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ERC

BBSG Ergebnis in Kürze

Project ID: 241231
Gefördert unter: FP7-IDEAS-ERC
Land: Vereinigtes Königreich

Die ungleichen Belastungen nach Konflikten

Bei bewaffneten Konflikten gibt es die Tendenz, dass sie langfristige Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Die Forscher führten eine ethnografische Studie über zwei in der Gegenwart angesiedelte Versöhnungsprozesse nach Kriegen durch.
Die ungleichen Belastungen nach Konflikten
BBSG (Bosnian bones, Spanish ghosts: 'Transitional justice' and the legal shaping of memory after two modern conflicts) untersuchte, wie das Recht in zwei Ländern dazu beigetragen hat, kulturelle Erinnerungen an Kriegsgreuel zu prägen.

Das EU-finanzierte Projekt untersuchte die Fälle Bosnien und Spanien. Im bosnischen Fall resultierten die internationalen Interventionen zur Beendigung des Konflikts in einem zwei Jahrzehnte dauernden Übergangsprozess. Im Fall von Spanien führte ein national eingefädelter Pakt des Schweigens, der erst 70 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs gebrochen wurde, nach Francos Tod zu einem über Nacht stattfindenden Wandel.

Beide Fälle zeigen ganz verschiedene Wege der Übergangsjustiz. Die Forscher untersuchten die Art und Weise, wie Strafanklagen, Verfassungsreformen und internationale Rechtsmechanismen dazu beigetragen haben, die Geschichte dieser gewalttätigen Konflikte zu prägen. Zu den Themen von Interesse zählten gleichermaßen die systematische Umstrukturierung der legislativen und gerichtlichen Infrastruktur, die Gesetzgebung gegen Korruption und Projekte zum Aufbau von Kapazitäten.

Die Projektkollegen untersuchten auch die Rolle, die das Recht in der Politik der Erinnerung und Anerkennung des Traumas spielte, das von Kriegsgräueltaten verursacht wurde.

Um Antworten auf all diese Forschungsfragen zu finden, erstellte BBSG ein innovatives Anfrageprogramm. Dazu zählte auch eine Vielzahl von Methoden zur Datensammlung (aus ethnografischen Studien, forensischen Untersuchungen an Massengräbern und teilstrukturierten Interviews zur quantitativen Datenerhebung) und eine ebenso vielfältige Mischung aus analytischen Strategien (Akteur-Netzwerk-Theorie, soziale Netzwerkanalyse und zudem eine soziale Skalaranalyse für den projekteigenen methodischen Fortschritt).

Für das Erreichen der Projektziele war die Entwicklung einer sozialen skalaren Analyse von zentraler Bedeutung. Sie hatte den Zweck einer potenziellen methodischen Orientierung und diente gleichermaßen als ein theoretischer Rahmen für sowohl zeitlich distanzierte als auch genau entgegengesetzte Fälle, die geprüft wurden. Das erlaubte den Forschern, die Fähigkeiten der Übergangsjustiz, gegensätzlichen politischen Ontologien gerecht zu werden, in Hinsicht auf Diskurs, Praktiken und Vorgehensweisen zu hinterfragen.

Verschiedene internationale und nationale Gremien sowie Nichtregierungsorganisationen aus beiden Ländern zeigten besonderes Interesse für das Projekt, das eine erneute Analyse der gegenwärtigen Zwickmühlen lieferte, mit denen die einzelnen Länder konfrontiert sind.

Die Wissenschaftler arbeiteten während der Projektlaufzeit an zahlreichen Orten in beiden Ländern und waren in empfehlender Beratungstätigkeit aktiv. Resultat war eine weitere Finanzhilfe des Europäischen Forschungsrats (European Research Council (ERC) Grant) für ein Einjahresprojekt zum Wissensaustausch über den öffentlichen Sektor von Bosnien und Herzegowina, das in Zusammenarbeit mit zahlreichen Einrichtungen abläuft.

Verwandte Informationen

Schlüsselwörter

nach Konflikten, Konflikte, ethnografische Studie, BBSG, Übergangsjustiz, soziale skalare Analyse
Datensatznummer: 183098 / Zuletzt geändert am: 2016-07-26
Bereich: Industrielle Technologien