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FP7

MARCI Ergebnis in Kürze

Project ID: 332402
Gefördert unter: FP7-PEOPLE
Land: Niederlande

Einfluss elektronischer Hörimplantate auf die Sprachverarbeitung

Chirurgisch eingesetzte Cochlea-Implantate (CIs) erlauben die vollständige oder teilweise Wiederherstellung des Gehörs, sind jedoch nicht ohne Nachteile. Eine EU-Initiative untersuchte nun genauer, wie CIs die automatischen Mechanismen der Sprachverarbeitung beeinflussen.
Einfluss elektronischer Hörimplantate auf die Sprachverarbeitung
Die vielen Vorteile elektronischer Hörgeräte für Menschen mit hochgradiger Hörminderung oder Gehörlose sind nicht zu leugnen. Allerdings fällt es Trägern zum Teil sehr schwer, Klänge, die sie über das CI hören, mit bereits bekannten bzw. gehörten Klängen zu assoziieren. Die Schwierigkeit, ungewohnte Klänge, die über ein CI gehört werden, zu entschlüsseln, kann das Sprach- und Klangverstehen behindern.

Um das Problem zu beheben, untersuchte das EU-finanzierte Projekt MARCI (Mental representations of and adaptation to the speech signal transmitted via cochlear implants: How the impoverished signal finds its way to the mental lexicon) die Funktionsweise bestimmter Mechanismen, die Sprachwahrnehmung beim CI-Träger ermöglichen. Als Grundlage dienten Sprachwahrnehmungsmodelle, die zuvor für normal hörende Probanden entwickelt worden waren.

Die Projektpartner untersuchten, wie die Sprachverarbeitung beim CI mit der Architektur der Sprachwahrnehmung und lexikalischen Zugriffsmodellen korreliert. Die Modelle wurden dann mit Strategien der kortikalen Verarbeitung verknüpft, um zu klären, wie CI-Benutzer bei der ersten Nutzung ihre Sprachverarbeitung an das implantierte Gerät anpassen. Sie untersuchten die Entwicklung der Sprachverarbeitung bei Langzeit-CI-Trägern und beobachteten, wie sich ein Träger nach und nach an ein neues Implantat anpasst.

Die Analyse ergab, dass die von einem CI übertragenen Sprach-simulierenden Signale das Hören von Sprache beeinträchtigen und den Zugang zu akustischen Informationen des Signals behindern. Die Signale verzögern auch den lexikalischen Zugriff und das Verständnis semantischer Informationen aus einem Satz. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass die Automatisierung der Sprachverarbeitung bei CI-Trägern länger dauert als bei normal Hörenden.

MARCI erweiterte den Kenntnisstand und füllte die Forschungslücke zur CI-Sprachverarbeitung, was neben der Wiederherstellung des Hörvermögens für Patienten auch Geräteherstellern zugute kommen wird.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Sprachverarbeitung, Hörgeräte, Cochlea-Implantate, MARCI, Sprachsignal
Datensatznummer: 181173 / Zuletzt geändert am: 2016-05-11
Bereich: Biologie, Medizin