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FP7

DISTRACTIBILITY Ergebnis in Kürze

Project ID: 304201
Gefördert unter: FP7-PEOPLE
Land: Frankreich

Ablenkung messen

Ein EU-Team hat eine neue klinische Methode zur Beurteilung von Ablenkbarkeit entwickelt. Die Studie untersuchte, wie zwei Hirnmechanismen der Aufmerksamkeit in einem gesunden oder pathologischen (Schlaganfall, bipolare Störung oder Schizophrenie) Gehirn zusammenarbeiten und zu einer erhöhten Ablenkbarkeit führen können.
Ablenkung messen
Aufmerksamkeit bedeutet die Fähigkeit, relevante Informationen aus der Umgebung auszuwählen, und beinhaltet ein Gleichgewicht zwischen Top-down- (freiwillig) und Bottom-up- (unfreiwillige) Mechanismen. Top-down-Aufmerksamkeit ermöglicht die gute Leistung bei einer laufenden Aufgabe durch die Auswahl von relevanten Informationen. Unsere Aufmerksamkeit kann auch ungewollt durch einen unerwarteten ausgeprägten Stimulus gewonnen werden, was uns dann von der bislang ausgeführten Aufgabe ablenkt. Diese Bottom-up-Form der Aufmerksamkeit ist notwendig, um Kenntnis von möglicherweise wichtigen (aber für die laufende Aufgabe irrelevante) Ereignisse (z.B. Feueralarm) zu gewinnen, und wird allgemein als Ablenkbarkeit bezeichnet. Die Dominanz von Bottom-up-Prozessen weist auf eine Tendenz zur Ablenkbarkeit hin, aber derzeitige klinische Tests vernachlässigen Veränderungen bei diesen Prozessen.

Das EU-finanzierte Projekt DISTRACTIBILITY (Competition between bottom-up and top-down mechanisms of auditory attention: Neurophysiological and physiopathological mechanisms of distractibility) entwickelte eine neue Bewertungsmethode. Die Forschung untersuchte auch, wie die beiden Mechanismen des Gehirns in einem gesunden oder pathologischen Gehirn zusammenarbeiten. Die Arbeit bestand aus vier Hauptstudien.

Die Ergebnisse der ersten zeigten, dass eine Erhöhung der Top-down-Aufmerksamkeit Ablenkbarkeit nicht reduzieren konnte, während ablenkende Geräusche Top-down-Mechanismen störten, indem sie Zielverarbeitung und -erkennung verlangsamten. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass diejenigen, die sich häufig an Träume erinnern, von einer erhöhten Kapazität bei beiden Mechanismen profitieren.

Eine zweite Studie untersuchte intrakortikale elektrophysiologische Daten von epileptischen Patienten mit implantierten Elektroden. Die Ergebnisse zeigten, dass Top-down-Aufmerksamkeit sowohl nachhaltige als auch schwankende Gehirnreaktionen innerhalb des auditorischen Kortex moduliert.

Von der Kopfhaut abgegriffene EEG-Daten von Patienten mit beschädigtem lateralen präfrontalen Kortex wiesen auf eine Rolle dieses Teils des Gehirns bei der Regulierung beider Aufmerksamkeitsprozesse hin. Eine Beschädigung der Region reduzierte die Top-down-Aufmerksamkeit und verstärkte die Bottom-up-Mechanismen, was zu einer erhöhten Ablenkbarkeit führte.

Schließlich bestimmte eine Verhaltensstudie der Aufmerksamkeitsleistungen von Patienten mit Schizophrenie oder bipolarer Störung. Beide Arten von Patienten behielten ein Gleichgewicht zwischen Top-down- und Bottom-up-Prozessen. Allerdings wiesen bipolare Patienten reduzierte kognitive Ressourcen auf, was sich auf die geistige Leistungsfähigkeit bei anspruchsvollen Aufgabe auswirkte.

Die Forscher schlugen ein neues Paradigma für die Einschätzung der Ablenkungswirkung durch unerwartete Klänge vor. Der resultierende Test half dabei, die Balance zwischen den beiden untersuchten Arten von Gehirnprozessen zu bestimmen. Es zeigte sich, dass der laterale präfrontale Kortex beide Arten von Aufmerksamkeit steuert und das Aufmerksamkeitsgleichgewicht beeinflusst.

Die Ergebnisse von DISTRACTIBILITY liefern ein wirksames Werkzeug, um Mechanismen der Aufmerksamkeit im Gehirn zu messen und einen Index für die Ablenkbarkeit bereitzustellen. Die Arbeit findet klinische Anwendungen und soll betroffenen Personen helfen, indem der Ursprung ihrer Ablenkbarkeit spezifiziert wird.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Ablenkbarkeit, Gehirn, bipolare Störung, Schizophrenie, auditorische Aufmerksamkeit, störende Geräusche
Datensatznummer: 190592 / Zuletzt geändert am: 2016-11-23
Bereich: Biologie, Medizin