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Vorheriges Programm

OTH-MEDIA 2

Programmfinanzierung

EUR 350 million

Referenz zum Amtsblatt

L 336 von 2000-12-30

Rechtsrahmen

2000/821/EC von 2000-12-20
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen audiovisuellen Industrie; Wahrung der europäischen sprachlichen und kulturellen Vielfalt; Aufwertung des europäischen audiovisuellen Erbes insbesondere durch Digitalisierung und Vernetzung; Entwicklung des audiovisuellen Sektors in Ländern und Regionen mit geringer audiovisueller Produktionskapazität und/oder geringer geographischer Ausdehnung oder kleinem Sprachgebiet; Verbreitung neuartiger audiovisueller Inhalte mittels neuer Technologien.

Kurzbeschreibung

Die europäische audiovisuelle Programmindustrie ist wegen ihrer Zersplitterung noch nicht gänzlich in der Lage, im verschärften weltweiten Wettbewerb zu bestehen. Das MEDIA-Programm für den Zeitraum 2001-2005 beabsichtigt, optimale, auf einer kohärenten Strategie und klaren Zielsetzungen fußende Bedingungen zu schaffen, um diese Schwierigkeiten zu entschärfen und es den europäischen Marktteilnehmern zu ermöglichen, optimale Positionen auf diesen neuen Märkten zu besetzen und dabei die europäische kulturelle Vielfalt aufzuwerten.
Die Industrien der Informationsgesellschaft, zu denen die audiovisuelle Programmindustrie zählt, sind inzwischen eine der Branchen in der Europäischen Union mit den höchsten Wachstumsraten. 1995 beschäftigte die audiovisuelle Industrie 950.000 Arbeitnehmer in der Europäischen Union, 1997 waren es bereits 1.030.000. Die Einkünfte dieses Marktes sollen bis 2005 um 70 % steigen, was wiederum allein für diesen Zeitraum auf die Schaffung von über 300.000 hochqualifizierten Arbeitsplätzen hinauslaufen könnte. Angesichts dieser neuen Rahmenbedingungen, der Ergebnisse der Bewertung des Programms MEDIA 2 und der Beratungen der Kommission scheint eine Aufstockung der Ressourcen des Programms erforderlich.

Das MEDIA-Programm (2001-2005) verfügt über einen Haushalt in Höhe von 400 Millionen Euro. Ein Teil dieses Programms befasst sich mit der Fortbildung für Berufstätige im audiovisuellen Bereich (MEDIA-FORTBILDUNG) und erhält 50 Millionen Euro. Der andere Teil bezieht sich auf Entwicklung, Vertrieb und Förderung; ihm wurden 350 Millionen Euro zugeteilt (MEDIA +). Der Haushalt für MEDIA 2 (1996-2000) betrug 310 Millionen Euro.

Unterteilung

Art der Maßnahmen:

_ Im Maßnahmenbereich Entwicklung audiovisueller Werke:
Bereitstellung finanzieller Unterstützung für Unternehmen der audiovisuellen Branche. Die Auswahlkriterien werden hauptsächlich den europäischen und internationalen Anspruch der Projekte berücksichtigen.

_ Im Maßnahmenbereich Vertrieb und Ausstrahlung:
Kinoverleih:
. Ein Fördersystem in Form von bedingt rückzahlbaren Vorschüssen an Verleihunternehmen für das europäische Kinofilmschaffen außerhalb ihres jeweiligen Produktionsstandortes. Die Kriterien für die Auswahl der Begünstigten können Bestimmungen umfassen, die auf eine Unterscheidung zwischen den Projekten je nach ihrem Produktionsmittelaufwand abzielen. Besondere Förderung wird Filmen gewährt, die für die Aufwertung der europäischen kulturellen Vielfalt von Belang sind.
. Ein sogenanntes "automatisches" Fördersystem für europäische Verleihunternehmen, dessen Mittelvergabe proportional ist zu den Kinoplatzverkäufen für europäische, nichteinheimische Filme in Programmteilnehmerländern, mit einer Obergrenze pro Film und Modulierung je nach Land.
. Ein Fördersystem für europäische Gesellschaften für den internationalen Vertrieb von Kinofilmen (Vertriebsagenten) in Abhängigkeit von ihrer Leistung auf dem Markt über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Diese Fördermittel dürfen von den internationalen Verleihunternehmen nur zur Investition in Kosten aus der Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf neue europäische Produktionen auf dem europäischen und internationalen Markt verwendet werden.
. Eine angemessene Unterstützung mit dem Ziel, die Betreiber dazu zu ermutigen, europäische, nichteinheimische Filme in bedeutendem Umfang für eine Mindestaufführungsdauer auf das Programm solcher kommerzieller Kinos zu setzen, in denen Erstaufführungen stattfinden.
. Ein Fördersystem zur Herstellung internationaler Tonstreifen (Musik und Geräusche) für das europäische Filmschaffen.

_ Offline-Vertrieb europäischer Werke (unter diesem Begriff ist der Vertrieb europäischer Werke auf für den Privatgebrauch bestimmten Trägermedien zu verstehen):
Automatische Förderung:
. Ein automatisches Fördersystem für Herausgeber und Verleihunternehmen von europäischen Film- und audiovisuellen Werken auf für den Privatgebrauch bestimmten Trägermedien (wie Videokassetten, DVD, DVD- ROM), in Abhängigkeit von ihrer Leistung auf dem Markt über einen bestimmten Zeitraum hinweg.

_ Fernsehausstrahlung:
Förderung der Bereitschaft unabhängiger Produzenten, Werke in den Bereichen Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilm herzustellen, an denen mindestens drei Fernsehanstalten aus mehreren Mitgliedstaaten und verschiedenen Sprachräumen beteiligt sind.

_ Online-Vertrieb europäischer Werke (unter diesem Begriff ist der Online-Vertrieb europäischer Werke über fortschrittliche Vertriebsdienste und neue Medien zu verstehen, wie z.B. Internet, Video-on-Demand, Pay-per-View). Das angestrebte Ziel besteht darin, eine Anpassung der europäischen audiovisuellen Programmindustrie an die Fortschritte der digitalen Technologie zu begünstigen, vor allem im Bereich fortschrittlicher Online-Vertriebsdienste.
. Über Anreize zur Digitalisierung von Programmwerken und zur Schaffung von Material für die Öffentlichkeitsarbeit und die Werbung auf digitalen Medien sollen europäische Gesellschaften (Online-Provider, thematische Kanäle usw.) ermutigt werden, Kataloge mit in digitaler Form vorliegenden europäischen Werken für eine Verwertung auf den neuen Medien zusammenzustellen.

_ Öffentlichkeitsarbeit:
. Schaffung verbesserter Zugangsbedingungen der Fachkreise zu europäischen und internationalen Märkten über spezifische Maßnahmen im Bereich technische und finanzielle Unterstützung bei Veranstaltungen;
. Begünstigung der Einrichtung einer Datenbank über vorhandene Kataloge mit europäischen Programmen.
Die wichtigsten Auswahlkriterien für die Projekte werden folgendes betreffen:
. die europäische Dimension;
. die Qualität von Dienstleistungen, die den Fachkreisen angeboten werden (Produzenten, Verleiher, Sendeanstalten, Vertriebsagenten);
. die fachliche Kompetenz der Auftragnehmer und Akteure im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit;
. Unterstützung audiovisueller Festivals, deren Programmgestaltung einen umfangreichen Anteil europäischer Werke vorsieht.

_ Öffentlichkeitsarbeit zugunsten des europäischen kreativen Schaffens:
Begünstigung der Einrichtung von öffentlichkeitswirksamen Tätigkeiten zugunsten des europäischen audiovisuellen und Filmschaffens, das sich an breite Publikumskreise wendet, durch die Fachkreise und in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten.

_ Pilotprojekte:
. Bewahrung und Aufwertung des historischen Filmschaffens durch Ermutigung zu Partnerschaften zwischen den Akteuren der Filmbranche und öffentlichen oder privaten Einrichtungen;
. Digitalisierung von europäischen audiovisuellen Archivprogrammen;
. Vernetzung von Rechteinhabern an Katalogen von europäischen audiovisuellen Werken;
. Programmierung europäischer audiovisueller Werke auf in digitalen Formaten übertragenen thematischen Kanälen;
. Schaffung eines geeigneten Umfelds für die Entwicklung und den Vertrieb fortschrittlicher neuer Online-Dienstleistungen.

Ausführung

Die Kommission führt das Programm durch. Zu diesem Zweck kann sie auf die Zusammenarbeit mit Beratern und Büros für technische Hilfe zurückgreifen, die nach Maßgabe ihres einschlägigen Fachwissens per Ausschreibungsverfahren ausgewählt werden. Die technische Hilfestellung wird aus dem Budget des Programms finanziert. Die Kommission kann bei Ad-hoc-Tätigkeiten auch Partnerschaften mit Facheinrichtungen wie EUREKA-Audiovisuell abschließen, um gemäß den Zielsetzungen des Programms im Fortbildungswesen gemeinsame Aktionen durchzuführen.
Die Kommission sorgt für die endgültige Auswahl der Begünstigten des Programms und entscheidet, welche finanzielle Unterstützung gewährt wird.

Bei der Verwirklichung des Programms arbeitet die Kommission eng mit den Mitgliedstaaten zusammen. Sie zieht ferner die betroffenen Partner zu Rate. Sie trägt dafür Sorge, dass die Beteiligung der Fachkreise am Programm die kulturelle Vielfalt Europas zum Ausdruck bringt.
Die Gemeinschaftsfinanzierung beträgt höchstens 50 % der Kosten der geplanten Maßnahmen (außer in den ausdrücklich im Anhang definierten Fällen, die eine höhere Obergrenze vorsehen) und wird in Form von Vorschüssen oder bedingt rückzahlbaren Darlehen beziehungsweise Zuschüssen gewährt. Zur Unterstützung der Mehrsprachigkeit der Werke wird der Gemeinschaftsbeitrag in Form von Zuschüssen gewährt.
Die Teilnahme an dem Programm steht offen:

_Den assoziierten Ländern Ost- und Mitteleuropas;
_ Zypern, Malta, Türkei;
_ den EFTA-Staaten, die Mitgliedsländer des EWR-Abkommens sind;
_ Unterzeichnerstaaten der Konvention des Europarats über grenzüberschreitendes Fernsehen.

Die Öffnung des Programms für die europäischen Drittländer kann von einer vorherigen Untersuchung der Kompatibilität ihrer nationalen Rechtsvorschriften mit dem gemeinschaftlichen Besitzstand abhängig gemacht werden.
Das Programm steht auch einer Zusammenarbeit mit anderen Drittländern auf der Grundlage zusätzlicher Mittel und entsprechend mit den Parteien durch Abkommen zu vereinbarenden besonderen Modalitäten offen.

Nach der Ausführung der Projekte bewertet die Kommission die Art und Weise und die Auswirkungen ihrer Durchführung, um festzustellen, ob die anfangs gesteckten Ziele erreicht wurden.
Auf Grundlage der erzielten Ergebnisse nach zweijähriger Laufzeit des Programms unterbreitet die Kommission dem Europäischen Parlament, dem Rat und dem Wirtschafts- und Sozialausschuss einen Bewertungsbericht bezüglich Auswirkungen und Effektivität des Programms.
Nach Abschluss des Programms legt die Kommission dem Europäischen Parlament, dem Rat sowie dem Wirtschafts- und Sozialausschuss einen Bericht über die Durchführung und die Ergebnisse des Programms vor.
Datensatznummer: 679 / Zuletzt geändert am: 2001-01-16