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STATEBGLATAMERICA — Ergebnis in Kürze

Project ID: 230246
Gefördert unter: FP7-IDEAS-ERC
Land: Spanien

Neue Sichtweise auf die Staatsbildung in Lateinamerika im 19. Jahrhundert

Ein EU-finanziertes Projekt hat Forschung über den Staatsbildungsprozess in Lateinamerika durchgeführt. Beginnend mit der finanzpolitischen Historie befasste sich die Arbeit mit der Entwicklung der Bürokratie und der aus der Kolonialzeit übernommenen Truppen.
Neue Sichtweise auf die Staatsbildung in Lateinamerika im 19. Jahrhundert
Der Staatsaufbau durchlief in Lateinamerika große Veränderungen, die mit der Revolution von 1810 begannen und vor allem während der Unabhängigkeitskriege (1810-1825) andauerten. Das Projekt STATEBGLATAMERICA (A comparative history of the state building process in Latin America (1820-1870)) untersuchte Formen und Rhythmen der Staatsbildung in verschiedenen ausgewählten lateinamerikanischen Nationalstaaten und/oder Provinzfällen.

Bei den meisten der neu geschmiedeten Nationen erforderten Unabhängigkeitskriege und langjährige Bürgerkriege die Formierung stabiler Militär- und Polizeikräfte, um das unverzichtbare legitime Gewaltmonopol aufzubauen, das die Vorherrschaft des Staates charakterisiert. Dieser Prozess verlangte eine Lokalisierung der Ressourcen, um die enormen Kosten zu decken, die von militärischen Truppen und bürokratischen Einrichtungen verursacht werden, denen die Erschaffung eines Systems zur Erzeugung von Ressourcen anvertraut ist.

In den Projektresultaten stellt man sich den lateinamerikanischen Staat als ein Lager von Kräften vor, in dem verschiedene gesellschaftliche Akteure (auch Einzelpersonen) in einem Kreuzmuster agieren und einander die Kontrolle über das Lager streitig machen. Mit Ausnahme weniger Fällen absoluter totalitärer Staaten gestatten Streitigkeiten um die Kontrolle über das Lager keine Phasen der Stabilität, die von Dauer sein können.

Die Konzeption des Staats als Apparat eignet sich für eine problematische Charakterisierung, und zwar eine, in welcher der Staat von der Gesellschaft losgelöst ist, ein Eigenleben führt und von jeglicher gesellschaftlichen Beziehung entfernt ist. Dieses Projekt bietet eine gegensätzliche Sichtweise, die postuliert, dass der Staat ein Rahmenwerk aus sozialen Beziehungen der Herrschaft ist, welches ständig am Siedepunkt steht und sich in ständiger Umwälzung und Instabilität befindet.

Die Projektforscher bringen vor, dass diese Charakterisierung im Prozess des Staatsaufbaus im Lateinamerika des 19. Jahrhunderts leichter erkennbar sei. Da der Staatsaufbauprozess konsolidiert wird, werden Sektoren des Lagers der Kräfte zunehmend institutionalisiert (z. B. zivile Beamte, Streitkräfte). Jedoch blieb dieser Prozess der Institutionalisierung zumindest bis weit über den untersuchten Zeitraum hinaus instabil. Das ist eine Erklärung für die um sich greifende Zerbrechlichkeit, welche den Prozess des Aufbaus sämtlicher lateinamerikanischer Staaten im 19. Jahrhundert und in einigen Fällen sogar während eines großen Teils des 20. Jahrhunderts charakterisiert.

Dem Projekt zuzuordnende Forschungsarbeiten, Erkenntnisse und Interpretationen zeigen eine neu formulierte Konzeption des lateinamerikanischen Staates und des Prozesses seiner Bildung im Lauf des 19. Jahrhunderts auf.

Verwandte Informationen

Schlüsselwörter

19. Jahrhundert, Staatsaufbau, Staatsbildung, Lateinamerika, Streitkräfte, Unabhängigkeitskriege, STATEBGLATAMERICA
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