Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

FP7

SCECI Ergebnis in Kürze

Project ID: 327538
Gefördert unter: FP7-PEOPLE
Land: Spanien

Emotion und Identität: medizinische, sozialwissenschaftliche und kulturelle Perspektiven

Wie werden medizinische Emotionsbegriffe in Kino- und TV-Filmen widergespiegelt? Wie pflanzen sie sich in der sozialwissenschaftlichen Forschung fort? Welchem Wandel unterliegen sie? Und welche Konzepte über Emotion und kulturelle Identität haben audiovisuelle Produktionen seit den 1950ern propagiert?
Emotion und Identität: medizinische, sozialwissenschaftliche und kulturelle Perspektiven
Das EU-finanzierte Projekt SCECI (Scientific Concepts of Emotion and Cultural Identities) argumentiert dahingehend, dass ein transdisziplinärer Ansatz erforderlich ist, um zeitgenössischen Konzepte des Selbst, der emotionalen Identität und des gesellschaftlichen Wandels zu verstehen. Ausgehend von den Annahmen, dass (a) medizinische und psychologische Emotionsbegriffe zutiefst unsere Begriffe vom Selbst und von Identität prägen, dass (b) Kino- und TV-Filme zu den dominierenden Medien geworden sind, durch die kulturelle Konzepte zum Ausdruck gebracht und verbreitet werden, und dass (c) die Sozialwissenschaften den kulturellen Wandel auf einer theoretischen Ebene nachverfolgen, kombinierte das Projekt die Perspektiven aller drei Disziplinen. Zunächst untersuchte es, wie Emotionen in der medizinischen Forschung konzeptualisiert werden. Zweitens verfolgt es die Transformation dieser Konzepte in der sozialwissenschaftlichen Literatur nach. Und drittens analysiert es die Widerspiegelung wissenschaftlicher Begriffe von Emotionen in audiovisuellen Produktionen.

Zuerst verdeutlichte das Projekt die Emotionsterminologie und konzentrierte sich auf die drei Schlüsselbegriffe, die am häufigsten in der medizinischen und psychologischen Forschung genutzt werden, um Emotionen zu gestalten, und zwar grundlegende Emotionen, Stress und Angst. Diese Konzepte erwiesen sich als fruchtbar, um sich Emotionen aus transdisziplinärer Perspektive zu widmen und Licht in emotionale Größenordnungen und kulturelle Veränderungen zu bringen. Da sich beispielsweise der Begriff Stress von der Physiologie in den 1950er Jahren bis in die spätere Psychologie und Soziologie zwischen den Disziplinen bewegte, verlagerte sich die Bedeutung und wurde zu einem allgemeinen Begriff zur Bezeichnung jeglicher emotionaler Beschwerden im Zusammenhang mit den Missständen der Gesellschaft. Stress, stressbedingte Erkrankungen und sich verschiebende ätiologische Zuordnungen dienten dazu, die emotionale Verfassung einer Person zu charakterisieren, die in Kino- und Fernsehfilmen zu uns zurückreflektiert wurde, wobei sowohl eine Spiegelung als auch eine Prägung des gesellschaftlichen Wandel erfolgte.

Eine Nachverfolgung der Evolution, des Ausdrucks und der Verwendung von beiden, der Konzepte von Grundemotionen und von Angst im medizinisch-psychologischen Kontext und in den audiovisuellen Medien bezeugt kontroverse Ansätze zum Begriff der Universalität von Emotionen, die in audiovisuellen Produktionen stillschweigend vorausgesetzt, aber in den Sozialwissenschaften bestritten wird. Die Angst rückt schließlich die vielschichtige Natur der Gefühle in deren individuellen und sozialen Aspekten in unterschiedlichen Kontexten in den Vordergrund. Überdies ist die Angst von Nutzen, um den Blick auf Kino- und TV-Filme zu lenken, die als ein Indikator und Förderer der sich verschiebenden emotionalen Werte und emotionalen Regime zu lesen sind. Die Kriminalliteratur ist in diesem Zusammenhang ein Schlüsselgenre, das gleichermaßen gut theoretisiert wird, und noch weiter untersucht werden wird.

Überraschenderweise kommt das Projekt zu dem Schluss, dass, während der Konsum von Kino- und Fernsehfilmen ein fester Bestandteil der zeitgenössischen Praktiken ist, welche kulturelle Identität darstellen und emotionale Rollenmodelle erschaffen, auf die wir uns gefühlsmäßig beziehen können, direkte soziale Interaktion und religiösen Überzeugungen mehr Einfluss auf das individuelle Verhalten und Gefühle zu haben scheinen als die Filme. Eine weiterführende Erforschung der Einflussnahme der audiovisuellen Medien auf die Gestaltung kultureller Überzeugungen, von Identität und emotionalen Werten ist notwendig.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Emotion, Gefühl kulturelle Identität, Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaften, Filme, Fernsehen
Datensatznummer: 182713 / Zuletzt geändert am: 2016-05-18
Bereich: Industrielle Technologien