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Programmfinanzierung

EUR 50 million

Referenz zum Amtsblatt

L143 von 2004-04-30

Rechtsrahmen

Decisione n. 803/2004/CE von 2004-04-21
Ziel des Daphne II-Programms ist die Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen und Frauen sowie der Schutz von Opfern und gefährdeten Gruppen.

Kurzbeschreibung

Das Daphne II-Programm leistet einen Beitrag zum allgemeinen Ziel, Bürgern ein hohes Maß an Schutz vor Gewalt zu bieten. Dazu gehört auch der Schutz der körperlichen und seelischen Gesundheit. Programmziel ist die Verhütung und Bekämpfung aller Formen von Gewalt, die in der Öffentlichkeit oder im privaten Bereich gegenüber Kindern, Jugendlichen und Frauen angewandt werden, indem vorbeugende Maßnahmen ergriffen sowie Opfer und gefährdete Gruppen unterstützt werden. Hierzu gehört insbesondere die Vermeidung einer zukünftigen Gewaltanwendung gegen diese Personen.

Daphne II unterstützt und fördert außerdem die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NRO) und anderen Einrichtungen, die in diesem Bereich tätig sind, und setzt sich für die Einrichtung eines länderübergreifenden Netzwerkes für Schulungsmaßnahmen, Informationserwerb, Untersuchungszwecke und den Austausch bewährter Praktiken ein, da die Ziele nicht von den einzelnen Mitgliedsstaaten allein erreicht werden können.

Unterteilung

Die während des Daphne II-Programms durchgeführten Aktivitäten sollen:
- a) länderübergreifende Maßnahmen fördern;
- b) von der Kommission ins Leben gerufene Ergänzungsmaßnahmen anwenden (Studien, die Formulierung von Indikatoren, die Datenerfassung, nach Geschlecht und Alter aufgeschlüsselte Statistiken, Seminare, Expertenmeetings und andere Aktivitäten zur Stärkung der Wissensgrundlage des Programms) und die während dieses Programms gewonnenen Informationen verbreiten.

A.) Länderübergreifende Maßnahmen:
1. Ermittlung und Austausch bewährter Praktiken und Arbeitserfahrungen
Ziel ist die Unterstützung und Förderung des Austauschs, der Übernahme und Nutzung bewährter Praktiken mit besonderem Schwerpunkt auf:
- Verhütung;
- Schutz und Unterstützung von Opfern;
- Verfahren zum Schutz der besten Interessen von Kindern, hierbei besonders von Opfern der Prostitution, Jugendlichen und Frauen, die Opfer von Gewalt sind;
- Messung der tatsächlichen Auswirkungen der verschiedenen Arten von Gewalt auf Opfer und Gesellschaft in Europa, um geeignete Lösungsansätze zu erarbeiten.

2. Mapping-Umfragen, Studien und Forschung
Ziel ist die Untersuchung der verschiedenen Phänomene in Zusammenhang mit Gewalt, um:
- die verschiedenen Ursachen, Umstände und Mechanismen des Auftretens und der Zunahme von Gewalt zu erforschen und zu bewerten, hierzu zählt auch die Ausführung von Handlungen wie Betteln oder Diebstahl unter Nötigung;
- bestehende Verhütungs- und Schutzmodelle zu analysieren und zu vergleichen;
- Verhütungs- und Schutzverfahren zu entwickeln;
- die Auswirkungen von Gewalt - auch in gesundheitlicher Hinsicht - sowohl auf die Opfer als auch auf die Gesellschaft als Ganzes zu bewerten, einschließlich der wirtschaftlichen Kosten;
- die Reichweite für eine Entwicklung von Filtern zu untersuchen, die die Verbreitung von pädophilen Materialien über das Internet verhindern.
- Studien über Kinder durchzuführen, die Opfer von Prostitution sind, damit dieses Phänomen durch ein besseres Verständnis der Risikofaktoren vermieden werden kann.

3. Feldarbeit unter Einbeziehung der Begünstigten
Ziel ist der aktive Einsatz von bewährten Verfahren im Rahmen der Verhütung von und des Schutzes vor Gewalt sowie die Unterstützung der Implementierung von Methoden, Schulungsmodulen und Hilfsverfahren (psychologisch, medizinisch, sozial, bildungstechnisch, rechtlich und zur Wiedereingliederung) unter direkter Einbeziehung der Begünstigten.

4. Einrichtung langfristiger multidisziplinärer Netzwerke
Ziel ist die Unterstützung der Einrichtung und Stärkung von multidisziplinären Netzwerken sowie die Förderung und Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen NRO und den verschiedenen Organisationen und öffentlichen Stellen, um so die Kenntnis und das Verständnis ihrer jeweiligen Rollen zu verbessern und für Opfer von Gewalt sowie gefährdete Personen eine umfassende multidisziplinäre Unterstützung bereitzustellen. Um die Probleme von Gewalt anzugehen, werden innerhalb der Netzwerke Maßnahmen ergriffen, die:
- einen gemeinsamen Rahmen für die Analyse von Gewalt schaffen sollen, einschließlich der Definition verschiedener Arten von Gewalt, der Ursachen von Gewalt und all ihrer Konsequenzen, sowie der Durchführung geeigneter bereichsübergreifender Lösungsansätze;
- die Arten und die Effizienz von Maßnahmen und Verfahren zur Verhütung und Ermittlung von Gewalt und zur Bereitstellung von Unterstützung für Gewaltopfer bewerten sollen, insbesondere um sicherzustellen, dass diese Personen nie wieder Gewalt ausgesetzt werden;
- Maßnahmen fördern sollen, welche dieses Problem sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene angehen.

5. Schulung und Ausarbeitung didaktischer Module
Ziel ist die Entwicklung didaktischer Module über die Verhütung von Gewalt und die positive Behandlung sowie die Ausarbeitung und Überprüfung von didaktischen Modulen und Maßnahmen über die Verhütung von Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen und Frauen sowie über die positive Behandlung und die Konfliktbewältigung zur Nutzung in Schulen, Bildungseinrichtungen für Erwachsene, Verbänden, Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und NRO.

6. Entwicklung und Durchführung von Behandlungsprogrammen
Ziel ist die Entwicklung und Durchführung von Behandlungsprogrammen für Opfer und gefährdete Personen wie beispielsweise Kinder und Jugendliche, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, auf der einen Seite und für Täter auf der anderen Seite mit dem Ziel der Gewaltverhütung. Um die möglichen Ursachen, Umstände und Mechanismen des Auftretens und der Zunahme von Gewalt zu ermitteln, einschließlich der Art und der Motivation von Gewalttätern und Nutznießern kommerzieller Gewalt wie sexueller oder nicht sexueller Ausbeutung. Um auf Grundlage der oben erläuterten Ergebnisse Behandlungsprogramme zu entwickeln, zu testen und durchzuführen.

7. Auf eine spezifische Zielgruppe gerichtete Sensibilisierungsmaßnahmen
Ziel ist die Schärfung des Bewusstseins für und die Vertiefung des Verständnisses über Gewalt und die Verhütung von Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen und Frauen, um die Null-Toleranz gegenüber Gewalt, die Bereitstellung von Unterstützung für Opfer und gefährdete Gruppen sowie die Berichterstattung über Fälle von Gewalt zu fördern. Förderfähig sind unter anderem die folgenden Maßnahmenarten:
- Entwicklung und Durchführung von an Kinder, Jugendliche und Frauen gerichteten informativen und sensibilisierenden Maßnahmen, besonders hinsichtlich potenzieller Gewaltrisiken und der Möglichkeiten, diese zu vermeiden; zu weiteren Zielgruppen könnten auch bestimmte Berufsgruppen wie Lehrer, Erzieher, Ärzte, Jugend- und Sozialarbeiter, Rechtsanwälte, Polizeibehörden und die Medien gehören;
-Entwicklung gemeinschaftsweiter Informationsquellen, um NRO und öffentliche Stellen zu unterstützen und über öffentlich verfügbare Informationen in Kenntnis zu setzen, die sich auf Gewalt, die Mittel zu deren Verhütung und die Rehabilitierung von Opfern beziehen und von staatlichen, nichtstaatlichen, akademischen und anderen Quellen zusammengestellt wurden; dadurch soll die Einbindung der Informationen in alle einschlägigen Informationssysteme ermöglicht werden;
-Förderung der Einführung von Maßnahmen und spezifischen Dienstleistungen, um den Behörden in verstärktem Maße über Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen sowie über verschiedene Formen des Handels mit Kindern, Jugendlichen und Frauen zur sexuellen und nicht sexuellen Ausbeutung berichten zu können;
- Förderung von öffentlichkeitswirksamen Kampagnen unter Verwendung von Massenkommunikationsmitteln, die sich auf die Verurteilung von Gewalt und auf die Bereitstellung von Hilfe für Opfer in Form von psychologischer, moralischer und praktischer Unterstützung richten.

B.) Ergänzungsmaßnahmen:
Um zu gewährleisten, dass alle Bereiche des Programms vollständig abgedeckt werden, auch wenn es an (geeigneten) Vorschlägen für einen bestimmten Bereich fehlt, wird die Kommission proaktivere Aktivitäten ausführen, um jegliche Lücken zu füllen. Folglich werden innerhalb des Programms Ergänzungsmaßnahmen finanziert, welche von der Kommission initiiert wurden, um:
-die Entwicklung von Indikatoren für Gewalt zu ermöglichen, damit die quantifizierten Auswirkungen von Richtlinien und Projekten gemessen werden können. Grundlage hierfür müssen vorhandene Erfahrungen mit allen Formen von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen sein;
- ein Verfahren für die regelmäßige und langfristige Datenerfassung zu erstellen, vorzugsweise mit der Unterstützung von Eurostat, damit Gewalt in der Union mit einer höheren Genauigkeit quantifiziert werden kann;
- wo immer möglich, politische Fragen angesichts der durch finanzierte Projekte erreichten Ergebnisse zu bestimmen mit dem Ziel, eine gemeinsame Politik gegen Gewalt auf Gemeinschaftsebene vorzuschlagen und die richterliche Praxis zu stärken;
- die finanzierten Projekte zu analysieren und zu bewerten mit dem Ziel, ein Europäisches Jahr gegen Gewalt vorzubereiten;
- aus finanzierten Projekten stammende bewährte Praktiken europaweit zu verbreiten.

Ausführung

Die Kommission ist verantwortlich für die Leitung und Implementierung von Daphne II und sorgt dafür, dass jedes durch dieses Programm geförderte Ergebnis oder Produkt kostenlos und in elektronischer Form zur Verfügung gestellt wird. Mit Hinblick auf die Implementierung des Programms gewährleistet die Kommission einen ausgeglichenen Ansatz, der die drei Zielgruppen (Kinder, Jugendliche und Frauen) berücksichtigt. Die Kommission wird von einem Komitee unterstützt, das seine eigenen Verfahrensregeln anwendet.

Die Kommission ergreift alle erforderlichen Maßnahmen, um die Überwachung und die regelmäßige Bewertung von Daphne II zu gewährleisten. Bis spätestens zum 1. Juni 2006 muss die Kommission dem Europäischen Parlament und Rat einen Bewertungsbericht vorlegen, in dem die Bedeutung sowie die bisher erzielte Nützlichkeit, Wirksamkeit und Effizienz des Daphne II-Programms beurteilt werden. Dieser Bericht soll auch eine Vorabeinschätzung umfassen, um mögliche zukünftige Maßnahmen zu unterstützen.

Daphne II steht für eine Beteiligung durch öffentliche und private Organisationen und Einrichtungen offen, die im Bereich der Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen und Frauen sowie des Schutzes dieser Personen vor Gewalt tätig sind. Außerdem können an diesem Programm Organisationen aus den EFTA/EWR-Staaten sowie aus Rumänien, Bulgarien und der Türkei teilnehmen. An den Projekten müssen mindestens zwei Mitgliedsstaaten beteiligt sein. Die Projekte dürfen überdies höchstens zwei Jahre dauern und müssen auf die Ziele des Programms ausgerichtet sein.

Der finanzielle Rahmen für die Implementierung des Daphne II-Programms im Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2008 wurde auf 50 Millionen Euro festgelegt. Die jährlichen Fördermittel werden von der Haushaltsbehörde innerhalb der Grenzwerte des Finanzierungskonzeptes genehmigt. Auf die Entscheidungen über eine Finanzierung sollen Beihilfeabkommen zwischen der Kommission und den Empfängern der Beihilfe folgen. Der Anteil der finanziellen Unterstützung aus dem Budget der Gemeinschaft an den Gesamtkosten des Projektes sollte nicht mehr als 80% betragen.
Die von der Kommission ins Leben gerufenen Ergänzungsmaßnahmen wie beispielsweise Studien, die Formulierung von Indikatoren, die Datenerfassung, nach Geschlecht und Alter aufgeschlüsselte Statistiken, Seminare, Expertenmeetings und andere Aktivitäten zur Stärkung der Wissensgrundlage des Programms sowie zur Verbreitung der während dieses Programms gewonnenen Informationen können jedoch eine Finanzierung von bis zu 100% erhalten, wobei ein Höchstbetrag von 15% der gesamten jährlichen finanziellen Zuwendung für dieses Programm festgelegt wird.

Die Kommission kann bei der Ausführung des Programms technische Unterstützung durch Organisationen und Experten in Anspruch nehmen, deren Finanzierung innerhalb des gesamten finanziellen Rahmens gewährleistet wird.

Bemerkungen

DAPHNE II wurde durch einen Beschluss des Rates mit der Nr. 803/2004/EG vom 21. April 2004 eingerichtet. Das Programm erstreckt sich über den Zeitraum von 2004 bis 2008 und verfügt über ein Budget von 50 Millionen Euro.
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