Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Referenz zum Amtsblatt

L 36 von 1993-02-12

Rechtsrahmen

CEE 302/93 von 1993-02-08
Bereitstellung von objektiven, zuverlässigen und vergleichbaren Informationen über Drogen, Drogensucht und die daraus resultierenden Konsequenzen in Europa für die Europäische Gemeinschaft und die Mitgliedsstaaten.

Kurzbeschreibung



Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA - European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction) ist die zentrale Drogeninformationsstelle in der Europäischen Union (EU). Die Einrichtung wurde 1993 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Lissabon. Ihre Aufgabe besteht darin, objektive, zuverlässige und vergleichbare Informationen über Drogen und Drogensucht für die EU und ihre Mitgliedsstaaten bereitzustellen.

Nachweisbare Informationen über Drogen sind eines der wichtigsten Instrumente, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, um uns dieser globalen Herausforderung zu stellen. Durch die Bereitstellung derartiger Informationen unterstützt EMCDDA politische Entscheidungsträger, Forscher und Spezialisten in diesem Bereich dabei, das Problem zu erfassen und geeignete Antworten zu formulieren.

Schwerpunkt der Tätigkeit der Beobachtungsstelle sind die Bemühungen, die Vergleichbarkeit von Drogeninformationen in Europa zu verbessern und die Methoden und Instrumente festzulegen, die zum Erreichen dieses Ziels benötigt werden. Als Ergebnis der bisher vorgenommenen Anstrengungen können die einzelnen Länder jetzt überprüfen, wie sie sich in das breitere europäische Bild einfügen, sowie allgemeine Probleme und Ziele untersuchen.

Die von der Beobachtungsstelle zusammengetragenen, analysierten und verbreiteten Informationen haben folgende Schwerpunkte:
- Bedarf und Senkung der Nachfrage nach Drogen;
- Nationale und gemeinschaftliche Strategien und Richtlinien (mit besonderer Betonung von internationalen, bilateralen und gemeinschaftlichen Richtlinien, Maßnahmenplänen, Gesetzen, Aktivitäten und Vereinbarungen);
- Internationale Kooperation und Geopolitik des Angebots (mit besonderer Betonung von Kooperationsprogrammen und Informationen zu Erzeuger- und Transitstaaten);
- Kontrolle des Handels von Rauschgift, psychotropischen Substanzen und Vorstufen dieser Stoffe, wie in den relevanten aktuellen bzw. zukünftigen internationalen Konventionen und Gemeinschaftsgesetzen vorgesehen;
- Auswirkungen des Drogenproblems auf Hersteller, Konsumenten und Transitstaaten.

Unterteilung



Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) stellt statistische, dokumentarische und technische Informationen zur Verfügung, um die Gemeinschaft und die Mitgliedsstaaten bei der Formulierung von politischen Maßnahmen für Drogen und Drogensucht im Rahmen ihrer jeweiligen Kompetenzbereiche zu unterstützen. Zu diesem Zweck führt die Beobachtungsstelle vier Hauptarten von Maßnahmen durch:

1. Zusammentragung und Analyse von vorhandenen Daten:
Die EMCDDA wird:
- Informationen zusammentragen, erfassen und analysieren, einschließlich Daten, die aus Forschungstätigkeiten resultieren, die von Mitgliedsstaaten kommuniziert wurden und die von der Gemeinschaft, von regierungsunabhängigen nationalen Quellen sowie von kompetenten internationalen Organisationen stammen;
- Umfragen, Vorbereitungsstudien und Durchführbarkeitsstudien ausführen, zusammen mit allen Pilotprojekten, die zur Erfüllung der Aufgaben notwendig sind; Expertentreffen organisieren und bei Bedarf für den Zweck geeignete Ad-hoc-Arbeitsgruppen einrichten; offene wissenschaftliche Dokumentationsquellen einrichten und zur Verfügung stellen und die Förderung von Informationsmaßnahmen unterstützen;
- ein organisatorisches und technisches System bereitstellen, das Informationen zu ähnlichen bzw. ergänzenden Programmen oder Maßnahmen der Mitgliedsstaaten liefern kann;
- unter Abstimmung und Kooperation mit zuständigen Behörden und Organisationen in den Mitgliedsstaaten das Reitox-Netzwerk koordinieren;
- den Informationsaustausch zwischen Entscheidungsträgern, Forschern, Spezialisten und an der Drogenbekämpfung beteiligten Personen in regierungsabhängigen und –unabhängigen Organisationen erleichtern.

2. Verbesserung von Methoden für den Datenvergleich:
Die EMCDDA wird:
- die verbesserte Vergleichbarkeit, Objektivität und Zuverlässigkeit von Daten auf europäischer Ebene gewährleisten, indem nicht bindende Indikatoren und allgemeine Kriterien entwickelt werden, deren Erfüllung von der Beobachtungsstelle empfohlen wird, um somit eine höhere Einheitlichkeit der von den Mitgliedsstaaten und der Gemeinschaft genutzten Messmethoden zu erreichen;
- den Informationsaustausch sowohl mit Hinblick auf die Qualität als auch die Quantität (Datenbanken) erleichtern und strukturieren

3. Verbreitung von Daten:
Die EMCDDA wird:
- die von ihr erzeugten Informationen für die Gemeinschaft, die Mitgliedsstaaten und zuständige Organisationen zur Verfügung stellen;
- den umfassenden Informationsaustausch über die Tätigkeiten gewährleisten, die in jedem Mitgliedsstaat, von der Gemeinschaft selbst und, falls zutreffend, in Drittstaaten oder bei internationalen Organisationen durchgeführt wurden;
- die umfassende Verbreitung von zuverlässigen, nicht vertraulichen Daten auf Grundlage der von der Beobachtungsstelle zusammengetragenen Daten sicherstellen;
- einen Jahresbericht zur aktuellen Situation des Drogenproblems veröffentlichen.

4. Kooperation mit europäischen und internationalen Gremien und Organisationen sowie mit Drittstaaten:
Die EMCDDA wird:
- zur Verbesserung der Koordinierung zwischen nationalen und gemeinschaftlichen Maßnahmen in ihren Aktitivätsbereichen beitragen; 1
- die Integration von Daten über Drogen und Drogensucht, die in den Mitgliedsstaaten zusammengetragen wurden oder von der Gemeinschaft stammen, in internationale Überwachungs- und Drogenkontrollprogramme, insbesondere die von der UNO und ihren Spezialgremien entwickelten, fördern und sich dabei nicht von Verpflichtungen der Mitgliedsstaaten mit Hinblick auf die Übertragung von Informationen im Rahmen der Bestimmungen der UN-Konventionen über Drogen beeinträchtigen lassen;
- aktiv mit internationalen Organisationen und regierungsunabhängigen Behörden zusammenarbeiten, die Fachkenntnisse zum Thema Drogen besitzen.



DAS ARBEITSPROGRAMM DER EMCDDA 2004-2006

Ziele:
- Festigung und Ausbau der bisher erzielten Ergebnisse der EMCDDA und gleichzeitige Bewältigung der Herausforderung der EU-Erweiterung;
- Beschäftigung mit relevanten Prioritäten der EU und allen Änderungen, die sich aus der erwarteten Modifizierung der Gründungsverordnung der EMCDDA ergeben;
- Abstimmung auf die Ressourcen der Mitgliedsstaaten und der nationalen Kontaktstellen von Reitox zur Finanzierung und Durchführung nationaler Tätigkeiten im Drogenbereich.

Schwerpunkte:
- Verbesserung der Datenqualität;
- Anpassung an die sich verändernde politische Landschaft der EU;
- Umfassende Nutzung aller verfügbaren Informationen zur Verdeutlichung des Nutzens, den ein auf die EU ausgerichteter Ansatz und eine einheitliche Herangehensweise haben;
- Bewertung der Wirksamkeit von Antworten auf das Drogenproblem durch die Mitgliedsstaaten und Beitrittsländer.

Programmziele:
- Überwachung des Drogenproblems (wird als grundlegend und dauerhaft betrachtet).
- Thematische Analyse des Drogenproblems (Schwerpunkt liegt auf Fragen, die sich aus laufender Tätigkeit ergeben, auf auftretenden Trends und auf wichtigen politischen Sachverhalten).

Ausführung



Der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) steht das Europäische Informationsnetzwerk zu Drogen und Drogensucht (Reitox) zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um ein Computernetzwerk, das als Infrastruktur für die Sammlung und den Austausch von Informationen und Dokumenten dient. Reitox ist ein Netzwerk aus Nationalen Kontaktstellen (NKS), die in den 25 EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen sowie in der Europäischen Kommission eingerichtet sind.

Die Beobachtungsstelle führt ihre Aufgaben vor dem Hintergrund der Ziele aus, die in den dreijährigen und jährlichen Arbeitsprogrammen festgelegt sind. Bei der Durchführung der Maßnahmen werden, um doppelte Arbeiten zu vermeiden, auch die Aktivitäten berücksichtigt, die bereits von anderen bestehenden Institutionen und Behörden, insbesondere dem Europäischen Polizeiamt (Europol), ausgeführt werden bzw. in Zukunft ausgeführt werden sollen. Desweiteren wird gewährleistet, dass die Beobachtungsstelle zum Nutzen dieser Einrichtungen und ihrer Maßnahmen beiträgt.

Die Aktivitäten der Beobachtungsstelle werden von einem Vorstand beaufsichtigt, der sich aus je einem Vertreter jedes Mitgliedsstaates, zwei Vertretern der Kommission und zwei Wissenschaftlern zusammensetzt, die auf den Themenbereich Drogen spezialisiert sind und vom Europäischen Parlament ernannt werden. Der Vorstand erstellt seine eigenen Verfahrensregeln und trifft sich mindestens einmal im Jahr. Er übernimmt die dreijährigen und jährlichen Arbeitsprogramme sowie einen allgemeinen Jahresbericht zu den Aktivitäten der EMCDDA.

Die Beobachtungsstelle wird von einem Direktor geleitet, der als rechtlicher Vertreter fungiert. Der Direktor wird vom Vorstand bestimmt und ist diesem gegenüber Rechenschaft schuldig.

Ein wissenschaftliches Komitee unterstützt sowohl den Vorstand als auch den Dirkektor bei wissenschaftlichen Fragen zu den Aktivitäten der Beobachtungsstelle. Im Komitee ist jeder Mitgliedsstaat mit je einem Repräsentanten vertreten.

Die EMCDDA sucht die aktive Kooperation mit internationalen Organisationen und anderen, insbesondere europäischen Regierungs- sowie Nichtregierungsbehörden, die über Fachkenntnisse zum Thema Drogen verfügen. Die Beobachtungsstelle steht der Teilnahme derjenigen Staaten offen, die zwar kein Mitglied der Gemeinschaft sind, aber dennoch die Interessen der Gemeinschaft mit Hinblick auf die Ziele und Aufgaben der Beobachtungsstelle teilen.

Die Beobachtungsstelle darf keinerlei Maßnahmen ergreifen, die in irgendeiner Weise über den Bereich der Informationen und deren Bearbeitung hinausgehen. Sie trägt keine Daten zusammen, die die Identifikation von Einzelpersonen oder kleinen Personengruppen ermöglichen, und sie unterlässt jegliche Übertragung von Informationen, die sich auf spezifische namentlich bekannte Fälle richten.

Bemerkungen

Das Programm basiert auf der Verordnung des Rates (EWG) Nr. 302/93 vom 8. Februar 1993 zur Einrichtung einer Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht.
Datensatznummer: 633 / Zuletzt geändert am: 2005-05-04