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FP7

PRIPAR Ergebnis in Kürze

Project ID: 329841
Gefördert unter: FP7-PEOPLE
Land: Niederlande

Gesellschaftsrecht der frühen Moderne

Ein EU-Team untersuchte Praktiken aus dem 17. Jahrhundert in Bezug auf das Gesellschaftsrecht in den Niederlanden. Die Studie ergab, mehr lokale Variation als erwartet, was die Allgemeingültigkeit des Gewohnheitsrechts der Handelsleute in Frage stellt.
Gesellschaftsrecht der frühen Moderne
Das EU-finanzierte Projekt PRIPAR (Early modern private partnerships and company law in the Meuse-Rhine region) hat sich mit diesem Thema befasst. Darüber hinaus ging es um den Vergleich der Erkenntnisse mit dem sogenannten Mythos von der "lex mercatoria" (Gewohnheitsrecht der Handelsleute) und um die Ursprünge des Frühkapitalismus.

Die Forschung umfasste zwei Fallstudien zu den gewerblichen Einrichtungen in Maastricht und Lüttich. Das Team untersuchte überlieferte notarielle Urkunden von 1651 und 1655, in denen 9 beziehungsweise 16 Partnerschaftsabkommen für Maastricht und Lüttich verzeichnet waren. Die Analyse ergab Praktiken, die sowohl lokal spezifisch für die Niederlande galten als auch solche für ganz Europa.

Die Forscher kamen zu den folgenden Schlussfolgerungen: Partnerschaftsabkommen wurden trotz erheblicher Vertragsfreiheit in der gesamten Region in ähnlicher Weise ausgelegt. Die Vertragsklauseln zielten in der Regel darauf, Gewinne zu maximieren und sie gerecht zu verteilen. Bestimmte andere Klauseln sollten den Fortbestand der Partnerschaft gewährleisten. Nur frühe Minenverträge boten eine prägnante Ausnahme.

Die Studie ergab eine lokale Variation. Während die Bewohner von Antwerpen private Partnerschaften für Handelszwecke bevorzugten, nutzten die Einwohner von Lüttich notarielle Partnerschaftsabkommen hauptsächlich für Bergbau- und Metallurgie-Aktivitäten. Die Geschäftsleute von Maastricht bevorzugten Partnerschaftsabkommen in Bezug auf die Nutzung von lokalen Steuern. Andere lokale Variationen in Bezug auf Haftung und Übertragbarkeit waren auch zu erkennen.

Die Ergebnisse widerlegen scheinbar das Konzept des Gewohnheitsrechts der Kaufleute: Personen, die angeblich einen umfassenden Satz von Regeln zur Förderung des internationalen Handels schufen. Es scheint nun, dass in den Niederlanden die Partnerhaftung für Verpflichtungen des Anderen von der Industrie, für die das Unternehmen gegründet wurde, abhing. Insofern scheinen örtliche Unternehmen unter Bedingungen gearbeitet haben, die weniger streng waren, als die Statuten der Stadt Antwerpen von 1608. Stattdessen waren in den frühen modernen Niederlanden Unternehmen weniger durch die Regeln von Firmendefinitionen und Zusammensetzung gebunden. Dies führte zu der Schlussfolgerung, dass die "lex mercatoria" weniger universell war, als früher angenommen.

PRIPAR hat dazu beigetragen, unser Verständnis vom frühen modernen Gesellschaftsrechts zu revidieren. Solche Erkenntnisse führen zu einem Umdenken in Bezug auf die heutige starre Unternehmenskategorisierung.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

frühe Neuzeit, Gewohnheitsrecht der Handelsleute, Kaufmann, private Partnerschaften, Gesellschaftsrecht, lex mercatoria, Handelskapitalismus, Niederlande
Datensatznummer: 180917 / Zuletzt geändert am: 2016-03-30
Bereich: Industrielle Technologien