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Kulturelle Anpassung, Zugehörigkeit und Identität für Migranten in Deutschland

EU-finanzierte Forscher untersuchten Sichtweisen von Migranten, Gastgebern und zwischen den Generationen in Bezug auf die psychologische und soziokulturelle Anpassung von Migranten sowie auf Einstellungen zu Integration, zum Gefühl der Zugehörigkeit und zur Gruppenzugehörigkeit. Ihre Arbeit umfasste die Entwicklung einer theoretischen Rahmenumgebung zur Bewältigung der bidirektionalen Beschaffenheit des Akkulturationsprozesses.
Kulturelle Anpassung, Zugehörigkeit und Identität für Migranten in Deutschland
Das Projekt BELONGINGNESS (Where do I belong? The effects of uncertainty-identity on acculturation outcomes for migrants in Germany) verknüpfte die Theorie der Akkulturation und die Theorie zur Unklarheit über die Identität (Uncertainty-Identity Theroy), um die möglichen Folgen der Unsicherheit über sich selbst und die Zugehörigkeit zu untersuchen.

Die Forschungsbemühungen zielten darauf ab, ein besseres Verständnis darüber zu gewinnen, wann und wo Konflikte und soziale Spannungen zwischen Aufnahmemitgliedstaaten und Migranten sowie zwischen den Generationen aufkommen, und welche intervenierenden Variablen positive Ergebnisse (z. B. sozialen Zusammenhalt und Harmonie) beeinflussen. Insgesamt bestand das Ziel darin, besser zu verstehen, warum sich manche Migranten in der Aufnahmegesellschaft fehlanpassen und die Identifikation mit einer Untergruppe wählen, um die Unsicherheit zu reduzieren und gegen die Aufnahmegesellschaft aufzutreten.

In der ersten von drei Projektphasen erkundete man die Bedeutung der Integration in den deutschen Kontext aus Perspektive der Migrantinnen und Migranten sowie der Angehörigen der Mehrheit. Im Folgenden führte BELONGINGNESS eine großmaßstäbliche quantitative Befragung der Angehörigen der Mehrheit (Deutsche) und der Angehörige von Minderheiten (Migranten im weiteren Sinne) durch. Stichprobengrößen waren 603 Personen, welche die Mehrheit repräsentierten, eine ethnische Stichprobe aus 135 gemischten Ethnien (die meisten aus der Türkei, aus osteuropäischen Ländern und dem Mittleren und Nahen Osten) sowie eine bikulturelle Stichprobe von 241 Personen mit einer ähnlichen Zusammensetzung wie der ethnischen Probe einschließlich Teilnehmern mit türkischer, osteuropäischer, lateinamerikanischer und westeuropäischer Herkunft.

In den Untersuchungen bewertete man allgemeine Gefühle der nationalen Ausrichtung (Assimilation), ethnischen Orientierung (Separation), multikulturellen Orientierung (Integration) und Zugehörigkeit, das Gefühl der Sicherheit und das Gefühl, sich mit den Deutschen verbunden zu fühlen (für Migranten). Weitere Variablen von Interesse waren dem Wohlergehen dienende Maßnahmen wie Entfaltung der Persönlichkeit (Gedeihen; "Flourishing"), die den selbst wahrgenommenen Erfolg in wichtigen Lebensbereichen (z. B. Beziehungen, Selbstwertgefühl, Optimismus und Bestimmungszweck) anspricht.

Aus den vorläufigen Resultaten ist ein Zusammenhang zwischen einer multikulturellen Orientierung und der Entfaltung für einheimische Deutsche und Migranten sowie Deutschen mit Migrationshintergrund abzulesen. Eine wichtige Erkenntnis besteht darin, dass das Gefühl der Zugehörigkeit (über die multikulturelle Orientierung hinaus) in der bikulturellen Probe und noch stärker in der ethnischen Probe ein Prädiktor für Gedeihen und soziokulturelle Kompetenz ist.

Die EU hat in Hinsicht auf den unverminderten Zustrom von Flüchtlingen in den letzten Jahren noch eine Vielzahl von Herausforderungen zu meistern. Die Erkenntnisse von BELONGINGNESS tragen zu den Bemühungen um die Lösung interkultureller Konflikte und zur Erforschung der Mechanismen bei, hinter feindlichen Haltungen verborgen sind. Sie können außerdem von Aufnahmemitgliedstaaten, Migranten und politischen Entscheidungsträgern zur Arbeit an der Verbesserung des sozialen Zusammenhalts angewendet werden.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

kulturelle Anpassung, Akkulturation, Zugehörigkeit, Identität, Migranten, multikulturelle Ausrichtung
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