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Allgemeine Krankenversicherung muss weiter ausgebaut werden

Eine kürzliche Studie zu neuen Krankenversicherungsprogramme in Entwicklungsländern zeigt, dass die allgemeine Krankenversicherung vorangetrieben wird, dass aber selbst Versicherte im Krankheitsfall noch oft erhebliche finanzielle Risiken tragen.
Allgemeine Krankenversicherung muss weiter ausgebaut werden
In den letzten Jahren haben viele Entwicklungsländer neue Krankenversicherungssysteme für Nichtversicherte eingeführt. Dem Erfolg solcher Programme stehen jedoch schwache Gesundheitsinfrastrukturen, Personalmangel und enge Budgets entgegen. Da Entwicklungsländer zudem praktisch keine Invaliden- oder Berufsunfähigkeitsversicherung anbieten, drohen selbst bei flächendeckender Krankenversicherung hohe finanzielle Einbußen.

Das EU-finanzierte Projekt HEALTHEVENT (Financial protection against health risks - Evidence from an emerging country with universal coverage and methodological considerations) forschte zu beiden Aspekten und erörterte folgende Fragen: Wie hoch ist das Risiko eines krankheitsbedingten Einkommensverlusts in Ländern mit mittlerem Einkommen? Welche finanziellen Belastungen entstehen, wenn ein Verdiener ausfällt und Lücken in der Krankenversicherung hohe medizinische Kosten generieren, die aus eigener Tasche bezahlt werden (informelle Zahlungen)? Inwieweit können neue Krankenversicherungssysteme angesichts der überstrapazierten und unterfinanzierten Gesundheitssysteme Zugang zu guter medizinischer Versorgung bzw. Schutz vor ausufernden informellen Zahlungen bieten?

Für die Forschung wurden vier Studien durchgeführt. Zuerst wurde in Thailand untersucht, wie hoch im Krankheitsfall das wirtschaftliche Risiko für jene ist, die eine allgemeine Krankenversicherung abschließen können. Wie sich zeigte, reduziert eine schwere Krankheit bei gesunden Arbeitnehmern die Beschäftigung um 18 % und das Haushaltseinkommen um ein Drittel. HEALTHEVENT stellte fest, dass durch schwere Krankheiten nicht-medizinische Ausgaben um bis zu 13 % zurückgehen können.

Die zweite Studie untersuchte in Indien ländliche Haushalte mit begrenzter Krankenversicherung und keiner Versicherung gegen krankheitsbedingten Einkommensverlust. Betrachtet wurden die einzelnen Möglichkeiten, wie Haushalte auf Krankheit reagieren. Offenbar können - zumindest kurzzeitig - informelle Versicherungen Haushalte vor weiteren negativen Folgen schützen, wenn ein Verdiener schwer erkrankt.

Die dritte und die vierte Studie untersuchten den Effekt von Krankheiten auf die wirtschaftliche Situation in Peru. Peruanische Haushalte verzeichnen einen Einkommensverlust von bis zu 18 % und eine Zunahme bei Zahlungen aus eigener Tasche von mehr als 70 %, wenn der Verdiener ein Jahr lang wegen schwerer Krankheit oder Verletzung ausfällt. Allerdings ermittelte das Projekt auch, dass ein neues Krankenversicherungssystem für Arme die ambulante und medizinische Versorgung verbessert und finanzielle Hürden beseitigt.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse politischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und Gesundheitsbehörden, dass eine breiter angelegte Krankenversicherung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen finanzielle Hürden für eine medizinische Versorgung reduziert, aber keine finanzielle Absicherung gegen informelle Zahlungen leisten kann. Die Studie zeigt auch, dass sich private Haushalte in gewissem Maß zumindest kurzfristig vor finanziellen Risiken durch Krankheit schützen können, indem sie informelle Zahlungen leisten. Die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit informeller Zahlungen ist jedoch fraglich angesichts der alternden Bevölkerung und Zunahme an chronischen Krankheiten in den Entwicklungsländern, da in beiden Fällen aufwändige und teure Versorgung nötig ist. Die Ergebnisse sollten daher nicht dazu führen, den Ausbau der regulären allgemeinen Krankenversicherung in den Entwicklungsländern zu verlangsamen.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Krankenversicherung, medizinische Ausgaben, HEALTHEVENT, allgemeine Krankenversicherung, Einkommensversicherung, Einkommensverlust, Entwicklungsländer
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