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Überraschende Erkenntnisse über die Evolution von Menschenformen

Neue Informationen über altsteinzeitliche Werkzeuganfertigung in Armenien und der Türkei werden die aktuellen Theorien über Verbreitung und Evolution der Frühmenschen revolutionieren.
Überraschende Erkenntnisse über die Evolution von Menschenformen
Die Demografie unserer Vorfahren oder von Hominini im Pleistozän kann uns viel über die Evolution des Menschen berichten. Die Region Eurasien, welche die Türkei und Armenien umfasst, könnte wertvolle Auskünfte über unsere Herkunft geben, wofür jedoch eine fundierte Untersuchung von Fossilien und den entsprechenden Ausgrabungen erforderlich ist. Vor diesem Hintergrund ging das EU-finanzierte Projekt PLATEAU (Palaeolithic Populations in Armenia and Turkey: Expanding Archaeological Understanding) die herausfordernde Aufgabe an.

Im Rahmen des Projekts führte man die erforderlichen Ausgrabungen durch, man untersuchte Artefakte und verbesserte die vorliegenden archäologischen Datenbanken. Auch eine vergleichende Analyse der Erkenntnisse der beiden Nationen gehörte dazu. Im Einzelnen nahm das Team Freilegungen in pleistozänen Bereichen mit homininer Präsenz im Nordosten der Türkei und im Westen Armeniens vor. Man verglich Erkenntnisse aufgrund vorhandener Datensätze aus anderen Gebieten und betrachtete regionale Unterschiede in der Anfertigung von Steinwerkzeugen.

Die Forschungsarbeiten vor Ort in der Nähe des Einzugsgebiets des türkischen Flusses Kura offenbarten pleistozäne Ablagerungen mit möglichen altsteinzeitlichen Artefakten, während Ausgrabungen auf dem Gelände von Barozh 12 in Armenien zahlreiche Fundstücke aus Obsidian freigaben, die wertvolle Daten über die menschliche Zivilisation und Landnutzung liefern. Die Untersuchung ergab, dass das Gebiet Barozh 12 tatsächlich für Jäger und Sammler attraktiv war, während sich in der Anfertigung der Werkzeuge Ähnlichkeiten mit anderen Weltregionen wie etwa Georgien, dem Iran und der Levante zeigten.

Da einige Obsidianwerkzeuge aus 180 km entfernten Gebieten stammten, leitete das Projektteam zudem ab, dass die Hominini ziemlich mobil waren und über ausgeklügelte Strategien verfügten, um an Materialien für ihre Werkzeuge zu gelangen. Vergleiche mit anderen Fundstätten in Armenien ergaben regionale Muster der Fertigung der Funde, der Technologie und der technischen Organisation.

Parallelvergleiche zwischen den türkischen und armenischen Fundstätten wiesen erhebliche Verschiedenheiten in der Werkzeuganfertigung aus Obsidian auf, die nicht mit den Unterschieden im Rohstoff zu tun hatten. Aufgrund dieser und anderer Beobachtungen stellte das Projektteam die Hypothese auf, dass viele isolierte Menschenpopulationen gleichzeitig existiert haben könnten. So werden Modelle der Verbreitung von Hominini in Frage gestellt und es kommt die Forderung nach weiterer Forschung zu diesem Thema auf.

Diese vielsagenden Resultate wurden der internationalen akademischen Gemeinschaft auf Konferenzen und Veranstaltungen sowie in Form von Veröffentlichungen nahegebracht. Das Projektteam organisierte überdies einen internationalen Workshop in der Türkei, der auf diesem Gebiet forschende und studierende amerikanische, armenische, europäische und türkische Kolleginnen und Kollegen vereinte. Die Projektergebnisse werden das aktuelle Wissen über die Evolution des Menschen auf den neuesten Stand bringen.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Paläolithikum, Altsteinzeit, Pleistozän, Hominini, Menschenformen, Freilegungen, Ausgrabungen, Steinwerkzeuge
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