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Die Komplexität der verbalen Kommunikation 

Ein Gespräch ist eine komplexe gemeinsame Aktivität, die von den Gesprächspartnern fordert, automatisch zwischen Sprachproduktion und -verständnis hin und her zu wechseln. Eine EU-finanzierte Forschung untersuchte die Kopplung zwischen Sprachproduktion und -verständnis während der verbalen Kommunikation. 
Die Komplexität der verbalen Kommunikation 
Bis heute befassten sich die meisten Forschungen zur Sprachverarbeitung entweder mit der Sprachproduktion oder mit dem Sprachverständnis als separate Prozesse. Das Projekt LAJA (Language and joint action) bemühtes sich dagegen, mehr über die Sprachverarbeitung in einem Gespräch zu lernen. Es untersuchte, wie Vorhersage und Beobachtung - zwei grundlegende Prozesse, die zu einer erfolgreichen gemeinsamen Aktion beitragen - während der verbalen Kommunikation eingesetzt werden. In diesem Sinne formulierten die Forscher zwei verwandte Fragen: "Was wird zu dem Gesprochenen des Anderen vorhergesagt?" und "Wie werden Beobachtungsprozesse während der verbalen Aktionen eingesetzt?"

Um die erste Frage zu beantworten, führte das Projekt drei Experimente durch. Eines zeigte, dass die Beteiligung der Sprachproduktion in bestimmten Sprech- und Höraufgaben Gehirnreaktionen deutlich modulierte. Das zweite Experiment, das Vorhersageprozesse in Gegenwart eines Gesprächspartners untersuchte, zeigte, dass die Interaktion mit anderen beeinflusst, wie wir das von ihnen gesprochene antizipieren.

Im dritten Experiment testete das Team, wie Aufgabenähnlichkeit Vorhersageprozesse moduliert. LAJA stellte fest, dass die Reaktionen der Teilnehmer von der Reaktion ihrer Partner beeinflusst waren. Dies ergab eine Erleichterungswirkung für die Teilnehmer bei der Ausführung von phonologischen Aufgaben aber nicht bei der Ausführung von semantischen Aufgaben. Während Modelle der Sprachproduktion davon ausgehen, dass die semantische Verarbeitung vor der phonologischen Verarbeitung auftritt, zeigen diese Ergebnisse, dass die Co-Repräsentation der Aufgaben nur stattfindet, wenn die Repräsentation der Aufgabe eines anderen die gegenwärtige Aufgabe nicht stört.

Um die zweite Frage zu beantworten, testete LAJA, ob Gehirnsignaturen im Zusammenhang mit der Fehlererkennung für eigene und fremde verbale Fehler in ähnlicher Weise auftreten. Die Ergebnisse zeigten, dass die (per Elektroenzephalographie registrierten) Gehirnreaktionen für eigene und fremde Fehler ähnlich moduliert wurden. Darüber hinaus zeigte der Test, dass nur eigene Fehler elektrische Modulationen hervorriefen, bevor der Fehler gemacht wurde. Dies weist auf die Existenz eines internen Sprachüberwachungsmechanismus hin, der Sprachfehler erkennt, bevor sie gemacht werden.

Die Ergebnisse der vier Experimente liefern Belege dafür, wie die Sprachverarbeitung bei verbaler Interaktion moduliert wird, und tragen so zu unserem Verständnis der Sprache als eine gemeinsame Aktivität bei. Da es in der heutigen vernetzten Welt weniger persönliche Begegnungen gibt, ist es wichtig, zu verstehen, wie verbale Interaktionen die kognitiven Prozesse von Personen in sozialen Kontexten formen. 

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Schlüsselwörter

verbale Kommunikation, Gespräch, Sprache, gemeinsame Aktivität, Sprachverarbeitung, LAJA  
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