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ON THE OTHER HAND Ergebnis in Kürze

Project ID: 210373
Gefördert unter: FP7-IDEAS-ERC
Land: Niederlande

Blick auf einzigartigere Merkmale der Gebärdensprache

Gehörlose Menschen setzen beide Händen ein, um zu kommunizieren, was zu zwischenmenschlichen Interaktionen auf eine Weise beiträgt, die in der gesprochenen Sprache nicht erreicht wird. Ein EU-finanziertes Forschungsvorhaben erkundete das Thema in Bezug auf die Frage, auf welche Weise beide Hände unabhängige sprachliche Aufgaben ausführen können.
Blick auf einzigartigere Merkmale der Gebärdensprache
Das Projekt ON THE OTHER HAND (On the other hand: The linguistic impact of having two symmetrical articulators in sign language) wandte in einer Untersuchung der niederländischen Gebärdensprache (Nederlandse Gebarentaal, NGT) innovative Verfahren an. Das Team konzentrierte sich auf drei Fragen, die auf Diskurs, Syntax und Phonologie der NGT abzielen, die eine der ältesten und umfangreichsten digitalen Gebärdensprachkorpora weltweit ist.

Erstens, welche Art von Mitteilung trägt eine zweite Hand zu einer gebärdeten Kommunikation in längeren Äußerungen (Diskurs) bei? Zweitens, welche Arten von Äußerungen, die eine zweite Hand ausführt (Subordination, Koordination, Zwischenbemerkung, Beifügung) sind in gebärdeten Sätzen zu unterscheiden? Und drittens, welche Zwänge gibt es bei einhändiger Artikulation zweihändiger Gebärden (wobei es oft notwendig ist, gleichzeitige Konstruktionen zu erschaffen)?

Sogenannte Klassifikatorkonstruktionen beim Gebärden von Sprachen universell und verfügen über einzigartige Eigenschaften, die aufgrund der visuell-gestischen Modalität entstehen. Die Forscher fanden heraus, dass zwei unabhängige, sehr kurze Sätze in Konstruktionen dieser Art gleichzeitig artikuliert werden. Das bedeutet, jede Hand drückt eine Satzaussage aus, die verschiedene Argumente beinhalten kann.

Die nichtdominante Hand behält die Informationen für eine Weile bei, während die dominante Hand gebärdet. Das Team beobachtete, dass dieses Anhalten sowohl innerhalb als auch zwischen den Sätzen auftritt, was einen manuellen Rhythmus nahelegt, der zeitweise Einheiten umfasst, die größer als ein einzelner Satz sind.

Im Zusammenhang mit diesen Erkenntnissen fand ON THE OTHER HAND überzeugende Beweise dafür, dass die dominante Hand bei einer speziellen Gebärde oder einem bestimmten Satz nicht unbedingt der bevorzugten Hand des Gebärdenden entspricht. Die Studie mit 92 Personen des NGT-Korpus zeigte, dass die Gebärdenden dazu neigen, die Rolle der einzelnen Hand umzukehren. Wenngleich es keinen kommunikativen Grund für diesen Dominanzschalter geben muss, dient den meisten Menschen die Mehrheit der Umkehrungen typischerweise dazu, auf einer gewissen sprachlichen Ebene einen Gegensatz auszudrücken.

Die Projektarbeit mündete in Forschungspublikationen sowie einer großen Kommentardatenbank und einem damit in Beziehung stehenden Basislexikon. Datenbank und Lexikon werden bereits zum Lehren und Lernen genutzt. ON THE OTHER HAND produzierte außerdem eine Reihe populärer Publikationen für gehörlose Gebärdende (in Gebärdensprache) und hörende Lernende. Diese haben dazu beigetragen, die Existenz der Datensätze einem breiten Publikum zu vermitteln und den Weg für eine nicht der Forschung dienende Nutzung freizumachen.

Verwandte Informationen

Schlüsselwörter

Gebärdensprache, Sprachfunktionen, ON THE OTHER HAND, Nederlandse Gebarentaal, Diskurs
Datensatznummer: 183041 / Zuletzt geändert am: 2016-07-19
Bereich: Industrielle Technologien