Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Programmfinanzierung

EUR 45 million

Referenz zum Amtsblatt

L 85 von 1997-03-27

Rechtsrahmen

550/97 von 1997-03-24
Zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Verringerung der Ausbreitung der HIV/AIDS-Epidemie und bei der Bewältigung der Folgen dieser Epidemie für die Gesundheit und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Kurzbeschreibung

In diesem Programm werden die vorrangigen Maßnahmen und administrativen Regeln für eine Kooperation in bezug auf HIV/AIDS in Entwicklungsländern festgelegt. Es folgt der Mitteilung der Kommission über HIV/AIDS in den Entwicklungsländern vom 7. Januar 1994 und anschließenden Aufrufen sowohl von der Kommission als auch dem Europäischen Parlament nach einer größeren Beteiligung der Gemeinschaft bei den Bemühungen der Entwicklungsländern die Ausbreitung der HIV/AIDS Epidemie zu verringern.

Bei Durchführung des Programms wird die Gemeinschaft die folgenden vorrangigen Ziele verfolgen:

- Verminderung der weiteren Übertragung von HIV/AIDS und der Verbreitung anderer sexuell und perinatal übertragbarer Krankheiten;
- Stärkung des Gesundheits- und des Sozialsektors, damit sie die zunehmend mit der Ausbreitung der Epidemie verbundenen Last tragen können;
-Unterstützung der Regierungen und der Gemeinschaften bei der Bewertung der Auswirkungen der Epidemie auf die verschiedenen Wirtschaftszweige und auf die Bevölkerungsgruppen sowie bei der Definition und der Umsetzung von Betreuungsstrategien;
- Entwicklung der wissenschaftlichen Kenntnisse über die Epidemie sowie über die Auswirkungen der Interventionen im Hinblick auf deren Verbesserung, mit Ausnahme der Grundlagenforschung;
- Bekämpfung der Diskriminierung und der sozialen und wirtschaftlichen Ausgrenzung von HIV/AIDS infizierten Personen.

Die Aktionen zur Erreichung der vorrangigen Ziele unterstützen die auf internationalen, regionaler und nationaler Ebene mit den Empfängerländern entwickelten Strategien. (Für weitere Einzelheiten in diesem Zusammenhang siehe die "Unterabschnitte" von dieser Zusammenfassung).

Unterteilung

Aktionen zur Unterstützung der vorrangigen Ziele:

- die Verminderung der weiteren Übertragung von HIV/AIDS und der Verbreitung anderer sexuell und perinatal übertragbarer Krankheiten durch:
. Information und Aufklärung über Sexual- und Reproduktionshygiene und Reproduktionsrechte; dabei ist besonders darauf zu achten, daß die entsprechenden Maßnahmen speziell auf die Zielgruppen, insbesondere auf in einem Risikoumfeld lebende Bevölkerungsgruppen sowie auf die sozial und wirtschaftlich anfälligsten Einzelpersonen und Gemeinschaften, insbesondere Jugendliche und Frauen, ausgerichtet sind und ihnen zugänglich gemacht werden. Diese Aktionen umfassen auch den Dialog mit Religionsgemeinschaften;
. Intensivierung der Vorkehrungen zur Verminderung der weiteren Übertragung von HIV und sexuell übertragbarer Krankheiten, unter anderem durch die Förderung besserer Verfahren zur Früherkennung und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten;
. Verbesserung der Bereitstellung und der Verwendung der verschiedenen dem Schutz dienenden Mittel und Methoden, einschließlich der Sicherheit der Transfusionen und Injektionen;
. Förderung einer verstärkten Berücksichtigung des HIV/AIDS-Problems im Rahmen der Entwicklungspolitik und -strategien;
. Unterstützung von Maßnahmen, mit denen Frauen größere Entscheidungsfreiheit in allen Bereichen der Sexualität und allen fragen der reproduktiven Gesundheit sowie die Möglichkeit erhalten, sich für eine breite Verwendung der unterschiedlichen Mittel und Methoden zum Schutz gegen die Ansteckung mit und die Übertragung von HIV und sexuell übertragbaren Krankheiten einzusetzen und selbst entsprechend zu handeln, die Gesundheit ungeborener Kinder zu schützen und die Bevölkerung, insbesondere die Männer, hierfür stärker zu sensibilisieren und ihr Verantwortungsgefühl in dieser Frage zu fördern;

- die Stärkung des Gesundheits- und des Sozialsektors damit sie die zunehmenden, mit der Ausbreitung der Epidemie verbundenen Lasten tragen können, durch:
. Stärkung der Gesundheitsdienste insbesondere der Grundversorgung, durch Maßnahmen zur Erhöhung der Kapazitäten auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene im Hinblick auf den Ausbau der Verhütungsmaßnahmen und der Versorgung und die Verbesserung des Zugangs für die anfälligsten Personen;
. Untersuchung der Möglichkeiten, in den ärmsten Ländern den Zugang HIV-Infizierter zur Behandlung zu verbessern. Diese Untersuchung sollte in enger Zusammenarbeit mit den Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, den betroffenen NRO, den pharmazeutischen Laboratorien sowie den Mitgliedstaaten der Europäischen Union durchgeführt werden;
. Verstärkung der Kapazitäten im Bereich der Sicherheit der Transfusionen und der Verhütung nosokomialer Infektionen;
. bessere Ausbildung des medizinisch-pflegerischen Personals;
. Verbesserung der Notifizierungs- und Statistiksysteme zur epidemiologischen Überwachung;

- die Unterstützung der Regierungen und Gemeinschaften bei der Bewertung der Auswirkungen der Epidemie auf die verschiedenen Wirtschaftsbereiche und Bevölkerungsgruppen sowie bei der Festlegung und Durchführung von Betreuungsstrategien durch:
. technische Unterstützung der Regierungen bei der Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Epidemie sowie Entwicklung und Umsetzung angemessener Reaktionsstrategien in den verschiedenen Bereichen;
. technische und finanzielle Hilfe, damit die Nichtregierungsorganisationen einen optimalen Beitrag zur Verhütung und Betreuung leisten, insbesondere durch die Unterstützung bei der Bildung von netzen, die darauf abzielen, die Effizienz der Maßnahmen zu verbessern und den Informationsfluß, die Koordination und die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu intensivieren;
. Förderung der Beteiligung örtlicher Gemeinschaften an der Ausarbeitung von lokalen Informationsstrategien und von Sexualerziehungs- und Betreuungsprogrammen;

Entwicklung der wissenschaftlichen Kenntnisse über die Epidemie und die Auswirkungen der Interventionen im Hinblick auf deren qualitative Verbesserung, mit Ausnahme der Grundlagenforschung, durch:
. Entwicklung der wissenschaftlichen Kenntnisse durch eine bessere Überwachung der Programme mit Hilfe zweckdienlicher Indikatoren und die Stärkung der angewandten Forschung im medizinischen, soziologischen und anthropologischen Bereich;
. Unterstützung des Informationsaustausches über die gesammelten Erfahrungen;

- Bekämpfung von Diskriminierungen und sozialer und wirtschaftlicher Ausgrenzung von mit HIV/AIDS infizierten Menschen durch:
. Förderung der Achtung der Persönlichkeitsrechte, insbesondere in bezug auf die Reproduktionsrechte;
. Förderung der Nichtdiskriminierung und Bekämpfung der Stigmatisierung der Menschen, die mit dem Virus leben, vor allem durch Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Einführung eines angemessenen rechtlichen Rahmens.

Ausführung

Die Kommission ist für die Bewertung, Entscheidung und Verwaltung der durch dieses Programm abgedeckten Aktionen zuständig. Sie wird von dem für Entwicklungsfragen zuständigen geographischen Ausschuß unterstützt.

Das Programm ist vorrangig für die ärmsten und die am wenigsten entwickelten Länder sowie für die am meisten benachteiligten Bevölkerungsschichten in den Entwicklungsländern bestimmt. Die Finanzhilfen erfolgen in Form von Zuschüssen. Berechtigt die finanzielle Unterstützung zu erhalten sind Partner einschließlich:

- Nationaler, regionaler und lokaler Regierungsbehörden und Verwaltungen;
- Gebietskörperschaften und andere dezentralisierte Einrichtungen, einschließlich der traditionellen sozialen Strukturen;
- Regionalorganisationen und die internationalen Organisationen;
- Forschungsinstitute und Hochschulen;
Basisgemeinschaften und Privatunternehmen einschließlich der NRO, unter anderem der Frauenorganisationen und -verbände sowie repräsentative Verbände, die aufgrund ihrer Kenntnis einen Beitrag zur Konzeption, Durchführung und Überwachung der vorrangigen Strategie zur Bekämpfung von HIV/AIDS gemäß der in der vorliegenden Zusammenfassung unter "Allgemeine Information" beschriebenen Strategie leisten können.

Die Aktionen, die gemäß der Verordnung finanzielle Unterstützung erhalten umfassen Studien, technische Hilfe, Ausbildungsmaßnahmen und andere Dienstleistungen, Lieferungen und Bauleistungen sowie Rechnungsprüfung und Evaluierungs- und Kontrollmissionen. Die Stärkung der inländischen Kapazitäten, insbesondere durch Schulungen in einer langfristigen Perspektive, wird Vorrang eingeräumt.

Aus Gemeinschaftsmitteln finanziert werden können sowohl Investitionskosten (mit Ausnahme des Erwerbs von Immobilien) als auch laufenden Kosten (einschließlich Verwaltungs-, Instandhaltungs- und Betriebskosten).Im Rahmen der Zusammenarbeit wird für jede Aktion ein Beitrag der Partner angestrebt; dieser Beitrag wird im Rahmen der Möglichkeiten der betreffenden Partner und nach Maßgabe der Art der jeweiligen Aktion verlangt. Es können Möglichkeiten für gemeinsame Finanzierungen mit anderen Geldgebern, insbesondere mit den Mitgliedstaaten gesucht werden.

Die unter dem Programm finanzierten Projekte müssen sich nach Möglichkeit mittelfristig selber tragen.

Nach Ablauf eines jeden Haushaltsjahres unterbreitet die Kommission dem Europäischen Parlament und dem Rat einen Jahresbericht, der eine Zusammenfassung der im Laufe des Haushaltsjahres finanzierten Aktionen sowie eine Bewertung der Durchführung des Programms während des Haushaltsjahres umfaßt.
Datensatznummer: 629 / Zuletzt geändert am: 1998-05-07