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DATA SIM: Was wäre, wenn wir alle mit Elektroautos fahren würden?

Die Technologie hinter der Konstruktion von Elektrofahrzeugen wird stetig verbessert, und die EU prognostiziert, dass die Serienfertigung dieser Fahrzeuge bis zum Jahr 2020 anlaufen könnte. Indem sie GPS und GSM-Ortsdaten auf völlig neue Weise einsetzten, simulierten die Forscher des europäischen DATA SIM-Projekts die Folgen eines flächendeckenden Umstiegs auf Elektrofahrzeuge und studierten die Auswirkungen auf die Mobilitäts- und Stromversorgungsnetze.
DATA SIM: Was wäre, wenn wir alle mit Elektroautos fahren würden?
Die prognostizierte großflächige Anwendung von Elektrofahrzeugen wird unsere Art zu reisen verändern und sich darauf auswirken, wo und wann wir auf das Stromnetz zugreifen.

Um den Umstieg auf diese Fahrzeuge vorzubereiten, ist es entscheidend, die Folgewirkungen ihrer großflächigen Nutzung zu kennen. Das EU-RP7-Projekt DATA SIM wurde durchgeführt, um die Konsequenzen dieses großangelegten Umstiegs einzuschätzen, sodass politischen Entscheidungsträgern Maßnahmen empfohlen werden können.

Detaillierte Informationen zum europäischen Verkehr durch "Big Data"

Bisher nutzten Forscher zur Abbildung des Verkehrsflusses nur allgemeine Kriterien, z. B. die Beschäftigungsentwicklung in einer Region. Fahrer führten Protokolle, hielten ihre Reisen fest und füllten Fragebögen aus. Diese Informationen waren zwar hilfreich, jedoch nicht vollkommen zuverlässig, da Menschen unter Umständen ungenaue oder falsche Angaben machen.

Die Projektmitglieder entwickelten einen völlig neuen und hoch detaillierten Zeit-Raum-Ansatz auf Grundlage der gewaltigen Datenmengen von GSM und GPS.

Mit diesem neuen Verhaltensmodell kann vorhergesagt werden, was geschähe, wenn wir morgen alle auf Elektroautos umstiegen.

"Man könnte beispielsweise abbilden, wie viele Menschen wie lange und wie weit mit der aktuellen Technologie mit Elektroautos fahren, und dann die Entwicklungen simulieren, die mit einer Verbesserung der Technologie zu erwarten wären", erklärt Projektkoordinator Professor Davy Janssens von der Universität Hasselt in Belgien.

Intelligentere Stromnetze

Wenn die Forscher herausfinden, wie sich die Menschen am Steuer verhalten und wie weit sie wahrscheinlich fahren werden, können sie auch eruieren, wo und wie stark der Energiebedarf voraussichtlich steigen wird.

Janssens führt aus: "Wir können feststellen, ob in bestimmten Gebieten ein Risiko auf Energieknappheit besteht, wenn eine gegebene Anzahl von Fahrzeugen aufgeladen wird. Wenn zu viele Elektrofahrzeuge gleichzeitig aufgeladen werden, könnte dann zum Beispiel die Straßenbeleuchtung erlöschen?"

Antworten auf diese Fragen sind für politische Entscheidungsträger von Bedeutung, damit sie das Netzwerk in den betreffenden Regionen ausbauen oder die Standorte von Ladestationen neu verteilen können.

Ein zentrales Problem mit erneuerbaren Energien ist ihre ungleichmäßige Verfügbarkeit, da ihre Erzeugung von Spitzen und Tiefen gekennzeichnet ist. Die Mitglieder von DATA SIM untersuchten daher auch die Möglichkeit, Elektrofahrzeuge zur Zwischenspeicherung der zu Spitzenzeiten übermäßig produzierten Energie zu verwenden und diese bei Bedarf wieder ins Stromnetz zurückzuspeisen, wenn die Fahrzeuge parken.

Geschickte Koordination zwischen Mensch und Maschine

Unabhängig davon, ob es um Car Sharing, Car Pooling oder das Aufladen und Fahren von Autos geht – die Koordination unserer Interaktion mit Fahrzeugen ist entscheidend, um den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten.

"Erstmals wurden Data Mining, Datenbankverwaltung, komplexe Systeme, Verkehr, Energie und Informatik kombiniert, um praktische Lösungen für die Mobilität zu finden", sagt Janssens.

Das Projekt wurde nach dreijähriger Laufzeit im August 2014 abgeschlossen, und die Forscher werden weiter auf ihren Erfolgen aufbauen, um durch effiziente Nutzung großer Datenmengen neue Lösungen für den Mobilitätsmarkt zu finden. Die Mitglieder von DATA SIM ziehen die Gründung zweier Spin-off-Unternehmen in Erwägung, und die Pläne befinden sich derzeit im Entwicklungsstadium.

Das Konsortium des Projekts umfasste neun Partner aus sieben Ländern und erhielt 2,3 Millionen Euro an Fördergeldern von der EU.

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Schlüsselwörter

Internet, Informationstechnologie, Elektrofahrzeuge, Verkehrsfluss, Computermodellierung, Zeit-Raum-Mikrosimulation, EU, CORDIS, RP7
Datensatznummer: 158710 / Zuletzt geändert am: 2015-03-04
Informationsquelle: CNECT story (de)