Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Ozwillo führt öffentliche Dienste in einer einzigen Online-Plattform zusammen

Wie können die von den lokalen Behörden angebotenen Dienstleistungen so in das Internet gebracht werden, dass keine Segmentierung entsteht, die oft von Bürgern und Unternehmen geklagt wird? Diese Frage stand im Mittelpunkt des OASIS-Projekt, das hierfür eine Plattform mit dem Namen Ozwillo ins Leben rief. Die Plattform erleichtert den Zugang zu und den Austausch von Informationen, indem sie öffentliche Dienstleistungen in einer einzigartigen Umgebung vereint.
Ozwillo führt öffentliche Dienste in einer einzigen Online-Plattform zusammen
Im Jahr 2016 haben die Bürger und Unternehmen in vielen Regionen Europas immer noch Schwierigkeiten, die von den lokalen Behörden über das Internet zur Verfügung gestellten Informationen und Dienstleistungen zu finden – manchmal fehlt es an diesem Angebot sogar komplett. Und wenn sie mal etwas finden, dann sind diese Informationen oft alles andere als auf intuitive Weise segmentiert.

"Öffentliche Akteure befinden sich im Zusammenhang mit der Aufbewahrung von Informationen immer noch in einer Kultur der Macht. Sie haben den laufenden Kontextwandel noch nicht assimiliert, wo der Informationsaustausch einen Wert schafft, ein effizienteres weil gemeinsames Arbeiten ermöglicht und zu Kosteneinsparungen für Verwaltung oder Rechtsfragen führt", sagt Bruno Thuillier, Koordinator von OASIS (Openly Accessible Services and Interacting Society) und in der Funktion quasi Geburtshelfer von Ozwillo.

Zusammen mit seinen Kollegen argumentiert Thuillier, dass die Vereinigung von Dienstleistungen in einer einzigartigen Umgebung den Behörden ermöglichen wird, ihre Kunden- und Unternehmensinformationen besser zu nutzen und die öffentlichen Dienste (E-Services) besser an deren Bedürfnissen anzupassen. Er erwartet, dass dies zu zugänglicheren, benutzerfreundlicheren, effizienteren und billigeren Dienstleistungen führen wird.

Diese Ideen flossen in Ozwillo ein, das sich offene Plattformen und Cloud-Architektur zunutze machte, um ein erstes Paket von 12 Anwendungen für Bürger, Behörden und Unternehmen zur Verfügung zu stellen. "Als erstes befassten wir uns mit Anwendungen, mit denen eine vollständige Kette der Entmaterialisierung möglich gemacht wird. Aber wir konnten nicht alle von ihnen anpassen, weil Anbieter von Finanzmanagement, Personalwesen, Abrechnung usw. mit Software arbeiten, die nicht auf die Cloud übertragen werden kann, ohne sie komplett neu zu entwickeln", erinnert sich Thiollier. "So hat sich unsere Auswahl weiterentwickelt, um eine große Bandbreite von Anwendungsfällen zu umfassen: vom Tourismus bis hin zu wirtschaftlicher Entwicklung, öffentlichem Auftragswesen, Vernetzung, partizipativem Mapping und so weiter. Am Ende der Pilotphase hatten wir 26 Anwendungen, was viel mehr war, als erwartet."

Posten, teilen und sich inspirieren lassen

Die skalierbare Dateninfrastruktur im Herzen von Ozwillo ermöglicht es Anwendungen, Daten zu versenden, abzurufen und gemeinsam zu nutzen. "Business-Anwendungen, die von öffentlichen Einrichtungen verwendet werden, müssen nur einmal von den Dienstanbietern an die Ozwillo-Plattform angepasst werden, ohne dass Schnittstellen zu den einzelnen anderen Anwendungen entwickelt werden müssen. Das bedeutet, dass die Daten direkt und automatisch von den Anwendungen gemeinsam genutzt werden können, mit Ausnahme von persönlichen Daten, die nur auf Initiative des Betroffenen gemeinsam nutzbar sind", erklärt Thuillier. Die Daten werden semantisch miteinander und mit bestimmten Daten-Repositorien wie ISO, Eurostat, nationale statistische Ämtern usw. verbunden.

Ein Beispiel einer Ozwillo-Anwendung ist "Agrilocal", eine französische Plattform für die öffentlichen Beschaffung der lokalen Schulverpflegung. Lokale Produzenten erklären sich damit einverstanden, ihre Daten (Details über Organisation, Produktion usw.) für örtliche Behörden (Landwirtschaftskammer, Bezirksverwaltung) zu öffnen, was zur aktuellsten gemeinsamen Datenbank auf dem Gebiet führt. Diese wird in anderen Anwendungen wie InvProm, einer türkischen Anwendung für die Verwaltung von Tätigkeitsbereichen, wieder verwendet.

Ein weiteres Beispiel ist die spanische Anwendung "Environmental Incidents Management", mit der Berichte von Bürgern über Vorfälle im Straßenverkehr gesammelt und verarbeitet werden sollen. Sie ist kompatibel mit der Verwendung einer französischen Mobilanwendung namens Javise, mit der Bürger Vorfälle bei verschiedenen Behörden melden können. Diese Kompatibilität kann öffentliche Behörden auch dazu inspirieren, anhand der gemeinsam genutzten Daten von anderen Benutzern neue Anwendungen zu schaffen.

Weiterentwicklung

Ozwillo wird bereits von mehr als 250 Organisationen und mehr als 1.500 Personen verwendet, aber Thuillier und sein Team wollen noch lange nicht aufhören. Die Plattform wird weiterhin von der französischen Regierung gefördert, neue Anwendungen werden erwartet und man hat einen Verband geschaffen, der die Hälfte der Mitglieder des OASIS-Konsortiums mit neuen öffentlichen Mitgliedern und Privatpersonen zusammenführt. Auch ein erster privater Investor hat sich Ozwillo angeschlossen, um seine Entwicklung zu fördern, und schließlich wurden erste Verträge mit Anwendungsanbietern unterzeichnet.

"Wir haben zwei Marktstudien durchgeführt und haben einen Fahrplan für die schrittweise Entwicklung von Dienstleistungen rund um die Verwaltung von Daten erstellt", sagt Thuillier. "Seitdem haben wir unsere Kommunikation angepasst und neue Partner wie etwa FNCCR, eine französische nationalen Vereinigung von öffentlichen Einrichtungen für die Verwaltung von Netzen (Elektrizität, Gas, Öl, Internet), mit an Bord geholt, um das Datenmanagement von angeschlossenen Objekten und IoT zu erleichtern. Intelligente Städte sind ein strategischer Markt für Ozwillo."

Durch ein gemeinsam von einer gemeindeübergreifenden Vereinigung von 260 öffentlichen Einrichtungen in Südfrankreich aufgebautes Projekt soll eine markenfreie Version des Ozwillo-Portals für die Region Alpes Provence-Alpes Côte d'Azur (PACA Region) geschaffen werden. Thuillier ist zuversichtlich, dass all diese Verbesserungen direkt allen Partnern und Regionen in Europa zugutekommen werden.

Schlüsselwörter

Online-Dienste, E-Services, Behörden, offene Plattformen, Cloud-Architektur
Datensatznummer: 182987 / Zuletzt geändert am: 2016-07-12
Bereich: IT, Telekommunikation
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben