprojekte, die anläßlich des G7-Ministertreffens in Brüssel gestartet wurden, erstrecken sich auf folgende Themenbereiche: globales Bestandsverzeichnis, globale Interoperabilität von Breitbandnetzen; kulturübergreifende Erziehung und Berufsausbildung; elektronische Bibliotheken; Umwelt und Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen; globales Notstandsmanagement; globale Anwendungen der Gesundheitsvorsorge; Online-Regierung; globaler Marktplatz für KMU und maritime Informationssysteme.

Unterteilung

Für diesen Abschnitt stehen keine näheren Informationen zur Verfügung.

Ausführung

Italien und Frankreich sind für die betriebliche Koordinierung des Projekts für multimedialen Zugang zum Weltkulturerbe zuständig.

Es sollen drei Arbeitsgruppen auf nationaler und internationaler Ebene eingerichtet werden; diese Gruppen sollen die Arbeit und Erfahrung verschiedener internationaler Initiativen fördern und nutzen sowie Experten aus diesen Einrichtungen in ihren Kreis aufnehmen. Die Hauptthemen, mit denen sich die Arbeitsgruppen beschäftigen, lauten wie folgt:

- Methodologie: Feststellung gemeinsamer Standards für Informationen über kulturelles Erbe;
- Mehrsprachige Wortlisten und Thesauren: automatische Abstimmung von in Katalogisierungssystemen verschiedener Länder enthaltenen Informationen unter Wahrung der bestehenden kulturellen und sprachlichen Vielfalt;
Entwicklung von Zugriff-Software: Zugrundelegung einer umfassenden und aktuellen Beurteilung laufender und geplanter Initiativen und Ergebnisse zur Rationalisierung der Nutzung bestehender und zukünftiger Ressourcen und zur Ausrichtung des Projektes auf die Anwendung entstehender Technologien.

Die Durchführung des Projektes soll in vier Phasen erfolgen:

- Phase I: Die Teilnehmer werden unter Berücksichtigung der Nutzer und ihrer Bedürfnisse die Anwendungsvoraussetzungen analysieren und existierende Datenbanken sowie die zur Computerisierung bereits vorgenommenen Investitionen untersuchen. In dieser Phase werden auch kompetente Institutionen und Museen ermittelt sowie mit Software-, Hardwareund Netzwerktechnologien experimentiert. Zu diesem Zweck werden die Arbeitsgruppen soziale und wirtschaftliche Marktzusammenhänge (Publikum), Nutzer-Schnittstellen für Informationssuche und -abruf, Katalogisierungs- und Kennzeichnungsspezifikationen, Kommunikations- und Netzwerkspezifikationen sowie Bilddarstellungsspezifikationen feststellen. Die Frage der Normentwicklung gehört zu den wichtigsten Themenbereichen. Die Teilnahme von Partnern aus dem Privatsektor wird den Erfolg der Initiative entscheidend beeinflussen.

- Phase II: Geplant ist ein Demonstrationssystem, zu dem Werkzeuge gehören, um Daten und Bilder unter Einsatz mehrsprachiger Thesauren zu speichern und abzurufen. Im Rahmen dieses Systems sind nutzerfreundliche Schnittstellen vorgesehen. Darüber hinaus werden Verfahren entwickelt, um die Erstellung und Nutzung von Wortlisten zu ermöglichen.

- Phase III: Zu dieser Phase gehört die Umsetzung in den einzelnen Institutionen (Hardware-, Software- und Netzwerktechnologien) sowie die Erprobung des Demonstrationsprojektes sowohl in technischer Hinsicht als auch von Standpunkt des Benutzers aus.

- Phase IV: Es erfolgt eine Auswertung des Demonstrationsprojektes, und anschließende Aktivitäten werden in Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor geplant.

Im Verlauf der ersten Phase sind die finanziellen Implikationen und der Zeitplan für die gesamte Projektdurchführung zu beurteilen; in diesen Fragen muß Einigkeit erzielt werden, bevor zu den weiteren Phasen übergegangen werden kann.
Datensatznummer: 565 / Zuletzt geändert am: 1998-05-07