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Egoismus bei Infektionen ist mehr als angebracht

Die Bekämpfung von Infektion ist für den Körper sehr energieaufwändig. Europäische Forscher untersuchten nun das Molekül, das die anfänglich für die Immunreaktion benötigte Energieumverteilung initiiert.
Egoismus bei Infektionen ist mehr als angebracht
Das EU-finanzierte Projekt IMMUNE ENERGY (Extracellular adenosine role in energetic metabolism during immune response) schulte Forscher zu Infektionstechniken am Fruchtfliegenmodell Drosophila. Auf dieser Basis konnte dann die Rolle von extrazellulärem Adenosin bei der Energieregelung der Immunantwort genauer untersucht werden.

Die Manipulation von Energie bei der Immunantwort zeigte unterschiedliche Ergebnisse bei den drei Modellen –Streptococcus pneumoniae, Listeria monocytogenes (intrazellulärer Erreger) und einem Wespenparasiten, der das Ei im Körper von Fruchtfliegenlarven ablegt. Jedoch benötigten alle drei Modelle Adenosin, das von Immunzellen produziert wird, wenn der Infektionsprozess beginnt. Dieses Molekül aktiviert einen metabolischen Schalter, der für das Immunsystem Energie aus dem Rest des Körpers bereitstellt. Adenosinmangel schränkt diese Reaktion deutlich ein.

Der Begriff des egoistischen Immunsystems, das beim Energiebedarf in der Hierarchie ganz oben steht, ist kein einfaches Konzept. Obwohl sich durch Blockierung des Adenosinsignalwegs der Widerstand verringert und eine erhöhte Adenosinkonzentration die Reaktion auf eine Streptokokken-Infektion verstärkt, gibt es Ausnahmen.

Eine Verstärkung des Adenosineffekts wirkt bei chronischer Listerieninfektion kontraproduktiv. Interessanterweise verkürzt eine strenge Regulierung die Lebensdauer. Unter normalen Bedingungen ohne Stress hingegen verlängert eine verringerte Adenosinkonzentration die Lebensdauer. Die Ergebnisse werden demnächst veröffentlicht. Die komplexen Wirt-Pathogen-Interaktionen und Adenosin-vermittelte Rolle der Energieregulierung bei diesen Wechselwirkungen war Thema des Einstiegvortrags auf der renommierten Drosophila-Jahreskonferenz (Annual Drosophila Research Conference) im Jahr 2014.

Videos zu den Projektinhalten sind unter YouTube abrufbar. Der grausame Prozess, mit dem Legimmen Drosophila-Larven infizieren, kann zwei Arten von Immunreaktionen auslösen und ist aus wissenschaftlicher Sicht sehr spannend. Unter Laborwebseite kann dem Laborforschungsteam von IMMUNE ENERGY bei der Arbeit über die Schulter geschaut werden.

Die These vom egoistischen Immunsystem könnte in abgewandelter Form auch für die Pathogenese heutiger Autoimmunkrankheiten wie Diabetes und Adipositas gelten. Neue Erkenntnisse zu diesem Aspekt von Immunität könnten für die Wissenschaft und öffentliche Gesundheit von großer Bedeutung sein. Das von IMMUNE ENERGY entwickelte Drosophila-Modell lässt sich möglicherweise erweitern, um Mechanismen wie etwa das metabolische Syndrom zu entschlüsseln.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Infektion, Immunantwort, Drosophila, Adenosin, egoistisches Immunsystem
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