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Ziel der Mitteilung des Europäischen Strategieforums zu Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) mit dem Titel "Europäische Roadmap für Forschungsinfrastrukturen" ist die Übermittlung von Informationen an die Forschungsgemeinschaft über die Arbeitsmethoden und Prozesse, die von ESFRI genutzt werden, um eine strategische Roadmap für Europa im Bereich der Forschungsinfrastrukturen für die nächsten 10 bis 20 Jahre (bis 2015 - 2025) vorzubereiten.

Kurzbeschreibung

Momentan laufen die Vorbereitungen für das nächste (Siebente) Europäische Rahmenprogramm für Forschung und Technologische Entwicklung, das den Zeitraum von 2006 bis 2010 (RP7) abdecken wird. In ihrer Mitteilung vom 16. Juni 2004 zu den Prioritäten der zukünftigen europäischen Forschungspolitik bestimmte die Kommission die "Entwicklung von Forschungsinfrastrukturen von europäischem Interesse" als einen der sechs Hauptschwerpunkte. Ein Europäisches Strategieforum zu Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) wurde beauftragt, eine strategische Roadmap für Europa im Bereich der Forschungsinfrastrukturen für die nächsten 10 bis 20 Jahre vorzubereiten. Die Roadmap wird genutzt, um die Entscheidungsfindung durch die Mitgliedsstaaten und die Europäische Kommission zu erleichtern.
ESFRI ist ein Forum, in dem sich ein Vertreter der Europäischen Kommission und Vertreter der Mitgliedsstaaten zusammenfinden, die in ihrem jeweiligen Land Entscheidungsträger im Bereich der Forschungsinfrastrukturpolitik sind und von den für Forschung verantwortlichen Ministern ernannt werden. Das Ziel von ESFRI ist die Bereitstellung eines Überblicks über die Anforderungen an Forschungsinfrastrukturen von gesamteuropäischem Interesse in verschiedenen Bereichen der Wissenschaft und Technologie. Das im April 2002 ins Leben gerufene Forum zielt insbesondere auf die Unterstützung einer kohärenten und strategieorientierten Herangehensweise an die politische Entscheidungsfindung im Bereich Forschungsinfrastrukturen in Europa sowie die Erleichterung der multilateralen Initiativen. So soll eine verbesserte Nutzung und Entwicklung von Forschungsinfrastrukturen erreicht werden.

In Zusammenhang mit der ESFRI-Roadmap bezieht sich der Begriff "Forschungsinfrastrukturen" auf die erforderlichen Instrumente, die der wissenschaftlichen Gemeinschaft allgemeine Dienste für die grundlegende bzw. angewandte Forschung zur Verfügung stellen. Diese Instrumente können die gesamte Bandbreite von wissenschaftlichen und technologischen Bereichen abdecken, von den Sozialwissenschaften über die Astronomie bis hin zur Genetik und den Nanotechnologien. Beispiele für Forschungsinfrastrukturen sind unter anderem Bibliotheken, Datenbanken, biologische Archive, Reinräume, Kommunikationsnetzwerke, Forschungsschiffe, Einrichtungen für die Satelliten- und Luftüberwachung, Küstenwarten, Teleskope, Synchrotrone und Beschleuniger. Die Infrastrukturen können sich an einem Standort befinden, dezentral eingerichtet oder virtueller Natur sein.

Die Roadmap für neue Forschungsinfrastrukturen entspricht der ersten Phase eines stufenweisen Ansatzes, der zur Entwicklung von zukünftigen Forschungsinfrastrukturen in Europa führen soll. In dieser Anfangsphase haben die wissenschaftlichen und strategischen Kriterien die größte Bedeutung. In den darauffolgenden Phasen, die sich aus ESFRI entwickeln werden, gewinnen die technischen und finanziellen Kriterien zunehmend an Bedeutung und werden präziser formuliert.

Unterteilung

Um die Roadmap vorzubereiten, richtet ESFRI Lenkungsausschüsse ein. Die in ESFRI und der Europäischen Kommission vertretenen Länder werden aufgefordert, einen Delegierten für jeden Lenkungsausschuss zu benennen. Die Lenkungsausschüsse werden von ESFRI-Mitgliedern geleitet. Bei jedem ESFRI-Treffen wird jeder Vorsitzende über den Fortschritt in seinem Lenkungsausschuss berichten.

Es wurden bereits drei Lenkungsausschüsse eingerichtet. Sie decken die folgenden Bereiche ab:
- "Naturwissenschaften und Ingenieurwesen"
- "Biologie und Medizin"
- "Sozial- und Geisteswissenschaften"

Neue Lenkungsausschüsse können jederzeit eingerichtet werden.

Die Arbeit der Lenkungsausschüsse ist zweigeteilt:
1. Vorhandene Informationen zusammentragen und analysieren
In einer ersten Stufe werden die Lenkungsausschüsse das Vorhandensein von Roadmaps auf nationaler oder europäischer Ebene in den betroffenen Bereichen prüfen. Falls bereits eine europäische Roadmap existiert, wird ESFRI deren Angemessenheit und Vollständigkeit überprüfen. Die Lenkungsausschüsse werden außerdem die von der Europäischen Wissenschaftsstiftung (EWS) und dem Globalen Wissenschaftsforum (GSF) der OECD durchgeführten Zukunftsstudien nutzen, ebenso wie die Empfehlungen verschiedener Beratungsausschüsse.
Die Lenkungsausschüsse werden Informationen von formellen Gruppen der wissenschaftlichen und industriellen Gemeinschaften zusammentragen und um die Standpunkte wichtiger Interessenvertreter im Bereich der Forschungsinfrastrukturen bitten. Außerdem werden sie Informationen aus Verträgen oder Studien verwenden, die von der Europäischen Kommission unterstützt werden.
2. Einrichtung von Expertengruppen
In einer zweiten Phase, in der keine bestehenden Roadmaps zur Verfügung stehen und Lücken identifiziert werden, können die Lenkungsausschüsse von ESFRI bei Bedarf spezielle Expertengruppen einrichten. Das ist beispielsweise notwendig für Bereiche, in denen die wissenschaftliche Gemeinschaft noch nicht strukturiert ist, für sich überschneidende Bereiche an der Grenze der Lenkungsausschüsse oder für interdisziplinäre oder neu entstehende Gebiete. Die Mitglieder der Expertengruppen werden von den Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission ernannt. Zu den Gruppen können auch nichteuropäische Experten gehören. Im Gegensatz zur Situation in den Lenkungsausschüssen (und bei ESFRI selbst) werden die Mitglieder einer Expertengruppe nicht als Delegierte eines Forschungsministers behandelt. Die Arbeitsergebnisse der Lenkungsausschüsse werden ESFRI in Form einer Empfehlung präsentiert.

Es werden eine Reihe von Kriterien genutzt, um die Forschungsinfrastrukturprojekte auszuwählen, die Teil der strategischen Roadmap werden können. Einige Kriterien müssen wahrscheinlich an die spezifische Situation im jeweiligen Bereich angepasst werden. Die Kriterien können in drei Kategorien unterteilt werden:

a. Allgemeine Kriterien
Die zu integrierenden Infrastrukturprojekte sollen:
- mit der allgemeinen Definition von "Forschungsinfrastruktur" übereinstimmen, die oben erläutert wurde;
- neue Infrastrukturen oder wesentliche Verbesserungen bestehender Infrastrukturen sein.

b. Wissenschaftliche/strategische Kriterien
Die Infrastrukturprojekte sollen:
- einem echten Bedürfnis nach der Entwicklung des spezifischen Forschungsbereiches in Europa entsprechen;
- von der geeigneten wissenschaftlichen Gemeinschaft auf europäischer Ebene unterstützt werden;
- von gesamteuropäischem Interesse sein;
- Einrichtungen für mehrere Nutzer sein und einen offenen Zugang (physisch oder virtuell) für Wissenschaftler aus ganz Europa bieten;
- auf internationaler Ebene von Bedeutung sein.

c. Technische und finanzielle Kriterien
Die Infrastrukturprojekte sollen:
- zeitgemäß und ausgereift sein;
- technisch realisierbar sein;
- neue Möglichkeiten eröffnen oder eine verbesserte technologische Leistung bieten;
- festgesetzte Errichtungs- und Betriebskosten beinhalten;
- gute Möglichkeiten für europäische Partnerschaften und ein Engagement bedeutender Interessengruppen bieten.

Ausführung

Für die Vorbereitung der Roadmap wird eine eindeutige und transparente Methode genutzt. Der Gesamtprozess soll alle Garantien für Unparteilichkeit gewährleisten und von allen Interessengruppen anerkannt werden. Bevor eine bestimmte Infrastruktur in die Roadmap integriert werden kann, wird ein stufenweiser Ansatz mit strikten Richtlinien verfolgt. Dieser Ansatz und die entsprechenden Richtlinien müssen von jedem Lenkungsausschuss erstellt und dem ESFRI zur Genehmigung vorgelegt werden. Sobald ESFRI eine Entscheidung über eine Roadmap getroffen hat, wird diese umgehend auf der ESFRI-Website veröffentlicht.

Interessierte Parteien im jeweiligen Bereich werden eine Möglichkeit erhalten, den Prozess mitzubestimmen ohne dabei das Ergebnis unangemessen zu beeinflussen. Von den Expertengruppen einberufene Workshops können eine wichtige Rolle bei der Beweisbildung und der Förderung von Diskussionen und einheitlichen Standpunkten spielen. Die Mitglieder der Expertengruppen müssen Interessenkonflikte jeder Art mitteilen.

Die Vorbereitung der Roadmap wird ein andauernder Prozess sein, der sich über mehrere Jahre erstrecken wird. Der Lenkungsausschuss wird mit seiner Arbeit im Januar 2005 beginnen. Im März 2005 wird der Kommission und den Mitgliedsstaaten die erste Roadmap vorgestellt. Danach wird die Roadmap jährlich aktulisiert.

Die Europäische Kommission beabsichtigt die Nutzung dieser Roadmap als Grundlage für die Erstellung einer Liste mit Schwerpunktprojekten für neue Forschungsinfrastrukturen von gesamteuropäischem Interesse. Diese Liste wird regelmäßig aktualisiert und muss vom Rat genehmigt werden. Die Schwerpunktprojekte werden mit der Unterstützung der Gemeinschaft innerhalb des Rahmenprogramms für Forschung und Technologische Entwicklung entwickelt. In diesem Zusammenhang werden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, gleichzeitig ihre eigenen Prozesse und zeitlichen Rahmen zu entwickeln.

Bemerkungen

Dieser Bericht stützt sich auf eine Mitteilung von ESFRI vom 17. Dezember 2004.
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