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Parasiten im menschlichen Darm - Freund oder Feind?

Da bereits bekannt ist, wie wichtig die Darmflora für die menschliche Gesundheit ist, soll nun intensiv an allen anderen Darmbewohnern geforscht werden. EU-Forscher untersuchten, ob und wie Protisten (Einzeller, die weiter entwickelt sind als Mikroben) zur Entstehung des Reizdarmsyndroms (IBS) beitragen.
Parasiten im menschlichen Darm - Freund oder Feind?
Aktuellen Daten zufolge sind weltweit etwa eine Milliarde Menschen mit dem Parasiten Blastocystis besiedelt, ohne es zu wissen. Blastocystis ist ein einzelliger Parasit, der mittlerweile für einige menschliche Darmerkrankungen verantwortlich gemacht wird, aber noch nicht hinreichend erforscht ist.

Das EU-finanzierte Projekt BLASTOHIT2012 (Clarifying the role of Blastocystis in human intestinal disease) befasste sich näher mit der Prävalenz und genetischen Vielfalt bei Erwachsenen und Kindern, die keine Symptome einer Magen-Darm-Erkrankung haben.

Mittels Polymerase-Kettenreaktion wurde gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Erwachsenengruppe von Blastocystis besiedelt war, kaum aber die Kinder. In Zusammenarbeit mit einer anderen Studie ergab sich, dass Hunde, die im Haushalt leben, selten Wirte von Blastocystis sind und damit kaum ein Krankheitsrisiko darstellen. Bei Familien mit Hunden waren sogar weniger Parasiteninfektionen als beim nationalen Durchschnitt zu finden.

BLASTOHIT2012 entwickelte auch ein neues Set von Primern, um bei den einzelnen Wirten zwischen Arten oder Subtypen von Blastocystis unterscheiden zu können. Herkömmliche Primer eigneten sich nicht, um gemischte Gruppen von Blastocystis-Stämmen und Genotypen zu charakterisieren, sodass die Ergebnisse der Studie sehr hilfreich sein könnten, um dieses komplexe Problem zu lösen. Die Pathogenität des Parasiten steht möglicherweise mit bestimmten virulenten oder opportunistischen Genotypen in Zusammenhang oder unterliegt bestimmten Voraussetzungen, etwa bei geschwächtem Immunsystem des Wirts.

Als interdisziplinäre Studie kombinierte BLASTOHIT2012 molekulare mikrobielle Analysen menschlicher Darmbakterien mit experimenteller mikrobieller Ökologie und Evolution, um die Besiedelung mit Blastocystis genauer zu erforschen. Im Idealfall könnten daraus neue Therapien gegen Autoimmunerkrankungen wie IBS hervorgehen.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Menschlicher Darm, Parasiten, Protozoen, Reizdarmsyndrom, Blastocyste, BLASTOHIT2012
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