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Grammatik- und Gedächtnisdefizite bei agrammatischer Aphasie und Alzheimer

Eine EU-Studie untersuchte, wie neurologische Erkrankungen Sprecher verschiedener Sprachen beeinträchtigen können. Dabei entdeckte man bestimmte Muster grammatikalischer Störungen bei griechischen, italienischen und deutschen Sprechern.
Grammatik- und Gedächtnisdefizite bei agrammatischer Aphasie und Alzheimer
Neurologische Erkrankungen wie Aphasie und der Alzheimer-Variante pAD (probable Alzheimer's disease) führen zu Sprachentwicklungs- und Gedächtnisstörungen. Noch nicht geklärt ist indes, wie sich dies auf sprachlicher Ebene bei verschiedenen Sprachen manifestiert und welchen Einfluss Gedächtnisstörungen haben.

Das EU-finanzierte Projekt MEMOGRAM (Grammar and memory: Evidence from agrammatic aphasia and probable Alzheimer's disease in German, Italian and Greek) untersuchte (morpho)syntaktische Phänomene und Gedächtnisfunktionen bei agrammatischer Aphasie und pAD, insbesondere, wie diese sich in verschiedenen Sprachen manifestieren. Ferner wurde nach Zusammenhängen zwischen Sprachleistung und Gedächtnissystemen wie dem verbalen Arbeitsgedächtnis gesucht.

Fünf Sprechergruppen mit neurologischen Sprachstörungen führten Sprach- und Gedächtnistests durch: eine italienische, eine griechische und eine deutsche Aphasikergruppe sowie eine italienische und eine griechische pAD-Gruppe. Die Tests bestätigten keinerlei sprachübergreifende einheitliche Hypothese. Die italienischen und griechischen pAD-Gruppen zeigten ähnliche Leistungsmuster wie die Aphasikergruppen dieser beiden Sprachen.

Daher ist anzunehmen, dass die Muster (morpho)syntaktischer Störungen nicht spezifisch für bestimmte neurologische Erkrankungen sind. Die bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen beobachteten ähnlichen Muster gehen offenbar auf zwei synergistische Faktoren zurück: Probanden mit neurologischen Erkrankungen wie Aphasie und pAD hatten generell Verständnisprobleme, insbesondere bei bestimmten grammatikalischen Phänomenen/Konstrukten.

Um Zusammenhänge zwischen Gedächtnisfunktionen wie Arbeitsspeicher (working memory, WM) und (morpho)syntaktischen Phänomenen eindeutig zu klären, wurden Gedächtnis- und Sprachtests mit 103 griechischen Probanden durchgeführt, die keinerlei neurologische Störung hatten. Das wichtigste Ergebnis war, dass eine geringe Kapazität des verbalen Arbeitsgedächtnisses verbale morphosyntaktische Kategorien beeinflussen kann, auch wenn dies nur bei niedrigem Bildungsstandard (5-10 Jahre Schulbildung) auftrat. Auf Gruppenebene schnitten die gesunden Teilnehmer besser bei Kongruenz als beim Tempus ab, und besser beim Tempus als beim Aspekt. Weiterhin war die Distanz zwischen Anfangs- und Zielstruktur von Bedeutung.

MEMOGRAM zeigte, auf welch verschiedene Arten agrammatische Aphasie und pAD Sprecher verschiedener Sprachen beeinträchtigen können. Die Ergebnisse werden fundierte Therapien vereinfachen und auf diese Weise die Lebensqualität verbessern.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Gedächtnis, syntaktisch, Sprachen, Alzheimer-Demenz pAD, MEMOGRAM, agrammatische Aphasie
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